In der Halleiner Stadtpfarrkirche hängt in dieser Fastenzeit ein ungewöhnliches Bild über dem Hochaltar: das vier mal zwei Meter große Fastentuch „Weg des Schmerzes“ von Hans Peter Perner. Der Künstler aus Tamsweg zeigt darauf einen schmelzenden Gletscher und bringt damit ein Thema in den Kirchenraum, das viele Menschen bewegt: Klimawandel, Erderwärmung und die Frage, wie wir leben.

Von Karl Traintinger
Fastentücher gehören seit Jahrhunderten zur christlichen Tradition. Sie verhüllen in der Fastenzeit den Altar und schaffen Raum für Stille, Besinnung und Konzentration auf das Wesentliche. Perner greift diese Tradition auf, übersetzt sie aber in eine zeitgenössische Bildsprache. Statt einer klassischen Passionsdarstellung sieht man eine Gletscherlandschaft in tiefem Violett, der liturgischen Farbe der Fastenzeit.
Gerade diese Zurückhaltung macht das Werk so eindringlich. Das Bild wirkt nicht laut oder anklagend, sondern still und offen. Im barocken Kirchenraum entsteht ein spannender Kontrast: hier die Fülle des Altars, dort die fragile, fast zerfließende Form des Eises. Die Gletscherlandschaft scheint sich nach unten hin zum Tabernakel zu öffnen. So verbindet das Tuch Natur und Glauben, Gegenwart und spirituelle Deutung.

Dechant Markus Danner beschreibt das Bild als Einladung, genauer hinzuschauen, nach oben ins Licht, aber auch auf den dunklen Grund. Das Verschwinden der Gletscher sei eine grundsätzliche Anfrage an unseren Lebensstil und darum auch ein wichtiges Thema der Fastenzeit. Zugleich verweist er auf das Bild des Gletschers selbst: Er lebt von seinem Nährgeb…

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