„Aktion Schaf“ – Kirchenkabarett

Schloss Mattsee. „In der Kirche sind nicht so viele Leute.“ So begrüßt Günther Lainer das Publikum im vollbesetzten Diabelli-Saal im Schloss Mattsee und stellt zufrieden fest, dass zwei Plätze frei gelassen wurden, für den Bischof uns seine Freundin, falls die doch noch kommen sollten. Dieses zweite Kirchenkabarett verdanken wir einer Berufung, doch keiner göttlichen, nein, es war nur der Ruf der Ehefrauen. Ernst Aigner ist Religionslehrer in seiner Heimatstadt Freistadt, Günther Lainer ausgebildeter Pastoralassistent und Betriebsseelsorger sowie freischaffender Künstler und Kabarettist. Die beiden kennen also die kirchlichen Hierarchien und sie sparen nicht mit Kritik, die sie oftmals in freche Lieder verpacken. Ein Song-Contest zieht sich wie ein roter Faden durch das Programm, denn bei KSDS („Kirche sucht den Supersong“) stehen die Siegertitel fest und wir dürfen die fünf bestplatzierten hören. Paul McCartney hat sein „Yesterday“ in ein Loblied für „Benedikt“ umgeschrieben, der Ministrantenchor aus Stein singt eine Eloge auf einen Weih-Weih-Weihbischof und auch die Firmgruppe aus Windischgasten ist vertreten.

Natürlich kommt auch das brisante Thema Kirche und Sexualität zur Sprache und da haben die beiden wirklich Sensationelles zu bieten. Aus einem verstaubten Koffer zaubern sie hochaktuelle „kirchliche Verlautbarungen“ zu diesem Thema und kommen schließlich zu dem Schluss: „Alles, was Lust macht, ist verboten.“ Da darf man ja froh sein, dass dieses wunderbare Kabarettprogramm nicht verboten wurde. Doch die Kirchenschafe sind heute nicht mehr so folgsam und brav, wie sie sein sollten. Nein, sie proben den Aufstand und begeben sich unter Revolutionsgesängen ins nächstgelegene Gasthaus: „Schaf, Kindlein, Schaf, wir sind nicht lahm und brav, wir gehen gern zum Wirten her und brauchen keinen Hirten mehr.“ Doch sie stellen schließlich fest, dass sie es gar nicht so schlecht getroffen haben, denn „der Herrgott is a guater Chef, weil man net siagt“.

Über zwei Stunden wird der Kirchenalltag in all seinen Facetten beleuchtet, es wird nicht mit Kritik an der konservativen Haltung der Institution gespart und viele Missstände angesprochen. Doch an diesem Abend darf endlich „moralisch völlig bedenkenlos“ gelacht werden und die Kirche hat nichts dagegen. Ein tolles Programm, zwei urige Kabarettisten, ein absolut vergnüglicher Abend.

Elisabeth Pichler, Dorfzeitung

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