Wer schützt die Fußgänger vor den Radfahrern?

Radeln in der Linzergasse

Radeln in der Linzergasse | Foto: © 2026 Karl Traintinger

Ein Spaziergang im Jahr 2026 ist oft kein Erholungsurlaub mehr, sondern ein Extrem-Survival-Training. Kaum setzt man den Fuß vor die Tür, wird die vertraute Fußgängerzone für manche Zeitgenossen zur Rennstrecke – nur ohne Leitplanken und mit lautlosen Boliden.

Geschwindigkeiten über 20 Kilometer pro Stunde und mehr sind längst keine Seltenheit. E-Bikes können das. Besonders gefährlich für die Fußgänger sind die Lastenräder, neudeutsch „Cargo-Bikes“. Gesteuert werden sie oft von Eltern mit Kampfeswillen, die ihren Nachwuchs im Vollvisierhelm zum nächsten Event karren. Der Fußgänger darf derweil sehen, wo er bleibt – am besten in der nächsten Hauseinfahrt.

Natürlich verstehen wir die Radelnden. Ihr rettet das Klima, verbrennt Kalorien und habt den Parkplatz-Code geknackt. Aber bei aller Begeisterung für Akku und Tempo sollte man nicht vergessen, warum der Gehweg Gehweg heißt: weil dort Menschen gehen. Nicht drängeln, nicht Slalom fahren, nicht klingeln wie ein Getriebener und erwarten, dass sich die gehenden Personen in Luft auflösen. Ein Gehweg ist kein Radweg mit dekorativer Fußgängerbeimischung. Und am Salzburger Mozartsteg haben am Radl sitzende Sportler ohnedies nicht verloren.

Der Fußgänger bewegt sich am Gehsteig, auch am mit einem Radweg kombinierten, in seiner natürlichen Geschwindigkeit: langsam, verträumt und gelegentlich völlig überraschend. Er bleibt stehen, wechselt die Richtung oder entdeckt einen Bekannten. Das ist keine Fehlfunktion, sondern menschliches Verhalten.

Bis der Gesetzgeber den Fußgängerhelm zur Pflicht macht, bleibt nur eine Verteidigung: das stoische, unberechenbare Schlendern. Denn nichts fürchtet der Hochgeschwindigkeitsradler mehr als einen Fußgänger, der spontan nach links ausweicht. Vielleicht ist das die eigentliche Botschaft des Gehwegs: Nicht jeder Weg muss schnell sein. Manche sind einfach dafür da, dass man auf ihnen geht.

Das meint jedenfalls ein kopfschüttelnder Spaziergänger.

Siehe auch:
Radfahrer in der Dorfzeitung >


Dorfgockel

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