Ein Sommernachtstraum – am Schlossberg in Mattsee

Sommernachtstraum

Die Schlossbergspiele Mattsee feiern heuer ihr Zehn-Jahre-Jubiläum. Autor und Regisseur Helmut Vitzthum hat lange zugewartet und ist nun heilfroh, dass er die Aufführungen nicht wie so viele andere Sommertheater abgesagt hat. Die Lockerungen der Covid-19-Maßnahmen ermöglichen nun ein volles Programm auf der Freiluftbühne. Neben der für den Schlossberg neu bearbeiteten Shakespeare-Komödie findet auch eine Wiederholung der umjubelten „Jedermann“-Aufführung aus dem Vorjahr statt.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Vor genau zehn Jahren hat Helmut Vitzthum die Schlossbergspiele Mattsee auf den damals noch ziemlich baufälligen Stufen der Freiluftarena aus der Taufe gehoben – mit einer entzückenden Inszenierung von Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ samt reizendem, moosgrünen Puck und vieler kleinen Elfen. Zum Jubiläum überrascht er nun mit einer spektakulären modernen Neuinszenierung, in der Puck als androgyner Zwischengeist in Lack, Leder und Oldtimer-Fliegermütze mit Panorama-Brille sein Unwesen treibt.

Hermia und Helena sind eigentlich beste Freundinnen. Da Hermias Vater mit der Männerwahl seiner Tochter nicht einverstanden ist, beschließt diese, mit ihrem geliebten Lysander zu fliehen. Mit Rucksack, Schlafsack und Isomatte bestens ausgerüstet, nächtigen die beiden im Märchenwald und kommen dabei dem Elfenkönig Oberon in die Quere. Dieser will sich nämlich an seiner untreuen Gattin Titania mit Liebestropfen rächen. Sein Diener Puck verwandelt daher den Handwerker Zettel, der im Wald ein Theaterstück probt, in einen Esel und legt ihn zu Titania ins Bett, woraufhin diese in heißer Liebe entbrennt. Als jedoch noch ein weiteres Pärchen, Helena und ihr unwilliger Freund Demetrius, auftaucht, kommt es zu Komplikationen. Der schusselige Puck bringt da so einiges durcheinander. Das große Happy End bleibt diesmal aus, denn moderne, emanzipierte junge Damen lassen sich eben nicht alles gefallen. So endet das Stück mit der großartigen Aufführung der höchst kläglichen Komödie von „Pyramus und Thisbe“ anlässlich der fürstlichen Hochzeit von Theseus und Hippolyta in Athen. ___STEADY_PAYWALL___

Realität und Märchenwelt sind in dieser Inszenierung klar getrennt. Hans-Jürgen Bertram erscheint als Theseus, König von Athen, im eleganten Anzug, als Oberon hingegen in einem magisch glitzernden Phantasiekostüm. Irene Refela wird von der strengen, eleganten Hippolyta zur liebestollen Titania, die sich mit ihrem Esel im Luxusbett wälzt und von den entzückenden, doch gelangweilten Elfen, Senfsamen (Marianne Lesch), Spinnweb (Hannah Handlechner) und Motte (Francisca Leimgruber), bedienen lässt. Hermia (Melanie Arnezeder) und Helena (Lilian Schaubensteiner) stecken in modernen Flatterkleidchen, Demetrius (Raphael Schallegger) und Lysander (Christian Rainer Leutgeb) in legeren Freizeitoutfits. Squenz (Christoph Mierl) hat es als Regisseur der Laientruppe nicht leicht mit seinen Mitspielern. Während Schnock (Christian Zink) und Flaut (Maximilian Ziedek) mit ihrer Schüchternheit zu kämpfen haben, ist Zettel (Helmut Vitzthum) kaum zu bremsen.

Auf der Bühne sorgen zehn riesige, weiße Blumen mit leuchtenden Stängeln für romantische Stimmung. Hinten im finsteren Wald hockt Puck (großartig Hans Peter Ampferer) und beobachtet amüsiert das sündige Treiben. Vielleicht war das ja wirklich alles nur ein Traum, doch den sollte man sich in dieser perfekten Kulisse nicht entgehen lassen.

„Ein Sommernachtstraum“ nach William Shakespeare. Regie: Helmut Vitzthum. Regieassistenz: Gaby Rindberger. Kostüme: Landestheater Salzburg. Technik: Roland Lederer. Maske: Elisabeth Dehmel, Lisa Rindberger. Mit: Hans-Jürgen Bertram, Irene Refela, Hans Peter Ampferer, Lilian Schaubensteiner, Raphael Schallegger, Marianne Lesch, Christian Rainer Leutgeb, Melanie Arnezeder, Christoph Mierl, Sebastian Martin Rehm, Maximilian Ziedek, Christian Zink, Hannah Handlechner, Francisca Leimgruber. Fotos: Chris Rogl

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Dorfladen

Über den Autor

Elisabeth Pichler
Geb. 1946 in Salzburg,1964 Matura im Realgymnasium. Abiturientenlehrgang HAK. 2000 Ausbildung zur ehrenamtlichen Bibliothekarin und seither in der öffentlichen Bibliothek Hallwang tätig. “Theater war schon immer meine große Leidenschaft und scheinbar ist es mir auch gelungen, diese Begeisterung an meine Kinder weiterzugeben.” Elisabeth Pichler besucht für die Dorfzeitung Theateraufführungen und Konzerte und liest neue Bücher.

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