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„Kunst als Wagnis“ – die ersten STOLPERSTEINE in Österreich. Das Salzachknie in Oberndorf stand 1995 Pate für den Namen der Kunstinitiative KNIE in Oberndorf.

Von Mag. phil. Ulrike Guggenberger

Eine kleine Gruppe von Kunstbegeisterten und Künstlern hatte die Idee, am Salzachdamm in den Sommermonaten Symposien mit geladenen Künstlerinnen und Künstlern zu verwirklichen.

Um den Oberndorfer Künstler Thomas Stadler, Helmut und Ulrike Guggenberger formierte sich eine Arbeitsgruppe, die Künstlerinnen und Künstler einlud, sich mit dem Fluss als Lebensader vor Ort auseinanderzusetzen. Mit Symposionsteilnehmern aus dem Oberndorfer Raum sowie der Stadt Salzburg und dem angrenzenden Bayern entwickelte sich über sechs Jahre eine lebhafte künstlerische Szene während der Monate Juli oder August. Das Projekt „Kunst als Intervention im öffentlichen Raum – ein urbanes, mit den Entwicklungen und Vorstellungen des 20. Jhdt. verbundenes Phänomen“ (Irene Nierhaus) wurde von der Kulturabteilung des Landes Salzburg unterstützt, Hofrat Dr. Peter Krön eröffnete das erste Symposion 1995.

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Stolpersteine für Oberndorf

Für das Sommersymposion 1997 wurden vier Salzburger Kunstschaffende und der deutsche Künstler Gunter Demnig eingeladen. Gunter Demnig und Ulrike Guggenberger hatten sich ein Jahr zuvor anlässlich eines internationalen Festes und Künstlertreffens der Gebrüder Baumüller, Werkstatt Kollerschlag kennengelernt. Thema des Gesprächs waren rasch die Stolpersteine, der Künstler hatte sich mit dem Gedanken der Verlegung von „Stolpersteinen“ schon länger auseinandergesetzt und mit Ideen und Materialien experimentiert. Noch am selben Abend war man sich einig, die ersten offiziell mit Genehmigung der zuständigen Gemeinde verlegten Stolpersteine im Rahmen des Sommersymposions in Oberdorf zu realisieren.

Gunter Demnig und KNIE

1997 kam nun Gunter Demnig nach Oberndorf und recherchierte zunächst gemeinsam mit dem ebenfalls von der Kunstinitiative KNIE eingeladenen Politikwissenschaftler und Gedenkdienst Gründer Dr. Andreas Maislinger in der näheren Umgebung Oberndorfs nach Opfern des Nationalsozialismus. Sowohl in der bayerischen Schwesterstadt Laufen als auch in Oberndorf stieß die Kunstinitiative von Seiten der nunmehrigen Hauseigentümer mit dieser Aktion auf Widerstand. In Laufen lehnte die Stadtverwaltung die Verlegung eines Stolpersteines zur Erinnerung an die deportierte Familie Friedmann aus Rücksicht auf den Hausbesitzer nach (nicht einstimmigem) Beschluss des Stadtrates ab. Irmgard Toledo, in Salzburg lebende Künstlerin und einzig Überlebende der Familie Friedmann, war von dieser Entscheidung bitter getroffen. Sie hatte sich vorgenommen, zur Verlegung des Gedenksteines als Zeichen der Versöhnung ihren Geburtsort Laufen ein erstes Mal wieder zu besuchen.

Johann und Matthias Nobis, Holzhausen

Andreas Maislinger, selbst in der Gegend aufgewachsen, stellte den Kontakt zur Familie zweier Bauernsöhne aus Holzhausen her. Johann und Matthias Nobis waren wegen ihres Glaubens als Zeugen Jehovas 1940 in Berlin hingerichtet worden. Die Familie der Brüder Nobis war von der Idee der Stolpersteine vom ersten Augenblick an überzeugt, sie bejahten und unterstützen das Vorhaben Gunter Demnigs tatkräftig.

Fritz Amerhauser, Bürgermeister von St. Georgen bei Salzburg, erkannte sofort die historische Bedeutung des Unternehmens und ermöglichte die Durchführung ohne wenn und aber.

