Wer in den warmen Monaten durch Salzburg spaziert, sieht neben überfüllten Gassen auch endlose Staus. Das stetige Stillstehen auf den Straßen kostet nicht nur Nerven, sondern treibt auch Betriebe an den Rand der Existenz. So hat der Fischmarkt Seestern im Stadtteil Maxglan diesen Sommer eine befristete Sommerpause geplant, weil der Stau mehr Umsatz kostet als offene Türen bringen. Stau ist nicht nur ein Alltagsärgernis, er gefährdet Existenzen.

Von Lukas Oberauer
Der Salzburger Dauerstau im Sommer ist natürlich nicht der einzige Grund, wenn Betriebe ins Straucheln geraten: Strukturwandel, geopolitische Krisen und hohe Energiepreise wirken ebenfalls. Die Verkehrspolitik jedoch liegt in der Hand der Stadtregierung. Unpünktliche Lieferungen verschlechtern die Wettbewerbsfähigkeit, während potenzielle Kund: innen die volle Innenstadt vermeiden, Stau frisst Zeit, und Zeit ist Geld. Salzburg verbrennt beides, tagtäglich.
Hoffnung bringt der Salzburger Mobilitätsplan 2040. Aktuell macht der Autoverkehr 37% des Verkehrs aus, während der Fuß-, Rad- und Öffiverkehr bei 63% liegt. Bis 2040 soll ein Verhältnis 20:80 geschaffen werden. Konkret geplant ist der Ausbau der Buslinien, ein durchgängiges und verbessertes Radnetz und verkehrsberuhigte Zonen. Bis 2040 ist lang, die Sommerstaus warten nicht und ob die gesetzten Ziele überhaupt erreicht werden, wird sich erst zeigen. Neben dem Mobilitätsplan gibt es die Idee im Juli eine Maßnahmenpaket umzusetzen welcher den touristischen Individualverkehr verringern soll. Konkret: Abfahrtsspeeren für PKWs und Umleitungen zu Park and Ride Parkplätzen. Ein genauer Plan der Umsetzung wurde für Anfang Mai angekündigt.
Andere touristische Städte zeigen Lösungswege: Venedig und Dubrovnik begrenzen die Besucherzahlen, sie lenken Tourismus über Öffentliche Verkehrsmittel. Salzburg könnte die Park and Ride Angebote ausbauen, Pendler: innen als auch Tourismus über öffentliche Verkehrsmittel steuern oder den Lieferverkehr bündeln. Am wirkungsvollsten ist das System der „zona traffico limitato“, mit dem viele italienische Städte die Einfahrt in die Kernzonen beschränken. Nur Bewohner*innen-, Liefer- und Arbeitsverkehr ist erlaubt. Italien zeigt: Weniger Autos bedeutet mehr Qualität für Einwohner: innen, Tourismus und auch die Wirtschaft.
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