„NippleJesus“ – das Salzburger Landestheater zu Gast im Museum der Moderne

Der von Astrid Großgasteiger in Szene gesetzte Monolog eines Museumswärters – nach der gleichnamigen Kurzgeschichte des Kult-Autors Nick Hornby – passt bestens in diesen Rahmen. In der aktuellen Ausstellung „Röcke tragen“ hängen zwar keine provokativen Gemälde an den Wänden, doch wäre hier ein „NippleJesus“ jederzeit vorstellbar.

Von Elisabeth Pichler.

Dave, ein Mann Mitte 30, ohne Ausbildung und Qualifikation, hat seine Arbeit im Nachtclub Casablanca nicht ganz freiwillig aufgegeben und bewacht nun im Museum ein umstrittenes Kunstwerk, auf den ersten Blick ein ganz normales Christusbild, sogar ein sehr eindrucksvolles. Aus der Nähe betrachtet stellt sich heraus, dass es aus vielen kleinen Bildern weiblicher Brustwarzen, ausgeschnitten aus Pornoheften, zusammengesetzt ist. Mit Protesten ist zu rechnen und so hat man zur Vermeidung von Tumulten den tätowierten, kräftigen Ex-Türsteher vor diesem Bild postiert. Dave ist zwar nicht der Cleverste, doch ein sehr mitteilsamer Mensch und so erzählt er einem älteren Kollegen, einem „mies gelaunten alten Sack“, der ihm eigentlich gar nicht richtig zuhört, von seiner Familie, seiner Frau und den beiden Kindern, und natürlich von „seinem Bild“, denn je länger er es bewacht, umso mehr fühlt er sich dafür verantwortlich. Er findet es einfach wunderschön und versteht nicht, warum all die Spinner so nahe hingehen müssen.

Sebastian Fischer darf in diesem 70-minütigen Monolog den jungen Wilden spielen, einen Proleten, den im Museum die Muse küsst, der die ganze Aufregung um „NippleJesus“ nicht versteht. Beeindruckend seine Wandlungsfähigkeit, war er doch bisher eher in sanften Rollen zu bewundern, zuletzt als völlig überforderter Untermieter in „Bei Anruf: Geld“.

Nick Hornbys Satire auf den zeitgenössischen Kunstbetrieb passt bestens zur Stadt Salzburg, denn hier gibt es immer wieder Proteste gegen moderne Kunst, besonders bei Präsentationen im öffentlichen Raum. Stellt sich dann die Frage: Ist das nun künstliche Aufregung oder aufregende Kunst? Ganz egal, wie man zu moderner, oftmals irritierender Kunst steht, dieser witzige und geistreiche Monolog sorgt für einen amüsanten Theaterabend, das Museum der Moderne für das richtige Ambiente.

„NippleJesus“ – Nick Hornby. Inszenierung: Astrid Großgasteiger. Ausstattung: Laura Immler. Dramaturgie: Angela Beyerlein. Dave: Sebastian Fischer. Statist: Peter Erlbacher. Fotos: Christina Canaval

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