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Daniel Mendelson | © Matt Mendelsohn

Daniel Mendelsohn: Eine Odyssee. Mein Vater, ein Epos und ich

Autor: Daniel Mendelsohn
Titel: Eine Odyssee – Mein Vater, ein Epos und ich
ISBN: 978-3-8275-0063-2
Verlag: Siedler Verlag, München
Erschienen: März 2019

Klappentext:

„Auch dass Odysseus weint, gefiel meinem Vater gar nicht. Dauernd weint er!, rief er, als wir am dritten Februar zum Campus fuhren.

An diesem Tag standen der fünfte und sechste Gesang auf dem Seminarplan. Er weint!

Verständnislos schüttelte mein Vater den Kopf. Was ist daran so heldenhaft? Es war kalt an diesem Morgen, minus 7 Grad zeigte das Thermometer an der hinteren Tür, als wir das Haus verließen. Mein Vater kämpfte fluchend mit den Knöpfen seines übergroßen Mantels.

Dad, sagte ich, vielleicht ist es sinnvoller, die Handschuhe erst
anzuziehen, wenn du den Mantel zugeknöpft hast.

Sag mir nicht, was ich zu tun habe, antwortete er, auch das ein vertrauter Refrain aus meiner Kindheit. Ich weiß, was ich tue. Ohne von den Knöpfen aufzusehen, sagte der dann: Manchmal klingst du wie deine Mutter.“

Anna Lemberger

Rezension von Anni Lemberger

Der 81 jährige Vater Jay nimmt an einem Universitätsseminars seines
Sohnes Daniel Mendelsohn,eines erfolgreichen Altphilologen, über
Homers Epos „Die Odyssee“ teil.

Gemeinsam mit jungen Studierenden beteiligt sich der pensionierte
Mathematiker Jay, an der Interpretation des 3000 Jahren alten Epos,
unter der Leitung seines Sohnes Daniel Mendelsohn.

Im Seminar und in der anschließenden gemeinsamen Kreuzfahrt von
Vater und Sohn zu den Originalschauplätzen von Homers Epos spiegelt
sich ihr eigener Vater-Sohn Konflikt wider. Sie machen sich gemeinsam
auf eine berührende Reise: Den Weg des „Helden Odysseus“, der
gleichzeitig auch der Weg zur Konfliktbewältigung von Vater und Sohn
ist.

Das autobiografische Buch des Autors baut eine Brücke von einem 3000
Jahre alten antiken Werk in unsere heutige Zeit. Es fordert den Leser
heraus, diesen Weg mitzugehen. Das setzt aber voraus sich, auf die
Geschichte und die Mythen des antiken Griechenlands einzulassen. Das
Hin- und Herspringen zwischen den Zeiten wirkte am Anfang etwas
befremdlich, wurde aber mit zunehmenden Einlassen auf dieses Buch mit
einer rührenden Geschichte belohnt.

Ein lesenswertes Buch für alle, die bereit sind, sich mit der
antiken Geschichte Griechenlands und deren Mythologie auseinander
zusetzen.