Florian Konecny in der Eboran Galerie
Was wir sehen, scheint oft eindeutig. Und doch ist jeder Blick ein persönlicher. Erfahrung, Erinnerung, Wissen und Gefühl sehen immer mit. Genau diesem Zwischenraum widmet sich die Ausstellung „Ich sehe was, was du nicht siehst“ in der Eboran Galerie mit Arbeiten von Florian Konecny.

Von Karl Traintinger
Im Zentrum der Werkserie „The View on Things“ steht unter anderem die Metamorphose des Hirschkäfers. Konecny macht daraus keine naturkundliche Studie, sondern eine eigenwillige Bildwelt. Übergroße Fresswerkzeuge, Fühler, krabbelnde Formen – all das führt in eine Welt, die fremd wirkt und doch seltsam vertraut bleibt. Man schaut hin, vielleicht auch ein wenig widerwillig, und bleibt gerade deshalb hängen.
Es ist ein großes Kribbeln, das diese Arbeiten auslösen. Zwischen Bewunderung und leisem Unbehagen öffnet sich ein weiter Raum. Besonders die großformatigen Bilder mit ihrer stark reduzierten Farbpalette ziehen den Blick an. Sie verzichten auf dekorativen Überschwang und gewinnen gerade daraus ihre Kraft. Die Formen treten klar hervor, fast scharf, und beginnen bei längerem Betrachten zu wandern.
So verschiebt sich auch die Wahrnehmung. Was zuerst fest umrissen scheint, wird offen. Was eindeutig wirkt, beginnt zu kippen. Konecny führt vor, dass Sehen kein fixer Zustand ist, sondern ein Vorgang – beweglich, subjektiv, nie ganz abgeschlossen. Seine Bilder fordern den Blick heraus, ohne ihn zu belehren. Sie laden ein, gewohnte Sehweisen für einen Moment beiseitezulassen.
Diese Ausstellung lebt nicht vom lauten Effekt, sondern von der genauen Irritation. Sie zeigt Insektoides und Verwandlung, aber ebenso die Unsicherheit des Sehens selbst. Gerade darin liegt ihre Qualität. Man verlässt die Galerie mit dem Gefühl, genauer geschaut zu haben – und zugleich zu wissen, dass auch der eigene Blick nie das letzte Wort hat.




Florian Konecny beschäftigt sich in seinen Arbeiten mit Wahrnehmung, Verwandlung und den Übergängen zwischen Beobachtung und Deutung. In unterschiedlichen Techniken entwickelt er Bildwelten von eigener Spannung, in denen sich organische Form und subjektives Sehen begegnen.
Ausstellung: Ich sehe was, was du nicht siehst
Werkserie: The View on Things
Ort: Eboran Galerie
Dauer: bis 3. Juli 2026
Finissage: 3. Juli 2026, 16 bis 20 Uhr
Info: www.floriankoneczny.at

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