lebensWert: Ein Spiel um Natur, Macht und Entscheidung
Die Installation „lebensWert“ von Cordula Hofmann-Molis verwandelt den Ausstellungsraum in einen Ort des Nachdenkens und Mitmachens. Mit wenigen Elementen untersucht sie, wie Gesellschaften den Wert von Leben bestimmen – und welche Macht darin liegt.

Von Karl Traintinger
Die Kunstinstallation „lebensWert“: Natur, Kontrolle und menschliche Existenz
Im Zentrum der Kunstinstallation steht ein Turm aus drahtgehäkelten Blättern. Die Formen erinnern an natürliches Wachstum und Erneuerung, wirken durch den metallischen Werkstoff jedoch künstlich und kontrolliert. So wandelt sich das ursprüngliche Symbol des Lebens in ein geordnetes, hierarchisches Gebilde. Das Kunstwerk stellt eine fundamentale Frage: Wie viel Natur bleibt erhalten, wenn sie vom Menschen verwaltet, geformt oder ersetzt wird?
„Schiffe versenken“ als Metapher für Vergänglichkeit und Macht
Ein integriertes Spielfeld mit gefalteten Papierschiffchen greift das bekannte Spiel „Schiffe versenken“ auf. Was zunächst vertraut und spielerisch wirkt, erhält im Ausstellungskontext eine tiefere, ernste Bedeutung: Die Papierboote fungieren als Stellvertreter für menschliches Leben, das strategisch angeordnet, getroffen und ausgelöscht werden kann. Ein starres Raster macht existenzielle Entscheidungen berechenbar und verwandelt individuelle Schicksale in bloße statistische Einheiten.
Interaktive Kunst: Der Begriff „lebensWert“ als bürokratischer Stempel
Auch der Ausstellungstitel „lebensWert“ wird zum aktiven Material des Werks. Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, das Wort wiederholt auf Papier zu stempeln. Diese partizipative Handlung erinnert an Formulare, bürokratische Bewertungen und amtliche Klassifizierungen. Durch den Akt der ständigen Wiederholung verliert der Begriff seine humanistische Selbstverständlichkeit – er offenbart sich als Konstrukt eines Systems, das Lebewesen hierarchisch einordnet und bewertet.




Partizipation zwischen Neugier und gesellschaftlicher Verantwortung
Gerade dieser niederschwellige, spielerische Zugang verleiht der Installation ihre starke Wirkung. Während die gehäkelten Blätter Neugier wecken und die Papierschiffe zur Interaktion einladen, entsteht zugleich ein spürbares Unbehagen: Wer ein Schiff versenkt oder den Begriff „lebensWert“ abstempelt, wird unweigerlich selbst Teil jener Mechanismen, die über Sichtbarkeit, gesellschaftliche Bedeutung und Verlust entscheiden.
Das Werk verdeutlicht eindringlich, dass der Wert des Lebens keine naturgegebene Konstante ist. Er wird durch Sprache, institutionelle Regeln und Machtverhältnisse kontinuierlich gesellschaftlich konstruiert. „lebensWert“ fordert das Publikum dazu auf, diese Bewertungs- und Kontrollprozesse kritisch zu hinterfragen und die ethische Verantwortung hinter jeder Einstufung sichtbar zu machen.
Siehe auch:
Cordula Hofmann – Molis: Den Herzschlag fühlen >
EBORAN
RAUM FÜR KUNST
IGNAZ-HARRER-STRASSE 38 | 5020 SALZBURG
MI – FR | 16 – 19 Uhr während den Ausstellungszeiten.
Cordula Hofmann-Molis bis 9. 10. 2026

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Finissage mit den beiden Künstlerinnen Cordula Hofmann-Molis & Deborah Wargon und Misz Sputnik!