„Eine kleine Tanzgeschichte“ – Salzburger Landestheater

Foto: Landesthater Salzburg

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Ein junges Mädchen ist fasziniert vom Ballett und trainiert fleißig, doch sein Bruder findet das ganz uncool, denn für ihn ist Hip-Hop das Größte. Wie Schwestern so sind, gibt sie nicht so schnell auf und versucht, ihn für die Geschichte des Tanzes zu interessieren. Die beiden nehmen am Bühnenrand in einem improvisierten Kinderzimmer Platz, der Vorhang geht auf und wir sind mitten in Australien. Das jugendliche Publikum ist hörbar begeistert von den Urmenschen, die sich etwas ungelenk, fast affengleich, zu den Urwaldtrommeln bewegen. Nun folgt Szene auf Szene, von den dionysischen Rauschtänzen der Antike bis zu den höfischen Tänzen der Renaissance. Eindrucksvoll ein barocker Kontratanz in üppigen, prächtigen Kostümen, in dem neben vier entzückend gekleideten Kindern auch der Sonnenkönig selbst mittanzt.

Foto: Landestheater Salzburg

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Es folgen einige Pas de deux aus der Blütezeit des klassischen Balletts nach Vorlagen berühmter Choreografen wie Marius Petipa, Michail Fokine und Waslaw Nijinsky, Szenen aus Giselle, Schwanensee, Scheherazade u.a. Das Ensemble kann hier eindrucksvoll seine Vielseitigkeit beweisen, die meisten Tänzerinnen und Tänzer haben ja eine klassische Ausbildung hinter sich. Unser junger Hip-Hopper kann jedoch bis zur Pause nicht zufrieden gestellt werden, denn er findet die Männer in den Strumpfhosen einfach nur lächerlich und die Geschichten viel zu kompliziert.

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Nach der Pause geht es mit einem beschwingten Walzer, der an die Balletteinlagen des Wiener Neujahrskonzertes erinnert, weiter. Eine Szene aus Strawinskis „Sacre du printemps“, bei dessen Uraufführung es im Jahre 1913 in Paris zu einem regelrechten Skandal gekommen war, führt in die Techniken des modernen Tanzstils ein, der sich immer mehr vom klassischen Ursprung entfernt. Über „Neoklassik“ (beeindruckend Liliya Markina und Junior Dimitre in „una paloma triste“) und „Tango Nuevo“ landen die Geschwister schließlich beim zeitgenössischen Tanz. Doch auch die futuristischen Kostüme und die absolut moderne Choreographie können unseren Hip-Hopper nicht restlos überzeugen und so springt er auf die Bühne und beginnt selbst zu tanzen. Nach und nach erscheint das ganze Ensemble in „coolem“ Outfit und schließt sich ihm an. Diese mitreißende Schlussperformance kommt beim Publikum besonders gut an und die Tänzer können zeigen, dass sie nicht nur Spitzentanz und Pirouetten beherrschen, sondern auch als Hip-Hopper eine gute Figur machen.

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Ein Sonderlob an Manuela Weilguni für die prachtvollen Kostüme. Das Bühnenbild, eigentlich nur eine große Leinwand, auf der passend zum jeweiligen Stück Bilder projiziert werden, bildet immer den kulturgeschichtlichen Hintergrund, von Ayers Rock in Australien, den Renaissance- und Barockpalästen bis zu den Bühnenbildern aus den klassischen Balletten. Diese „Kleine Tanzgeschichte“ ist ein von Peter Breuer liebevoll inszeniertes Ballett für die ganze Familie. Erfreulicherweise waren auch viele Buben im Publikum und nicht nur die üblichen ballettbegeisterten Mädchen. Dominik Girst, der 15-jährige Hip-Hopper sorgte mit seinen unbekümmerten, lockeren Sprüchen immer wieder für Heiterkeit.

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„Eine kleine Tanzgeschichte“ / Familienballett von Peter Breuer / Idee und Choreographie: Peter Breuer / Choreographie „Wiesenthal-Walzer“: Susanne Kirnbauer / Choreographie „Pass on“: Ingo Meichsner / Ausstattung: Manuela Weilguni / Peter Breuer, Schauspielcoach: Marco Dott /  Dramaturgie: Felix Breyer / Tänzer: Kristina Kantsel, Liliya Markina, Christina Uta, Carla Wieden Dobon, Anna Yanchuk, Sokol Bida, Junior Demitre, Alexander Korobko, Marian Meszaros, Daniel Asher Smith, Josef Vesely / Schwester: Aida Jusic/Lisa Kreil, Bruder: Dominik Girst, Kinder der SIBA Ballettschule

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