„Grand Hotel Palace“ – eine amüsante Gaunerkomödie

Wer von den illustren Gästen im französischen Nobelhotel wird wohl bei der Abreise die Hotelrechnung wirklich begleichen können? Der reiche Amerikaner wirft zwar mit Trinkgeld um sich, lässt aber verdächtig oft anschreiben. Erfolgsautor Marc Camoletti („Boeing, Boeing“) lässt das Publikum lange im Dunkeln. Das charmant-witzige Gaunerstück feierte am 12.12.2015 im Schauspielhaus Salzburg Premiere.

elipi_aVon Elisabeth Pichler

Man sollte nicht mit schäbigen alten Pappkoffern in einem Luxushotel auftauchen, da könnte der Concierge misstrauisch werden. Jean, der umtriebige Chef der Rezeption des Grand Hotel Palace, bietet der kleine Eve daher sofort seine Hilfe an, denn ihm ist klar, dass die junge Dame nach einem betuchten Herrn Ausschau hält. Gegen 15 % Beteiligung am Gewinn bietet er professionelle Hilfe als Kuppler an. Ein Opfer ist rasch gefunden. Der reiche Amerikaner, der mit seinem munteren Töchterchen in Suite 107 residiert, könnte für diesen Zweck ideal sein. Eve müsste nur möglichst überzeugend eine einsame, unglückliche, eben von ihrem Ehemann verlassene Frau mimen und schon würden Geschenke auf sie herniederprasseln. Wenn da nur nicht Alain, Eves eifersüchtiger Liebhaber, dauernd im Hotel herumhängen würde.

Olaf Salzer brilliert als gewiefter Portier Jean, der alle Tricks kennt, um seinen noblen Gästen Geld aus der Tasche zu ziehen. Auch Ute Hamm als singfreudiger Barkeeper Bobby versteht es, zur rechten Zeit die Hand aufzuhalten. Wandlungsfähig erweist sich Yael Hahn, die erst als unsichere junge Dame im Hotel eincheckt, um kurz darauf – nach einem Crashkurs durch Portier Jean – als umwerfend schöne Lady herausgeputzt den reichen Amerikaner Robert zu bezirzen. In dieser Rolle muss sich Antony Connor mit einem aufsässigen, überaus selbstbewussten Töchterchen (Kristina Kahlert) herumschlagen. Diese macht auch ihrem etwas einfältigen Verlobten (Magnus Pflüger) das Leben nicht leicht, hat sie doch ein Auge auf Alain geworfen, den ungehobelten Kraftlackel mit rauem Charme (überzeugend Martin Brunnemann), der so gar nicht in das vornehme Luxushotel passt. Alle Protagonisten lügen und betrügen mit Hingabe, schieben aber auch mit Eifer die Kulissen hin und her. Das edle Jugendstil-Ambiente besteht aus zwei Seiten. Durch Drehung wird aus einer gut bestückten Bar Eves Luxussuite, in der ständig ungebetene Gäste an die Tür klopfen (Ausstattung: Isabel Graf).

Christoph Batscheider hat diese Gaunerkomödie mit dem richten Gespür für Tempo in Szene gesetzt. Eine Farce, die dem Publikum Zeit lässt, die spritzigen Dialoge zu genießen. Intendant Robert Pienz empfahl bei der Einführung: „Lachen Sie einfach.“ Dem ist nichts hinzuzufügen. Die Komödie steht auch zu Silvester auf dem Programm des Schauspielhauses Salzburg. Ein absolut heißer Tipp.

„Grand Hotel Palace“ – Gaunerkomödie von Marc Camoletti. Regie: Christoph Batscheider. Bühne & Kostüme: Isabel Graf. Musik: Fabio Buccafusco. Die Besetzung: Olaf Salzer, Yael Hahn, Antony Connor, Kristina Kahlert, Martin Brunnemann, Magnus Pflüger, Ute Hamm.

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