Auf dem Gehsteig vor dem bäuerlichen Anwesen in Holzhausen ereignete sich somit im Sommer 1997 die erste offiziell durchgeführte Stolpersteinverlegung. Der Familie Nobis gebührt alle Anerkennung für ihren zweifelsfreien Mut, sich zu dieser Aktion zu bekennen.

Es dauerte noch drei Jahre bis Gunter Demnig weitere Stolpersteine mit amtlicher Genehmigung in Köln verlegen konnte. Mit Stand Dezember 2015 gibt es mittlerweile über 56.000 dieser Steine in 20 europäischen Ländern. Die Stolpersteine sind das größte dezentrale Mahnmal der Welt. Und auch wenn man es in Zeiten wie diesen nicht glauben will, offizell begonnen hat es in einem kleinen österreichischen Dorf.

Stolpersteine in der Dorfzeitung >


„Mmmh“ Edition KLM KleinLauschMittel – Klangskulptur

Eine etwas eigenartige Konversation führt das Guglhupfpaar – seine Unterhaltung bewegt sich klanglich ausschließlich auf dem Konsonanten „m“, so wie beim Essen mit vollem Mund gar nicht anders möglich.
Die vier Gesprächsvarianten (0:12 bis 1:13 Minuten Länge) dreier authentischer Paare – von schwelgend genießerisch bis aggressiv fordernd – schaffen Raum für Assoziationen.

Diese konzeptionelle Arbeit lenkt Blick und Gehör auf das Wesentliche: Ausgehend von der Form wurde Sprache hier auf adäquate Klangschwingung reduziert – Form und Inhalt bilden eine geschichtenerzählende Einheit.

Bei den Backformen handelt es sich um Objects Trouveé, ein Klangsockel basiert auf meiner Konzeption und wurde von mir realisiert.

Neben der Präsentation der Originalfassung beabsichtige ich, eine speziell auf den Ausstellungsort bezogene Remix-Version (Oberndorf-Dub-Mix), d.h. eine klangliche Nachbearbeitung des Originals zu erstellen. (Natalie Deseke, Hannover)

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Es läutet an Ihrer Tür. Sie öffnen und vor Ihnen steht ein Mann, der mit Ihnen ein Gespräch über Kunst führen will und Sie bittet, ihm ein altes Leintuch, Tischtuch oder Ähnliches mitzugeben.

Mag. Ulrike Guggenberger

Von Ulrike Guggenberger

Er erklärt Ihnen, daß er beides, Ihre Kunstmeinung und Ihr abgelegtes Tuch, für eine Kunstaktion braucht. Geht es hier wirklich um Kunst, welcher Kunstbegriff steckt dahinter?

Anfang des 20. Jhdts. hat sich die Aufassung darüber, was Kunst ist bzw.
sein soll ständig gewandelt. Kunst will seither nicht mehr nur im
geschützten Raum einer Galerie gezeigt werden, sondern sich ins Leben
einmischen.

Der o.ö. Kunsterzieher Günter Hartl, der ursprünglich von der Malerei kommt, will über einen von ihm iniziierten Kommunikationsvorgang Kunst ins Gespräch bringen. Er kann sich dabei auf berühmte Künstler berufen die ebenfalls davon ausgingen, daß Kunst, um wahrgenommen zu werden, unbedingt auf ein Gegenüber angewiesen ist. Am intensivsten entsteht der Kontakt zu Kunst, wenn ich selbst darin eingebunden bin. Und genau das will Günter Hartl mit seiner Besuchsaktion erreichen.

Tatsächlich hat er viele interessierte Partner für seine “Einbindung der Kunst ins wirkliche Leben” gefunden. Die geschenkten Tücher ordnet der Künstler zu einer den Fluss überspannenden Wäschereihe und bei einem kleinen Fest bei der Kunststation zwischen Laufen und Oberndorf am 28. Juli um 19 Uhr werden die Tücher unter der Brücke hängend entrollt.

Diese Arbeit ist einerseits ein ästhetischer Eingriff in den öffentlichen Raum: Bunte Tücher flattern unter einer Brücke und vermitteln den Passanten ein “schönes Bild”.

