Mit Beginn der Fastenzeit kehrt in der Wiener Dominikanerkirche ein Werk zurück, das vielen Besucherinnen und Besuchern längst vertraut ist: das Fastentuch von Cécile Nordegg und Jonathan Berkh. Entstanden ist es 1998, erstmals gezeigt wurde es 2001. Seither verhüllt es in der Fastenzeit den Hochaltar.

Von Karl Traintinger
Der Titel des Werks lautet: „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist!“ Damit greift das Fastentuch direkt die Passion Christi auf. Gerade in der barocken Pracht der Dominikanerkirche wirkt diese Verhüllung besonders stark. Was sonst den Raum bestimmt, tritt für einige Wochen zurück. Es entsteht mehr Ruhe, mehr Konzentration und ein anderer Blick auf das Wesentliche.
So führt das Tuch eine alte Tradition auf zeitgenössische Weise weiter. Es nimmt nicht nur etwas weg, sondern öffnet einen neuen Zugang zur Fastenzeit. Der Blick wird auf das Kreuz gelenkt – als Zeichen von Leid, Hingabe und Erlösung.

Dass dieses Werk Jahr für Jahr wiederkehrt, zeigt, wie selbstverständlich zeitgenössische Kunst Teil eines lebendigen Kirchenraums sein kann. Gerade in seiner stillen Wirkung entfaltet dieses Fastentuch seine besondere Kraft.


Kommentar hinterlassen zu "Zeitgenössische Stille vor barocker Pracht"