Wer dieser Tage durch den Salzburger Festspielbezirk spaziert, braucht Geduld. Das Neutor ist dicht, die Bauarbeiten rund um die Festspielhäuser haben begonnen: Der Berg wird ausgehöhlt, um Platz für neue Werkstätten und die notorisch verstopfte Festspiel-Logistik zu schaffen. Doch die Baustelle könnte bald um eine spektakuläre Facette reicher sein. Hinter vorgehaltener Hand pfeifen es die Spatzen bereits von den barocken Dächern: Die Salzburger Festspiele liebäugeln mit einem eigenen Windrad.
Der Gedanke hat Charme. Während das eiskalte Wasser des Almkanals schon heute verlässlich die erhitzten Gemüter in den Sälen kühlt, soll nun die Stadtberg-Brise für grünen Strom sorgen. Ein beachtlicher Schritt in Richtung energetischer Autarkie – sofern der Amtsschimmel keinen Strich durch die Rechnung macht. Allerdings gilt an der Salzach seit jeher das ungeschriebene Gesetz: Geht es um das kulturelle Flaggschiff des Landes, weichen selbst die starrsten bürokratischen Hürden erstaunlich geschmeidig beiseite.
Der zusätzliche Stromstoß käme jedenfalls wie gerufen. Schließlich frisst der Festspielsommer nicht nur Unmengen an Kilowattstunden für Scheinwerfer, Proben und Bühnenzauber. Mindestens ebenso viel Energie verpufft verlässlich abseits der Bretter: in ausufernden Pressekonferenzen, eilends einberufenen Expertengremien und den kunstvoll gedrechselten Erklärungen, warum in Salzburg am Ende eben doch alles ganz genau so sein muss, wie es ist, meint ein grinsender Spaziergänger.

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