Andererseits ist der Künstler mit dieser Intervention in den öffentlichen Raum zeitgenössischen Ansprüchen an die Kunst gerecht geworden. Diese findet ihre Vorbilder in Aussagen von Künstlern wie Joseph Beuys, der sagte: “Mein Begriff von Plastik” in unserem Fall die flatternden Tücher – “bezog sich immer auf das Leben”. hier die Kunstgespräche. Beuys prägt in der Folge dann denn Begriff der “sozialen Plastik”. In diesen Begriff von allgemeiner Kreativität soll Kunst sich auflösen.

Mit diesem Beitrag des Künstlers Günter Hartl und der in der Kunststation präsentierten Kunstmeinungen setzt die Kunstiniative KNIE einen Schwerpunkt für die Sommermonate, solange die Tücher flattern!

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MILLENIUMSPROJEKT – Auslaufmodelle 1999 – Aktion und Fotoarchiv.

Christiane Pott-Schlager ist den Emotionen, die der Jahrtausendwechsel in den Menschen auslöst, nachgegangen. Die Arbeit von Christiane Pott-Schlager entfaltet sich in einer Aktion und einer Installation.

Mag. Ulrike Guggenberger

Ein Bericht von Ulrike Guggenberger

Eine Dokumentation von Fotografien und Schnappschüssen von Menschen unterschiedlichster Herkunft beziehungsweise Institutionen (wie Ämter und Vereine), die sich 1999 Dinge gekauft haben und sie für „neu“ halten und ab 1. Jänner 2000 feststellen müssen, dass diese „Neuheiten“ aus dem vorigen Jahrhundert beziehungsweise Jahrtausend sind. Das Archiv wird für den Zeitraum Dezember 1999 angelegt und fast zeitgleich (31. Dezember) im Pavillon an der Salzachbrücke präsentiert werden.

Christiane Pott-Schlager beweist mit dieser Arbeit ein weiteres Mal ihre Nähe zu gesellschaftlich brisanten Themen. Sie bezieht Menschen aus ihrer Umgebung in die künstlerische Aktivität mit ein und stellt Kunst damit ins Zentrum des Alltags-Diskurses. Kunst materialisiert in dieser Fotodokumentation die „Frage des Tages.“

Zu ihrer Installation:  „Hörbare Unzufriedenheit eines unsichtbaren Säugers….unaufhaltsam …..groß wird`s werden…..“

Materialien: Polyesterobjekt, Organdy-Stoff, Pigmente, Video. Christiane Pott-Schlager nützt hier die Neugierde auf das Unbekannte. Zukunftsprognosen und das Wunschdenken der Menschen verpackt sie in ein unbekanntes Wesen.

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Sie sagt dazu: „In dieser Installation vereinen sich die Momente des Brütens, der Spannung vor dem Schlüpfen oder der Geburt und der intensiven Arbeitsbewegung, der Unruhe, der Erwartung – auf das kommende Jahrtausend. Auch hier zeigt sich ihr künstlerischer Ansatzpunkt bei typisch menschlichen Verhaltensweisen und Gefühlen, die sie in das sinnlich erlebbare Symbol eines „unsichtbaren Säugers“ überträgt.

Christiane Pott-Schlager: Künstlerische Ausbildung an der Hochschule Köln und am Mozarteum Salzburg. Arbeiten im Bereich der Installation, der Metallplastik und der Malerei. Diverse Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen in Österreich.

Vernissage am 31. Dezember 1999, 15.00 Uhr in der Kunststation – Pavillon an der Salzachbrücke. Dauer der Ausstellung bis 21. Jänner 2000

Foto: KTraintinger, Dorfzeitung

Foto: KTraintinger, Dorfzeitung

Foto: KTraintinger, Dorfzeitung

Rauminstallation

Können Zeit und Raum über Kunst transportiert werden? Wie lassen sich zwei so abstrakte Begriffe über die Sinne erlebbar darstellen?  Christiane Pott-Schlager verdichtet Vergangenheit Gegenwart und Zukunft zu einer Installation in einem kleinen Raum an einer belebten Straße situiert, von außen durch drei Seiten einsehbar. Ihr Konzept beschäftigt sich mit dem Zeitaspekt. Wie mit einem Zeitraffer konzentriert sie die Zeit auf den Moment wo sie ins Neue Jahrtausend springt.

