Die Ausstellung „SUBJEKT.FRAU.OBJEKT“ im Museum Moderner Kunst Kärnten empfängt ihre Besucher:innen mit einer klaren Ansage. Der Satz von Simone de Beauvoir „Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es.“ über dem Eingang ist programmatisch gemeint, wirkt aber zugleich wie eine gedankliche Türschwelle. Man fühlt sich angesprochen, vielleicht auch festgelegt. Nicht jede:r wird sich darin wiederfinden, und genau dieses leichte Unbehagen begleitet den Rundgang.

Von Karl Traintinger
Ausgangspunkt der Schau ist eine bekannte, aber ehrliche Diagnose: Die Landessammlung ist historisch männlich geprägt, Künstlerinnen tauchen spät und lückenhaft auf. Die Kuratorinnen Christine Wetzlinger-Grundnig und Ute Liepold machen aus diesem Mangel kein Geheimnis. Im Gegenteil: Die Leerstellen werden offengelegt und bewusst nicht kaschiert. Das ist konsequent und mutig.
Statt einer linearen Kunstgeschichte setzt die Ausstellung auf Themenräume: Körper, Rolle, Unterdrückung, Begehren, Selbstermächtigung. Der weibliche Körper steht dabei im Zentrum, als Erfahrungsraum und Projektionsfläche gesellschaftlicher Zuschreibungen. Das funktioniert dort am besten, wo Werke miteinander ins Gespräch kommen.
Besonders stark sind die Gegenüberstellungen: Körperbilder von Maria Lassnig treffen auf idealisierte Darstellungen von Robert Streit, poppige Figuren von Kiki Kogelnik auf zeitgenössische Positionen. Auch Arbeiten von Ines Doujak erweitern den Blick über regionale Grenzen hinaus. Hier entsteht Reibung – und Erkenntnis.
Gleichzeitig bleibt ein Rest Skepsis. Der feministische Anspruch ist groß, vielleicht größer als das, was die Sammlung tragen kann. Dass frühe, wichtige Künstlerinnen fehlen, schwächt die Erzählung.
„SUBJEKT.FRAU.OBJEKT“ ist keine bequeme Ausstellung, sondern eine, die zum Nachdenken zwingt – auch über die eigene Haltung. Sie bietet keine fertigen Antworten, sondern öffnet einen Raum für Diskussion. Und das ist, bei aller Irritation, vielleicht ihr größter Wert. Der Besuch der Ausstellung im MMKK in Klagenfurt hat sich für mich auf jeden Fall gelohnt.








Teilnehmende Künstler*innen:
Bella Ban, Werner Berg, Herbert Boeckl, Catrin Bolt, Theres Cassini, Ines Doujak, Helga Druml, Felix Esterl, Sissi Farassat, Heinz Goll, Elisabeth Guttenberg-Sterneck, Ilse Haider, Sibylle von Halem, Karin Hazelwander, Caroline Heider, Lisa Huber, Gudrun Kampl, Birgit Knoechl, Kiki Kogelnik, Anton Kolig, Cornelius Kolig, Zenita Komad, Alina Kunitsyna, Maria Lassnig, Judith Lava, Maria Legat, Eduard Lesjak, Marlies Liekfeld-Rapetti, Ina Loitzl, Melitta Moschik, Payer Gabriel, Eva Petrič, Maria Petschnig, Katarina Schmidl, Nina Rike Springer, Evelin Stermitz, Robert Streit, Karin Sulimma, Andrea Vilhena, Franz Wiegele
Originalzitat über der Eingangstür: „On ne naît pas femme: on le devient.“ Der Satz steht am Beginn des zweiten Bandes von Beauvoirs Hauptwerk „Le deuxième sexe“ („Das andere Geschlecht“, 1949).

9020 Klagenfurt, Burggasse 8
SUBJEKT . FRAU . OBJEKT – bis 15.02.2026

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