Am 10. Juni wird Finanzminister Markus Marterbauer seine Budgetrede zum Doppelbudget 2027/28 halten und bis dahin ringt die Republik wieder um Milliarden, die auf dem Papier mit einer Leichtigkeit auftauchen, die dem wirklichen Leben fremd ist. Dort muss Geld erst verdient oder gefunden werden. Im politischen Betrieb genügt oft schon die passende Überschrift.
Das Publikum blickt derweil ehrfürchtig auf den Haupteingang des Finanzministeriums in der Johannesgasse 5, als käme von dort die Offenbarung und nicht bloß die nächste Variante der altbekannten Zumutung. Der Spaziergänger empfiehlt, wie so oft, den Blick zur Seite: auf den Nebeneingang in der Himmelpfortgasse 8. Dort hat die Fassade längst ausgesprochen, wofür Ministerien sonst ganze Legislaturperioden brauchen: zwei überdimensionierte goldene Schilde und dazu Reliefs mit Strafandrohungen. Ein selten ehrliches Gebäude.
Schöner noch ist nur die Nachbarschaft. Direkt gegenüber ein Altwarenhändler. Wien wäre nicht Wien, wenn es selbst für unbeabsichtigte Satire noch das passende Straßenbild bereithielte. Denn natürlich ähnelt ein Budget in manchen Jahren weniger einem finanzpolitischen Konzept als einer liebevoll kuratierten Räumung: Man holt hervor, was seit Jahren verstaubt, klebt ein neues Etikett darauf und preist es mit feierlicher Stimme als entschlossene Zukunftsmaßnahme an.
Ein paar Schritte weiter das Ronacher. Ob zwischen Bühne und Ministerium ein unterirdischer Verbindungsgang besteht, ist nicht bekannt. Nötig wäre er kaum, die innere Verwandtschaft ist auch so offenkundig genug. Hier wie dort lebt man von Inszenierung, Timing und der Kunst, Mageres mit Pathos aufzutragen.
Der Spaziergänger betrachtet dieses Ensemble aus Macht, Münzen, Straflust und Darstellungswillen mit Alpenländischer Gelassenheit. In der Bundeshauptstadt gelingt die Komödie oft gerade dort am besten, wo man sie für hohe Staatskunst hält.









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