Zwanzigsechsundzwanzig. Kraft schöpfen.

Zwanzigsechsundzwanzig. Kraft schöpfen.

Diese Welt sieht zur Zeit so aus, als ob vieles ungerecht wäre. Als läge das Gute auf der Schattenseite der Geschichte, während die lauten, rücksichtslosen Kräfte an Einfluss gewinnen. Demokratie wirkt brüchig, Menschenrechte verhandelbar, Gerechtigkeit wie in einer Pause – ausgesetzt, vertagt, verschoben. Doch vielleicht ist es gerade diese Wahrnehmung, die uns täuscht. Nicht, weil das Leid weniger real wäre, sondern weil das Gute leiser ist als das Böse. Es drängt sich nicht auf, es triumphiert nicht. Es bleibt, oft unsichtbar, dort, wo Menschen sich entscheiden, nicht mitzumachen.

Leo Fellinger

Von Leo Fellinger

An die guten Kräfte zu glauben heißt nicht, die Welt zu verharmlosen. Es heißt, die Realität auszuhalten, ohne sich ihr zu unterwerfen. Es bedeutet, Widerstand zu leisten – nicht nur gegen Krieg, Gewalt und Ungerechtigkeit, sondern gegen die innere Versuchung, zynisch zu werden. Denn Zynismus ist der bequemste Verbündete der Gewalt. Wer nichts mehr erwartet, widerspricht nicht mehr.

Kraft schöpfen heißt deshalb nicht, blind optimistisch zu sein. Es heißt, Haltung zu bewahren, wo einfache Antworten locken. Menschlichkeit zu verteidigen, auch wenn sie keinen Applaus bekommt. Und daran festzuhalten, dass Würde kein Mehrheitsbeschluss ist. Vielleicht ist das Gute nie dort, wo Macht sichtbar wird. Vielleicht lebt es auch und vor allem in den kleinen Entscheidungen: im Nein zur Entmenschlichung, im Ja zur Solidarität, im Beharren darauf, dass jedes Leben zählt – auch dann, wenn die Welt anderes behauptet.

Widerstand beginnt nicht erst auf der Straße. Er beginnt im Denken, im Sprechen, im Nicht-Nachgeben. Er zeigt sich darin, dass wir Unrecht beim Namen nennen, auch wenn es unbequem ist. Dass wir nicht schweigen, wo Schweigen erwartet wird. Die Geschichte lehrt nicht, dass das Gute automatisch siegt. Aber sie zeigt, dass es ohne jene verloren geht, die bereit sind, es zu tragen.

An das Gute zu glauben ist keine naive Hoffnung.
Es ist eine Entscheidung.
Und heute mehr denn je eine Form von Mut.

Zwanzigsechsundzwanzig kann kommen.

Ich wünsche Euch alle Kraft für das Neue Jahr!

Leo

Dorfzeitung.com

Freunde helfen der Dorfzeitung

Freunde helfen der Dorfzeitung durch ein Abo (=Mitgliedschaft)! Wir sind sehr stolz auf die Community, die uns unterstützt! Auf diese Weise ist es uns möglich, unabhängig zu bleiben. Ihre laufende Unterstützung macht den Unterschied.

Es gibt zwei einfache Wege, zum Freund der Dorfzeitung zu werden.

Überweisung der Abogebühr (ohne Kreditkartenabo)
Sie werden für ein Jahr ein außerordentliches Vereinsmitglied (ohne Rechte und Pflichten) des Herausgebervereins (Kulturverein Dorfzeitung KULTUR online) zum Jahrespreis von 54 €. Es ist dazu ihre Post- und E-Mailadresse notwendig, damit wir die Rechnung für den Mitgliedsbeitrag schicken können. Nach Eingang der Zahlung bekommen Sie einen Steady-Gastzugang für 1 Jahr. Verlängerungen sind möglich. Kontaktformular >

Direktabo mit Kreditkartenzahlung
Ein weiterer Weg ist ein Direktabo via Steady, wie es im Folgenden beschrieben und angeboten wird.

INSERT_STEADY_CHECKOUT_HERE

Kommentar hinterlassen zu "Zwanzigsechsundzwanzig. Kraft schöpfen."

Hinterlasse einen Kommentar