Autogipfel – Diskussion zwischen Don Quichote und Münchhausen?

Autogipfel

Autogipfel | Fotomontage: Leo Fellinger

Eine spannende Diskussion, die der österreichische Bundeskanzler mit seinem Autogipfel hier angestoßen hat. Nur: das Thema ist so gut wie nicht mehr diskutierbar.

Leo Fellinger

Von Leo Fellinger

Das wissen viele, zum Beispiel die Wissenschaft, die immer wieder auf die dringende Notwendigkeit der Dekarbonisierung des Verkehrs hinweist, das weiß die Industrie, die sich schon längst auf eine neue Technologie unumkehrbar festgelegt hat, das wissen nun auch schon die meisten Medien, die nicht einfach nur abschreiben, das pfeifen also die Spatzen förmlich von den Dächern.

All denen zum Trotz verlangen Kanzler samt ÖVP, beide in Geiselhaft der Wahlumfragen, zum Teil Dinge, die sowieso kein Thema sind, wie die Begrifflichkeit „Verbrennerverbot“. Das gibt es nämlich gar nicht, sondern nur eine verbindliche Forderung nach CO2-Neutralität des Fahrzeugs, und auch das ab 2035 nur beim Neuwagen. Das dies nur mit dem Einsatz von Technologien möglich ist, die laut Ansicht der Experten unrealistisch sind, wie z. B. Wasserstoff (der sich im Individualverkehr nicht durchsetzen konnte) oder E-Fuels (die in ihrem Wirkungsgrad extrem hinter allen anderen Technologien hinterherhinken und auch für den/die Normalverdiener/in unbezahlbar sind), all das scheint an den Akteuren des Gipfels spurlos vorüberzugehen. Auch bei der Forderung nach mehr Bio-Kraftstoffen hat weder die ÖVP noch der Bauernbund Angst, das dies zu Lasten der Lebensmittelversorgung geht.

Auch die Industriellenvereinigung möchte gerne die automobile Zulieferindustrie vor dem Fortschritt, der ja bald nur mehr in China stattfindet, beschützen. Und der ÖAMTC wünscht sich einfach nur alles und vor allem keine Veränderung des Status Quo. Nur der Wirtschaftsminister mäandert durch den Meinungsdschungel, er spricht von Faxgeräten und Pferdekutschen und meint: „Innovative Ideen werden sich durchsetzen, es sind keine Verbote oder Regulierungen vonnöten, aber die Bürokratie muss weniger werden.“ Wovon spricht er? Wer weiß.

Ob sich der Kanzler nach den Wahlen an seine Forderungen, die ja auch Versprechen inkludieren (sehr seltsam, weil er ja das Gegenteil auf EU-Ebene mitbeschlossen hat), erinnern kann, das bleibt offen. Wahrscheinlich rechnet er mit der unendlichen Flexibilität der Wähler*innen, die sich später ja gar nicht mehr daran erinnern, wenn alles anders kommt.

Bitte könnten wir uns wieder auf die Ebene der Fakten begeben, die sprechen eine eindeutige Sprache. Und uns darauf verständigen, dass wir gemeinsam kämpfen um Dinge, die wirklich wichtig sind wie leistbare E-Autos, Regulierung des Strommarktes für die Mobilität, Stichwort „dynamische Strompreise“, ein Vorantreiben der Ladeinfrastruktur und auch des „Bidirektionalen Ladens“, das Stromnetze deutlich entlasten würde usw. usw.

Ich bitte inständigst um mehr Realitätsbewusstsein und vor allem darum, das große Teile der Politik auch eine Verantwortung für Mensch, Umwelt und eine lebenswerte Zukunft unserer und auch ihrer Kinder wahrnehmen.

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Dorfladen

1 Kommentar zu "Autogipfel – Diskussion zwischen Don Quichote und Münchhausen?"

  1. Richard Fuchs Richard Fuchs | 10. Juni 2024 um 15:47 |

    Vor ziemlich genau 100 Jahren glaubten die mächtigen Dampflokomotiv-Fabriken wie Borsig, BMAG Schwartzkopff, Henschel, Linke-Hoffmann-Busch, Orenstein & Koppel etc. unentbehrlich zu sein und ewig so weiter produzieren zu können.

    Sie haben die Entwicklung des Kfz-Verkehrs völlig ignoriert und verschlafen. Die logische Folge war, dass der Dampflokomotiv-Bau vollkommen zusammenbrach, eine Welle der Insolvenzen war das Ergebnis und dieser einst dominante Industriezweig verschwand völlig.

    100 Jahre später droht der Autoindustrie dasselbe Schicksal und ein kurzsichtiger Bundeskanzler ermutigt diese Branche noch allen Ernstes an den veralteten Technologien der Zerknall-Maschinen (Verbrennungsmotoren) festzuhalten, obwohl bereits jetzt bekannt ist, dass chinesische, indische und amerikanische Autofirmen mit den Elektroautos längst auf der Überholspur sind.

    Der Weg, wie vor 100 Jahren ist vorgezeichnet. Übrigens, Österreich ist kein „Autoland“, sondern ein „Bahnland“, weil die weltweit führende Bahnindustrie, mindestens genauso viele Arbeitskräfte in Österreich beschäftigt, wie Stronachs Autozulieferer!

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