Die Vorbereitungen dazu waren Gespräche mit Firmen und Privatpersonen vor Ort um zu erfahren welche “Neuheiten” sie im Jahr 1999 erworben haben. Das reicht vom neuen Laser im Krankenhaus, von neuen Methoden der Brillenanpassung über neue Fahrscheine in der Lokalbahn bis zum neuen Eislaufplatz im ebenso neuen Einkaufszentrum.

Die kleinen und großen persönlichen neuen Gegenstände mit eingeschlossen. Eine lange Liste, die von Christiane Pott-Schlager fotografisch aufgenommen wurde, die sie in den Fenstern des Pavillons präsentiert. Es entstand eine Dokumentation – ein “Karteikasten der Neuheiten“, aber wie lange ist etwas noch “neu”? Reflexionen darüber gehören zur Arbeit der Künstlerin und lösen im Passanten Assoziationen zu ihren persönlichen “Neuheiten” aus.

Zugleich entsteht die Frage, was neu sein wird im neuen Jahrtausend. Ein eiförmiges unbekanntes Wesen im Inneren des Pavillons gebiert die Zukunft. Auf seinem Körper spiegelt sich in Form einer Diaprojektion das eben vergangene Jahr 1999. In der Übersteigerung als zeitgleiche Momentaufnahme von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft liegt die Schärfe der künstlerischen Arbeit.

Sie macht aus der speicherbaren Leistung eines Fotoarchivs und aus der unbekannten Größe der Zukunft ein persönlich gefärbtes Erlebnis. Wir werden anhand der Fotos über das vergangene Jahr informiert und verwandeln diese Wissensvermittlung in unsere eigene persönliche Erinnerung. Damit übernimmt Kunst die Rolle, über einen Sachverhalt zu informieren und zugleich Gefühle wachzurufen. Um das leisten zu können muß Kunst Aufmerksamkeit auf sich lenken, das beweist Christiane Pott-Schlager mit dieser Arbeit hier vor Ort. Sie hat Interviews mit den Leuten hier in Obemdorf geführt, dieses Material zu einer künstlerischen Arbeit verdichtet und als öffentlich einsehbare Installation wieder an den Ort zurückgeführt.

Aus einem Archiv zur Unterstützung unseres Gedächtnisses sind lebendige Erinnerungen geworden.

Christiane Pott-Schlager: Exhibition Project for two subjects, Silvester 1999
Vernissage on 31 December 1999, 15:00 h – In the Kunststation – Pavillon at the Salzach bridge . Period of time of the exhibition: until 21 January 2000

„MILLENIUMSPROJECT“ „Phase out models 1999“ – Action and photo archive.

Christiane Pott-Schlager took a look at the emotions that the change of the millennium causes the people. The work of Christiane Pott-Schlager consists of an action and an installation.

A documentation of photos of people from different origins and institutions (offices) who bought things in 1999 because they thought they are „new“ and they have to get to know on 1 January 2000 that those „News“ come from the last century, millennium. The archive will be set up during December and at the same time (31 December 1999) it will be presented in the Pavillon of the Salzach bridge.

Christiane Pott-Schlager again proofs with her works her closeness to social highly explosive issues. She encloses people of her area in her activities of art and therefore puts art into the center of daily live. In this documentation art materializes the „question of the day“. To her installation „hearable unsatisfaction of a invisible mammal ….. unstoppable ….big it will be…“

Materials: Polyesterobject, Organdy-material, Pigments, Video. Christiane Pott-Schlager here uses the curiosity for the unknown. She packs future prognosis and wishful thinking in an unknown character. She says: „In this installation moments of broods, the tension before birth, the intensive working movement, the restlessness and the expectancy to the coming millennium are united. Also here she shows her way of transmission of human feelings and patterns to the picture of a sensual lived symbol of a invisible mammal.

Christiane Pott-Schlager: Artistic education at the „Hochschule Köln“ and at the Mozarteum Salzburg. Works in the segment of installation, the metalplastic and painting. Several Single- and Cooperation Exhibitions in Austria.

Ulrike Guggenberger


Vernissage im Pavillon an der Salzachbrücke am Freitag, 26. November, 19.00 Uhr

Es gibt Grenzen  natürlichen Ursprungs wie Flüsse, Meere, Berge, Urwälder, und so weiter.  Das Meer und der Luftraum trennen Länder und Kontinente, Flüsse trennen Orte und Gegenden.  Menschen erleben willkürliche Grenzen oder gehen manchmal bis an die äußersten Grenzen des Machbaren.

Der Salzburger Kunsterzieher Herwig Geroldinger lebte ein Jahr in Brasilien und hat viele solcher Grenzerlebnisse mitgebracht. Wie gehen Touristen mit Grenzüberschreitungen um? Wie aber fühlen sich Menschen, die unfreiwillig den Atlantik überqueren müssen, um in einem anderen Land  als „neue Skalven“  eingeschleust zu werden?

Herwig Geroldinger hat in Brasilien Fotos gemacht, Fundstücke gesammelt, Bilder gemalt.

Er hat österreichische Geschichte nachgeholt und auch viel aus der brasilianischen Vergangenheit und Gegenwart gelernt. Aus all diesen verschiedenen Puzzleteilen zeigt er mit unterschiedlichen Medien eine Gesamtschau im Pavillon an der Salzachbrücke Oberndorf/Laufen. Ein voyeuristisches Fenster in die Welt Südamerikas, an einem Grenzfluß  zwischen Österreich und Deutschland. Und wie es in der Kunst so sein muß, arbeitet er auch mit Symbolen und Metaphern, um seine Grenzgeschichte zu transportieren.

Herzlich sind alle Interessierten eingeladen, sich bei der Vernissage mit demKünstler über Inhalt und Aussage seines Werkes zu unterhalten.

Dauer der Ausstellung im Pavillon an der Salzachbrücke:     28. Nov. bis 26. Dez.  1999

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Einladung zur Eröffnung des Inhalationszentrums – eine Rauminstallation:
“TIEF EINATMEN” Christiane Pott-Schlager
Freitag, 23. April 1999, 19 Uhr in der Kunststation in Oberndorf an der Salzachbrücke

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Rauminstallation: “TIEF EINATMEN” – Inhalationszentrum

Ich gehe bei dieser Installation von der Geschichte des Grenzwärterhäuschens aus, das ehemals als Trafik, bzw. Kiosk genutzt worden ist. Die Situation der offiziell zu verkaufenden Rauchwaren wird in eine Situation überführt, in der Rauch angeboten wird und von “offizieller” Stelle zugeführt und dosiert wird. Das ehemals individuelle Verhalten, mit dem man Freiheit, Cool-sein, In-Sein, aber auch Süchtig-Sein oder Gesundheitsgefährdung assoziiert wandelt sich in ein kollektives, etabliertes Verhalten, bei dem man nicht mehr in dem Maße Entscheidungsträger ist. Entscheidung und Verantwortung wird dem Individuum abgenommen und das oftmals angeprangerte Rauchen scheint sogar wie eine gesundheitsbringende Kur. Selbst die warnenden Hinweise lassen sich wie eine harmlose Packungsbeilage eines heilbringenden Medikaments lesen. Die zwiespältige Rolle der Institution, aber auch der gutgläubige Mensch gelangen ins Blickfeld, sowie die Gesellschaft mit der Kontrolle, mit ihren Rollenführern und Aussteigern, als auch die Vermassung aller Tätigkeit, das bis ins private Leben eingreift- angeblich freiwillig.

Die Umkehrung einer Situation führt in dieser Installation zu einer Pervertierung des Verhaltens und der Gesellschaft, die ganz so utopisch nicht ist, wie sie zunächst ausschaut.

Spätestens seit Beuys ist das Kunstobjekt nicht mehr einziger Gegenstand der Kunst, sondern auch soziale und gesellschaftliche Themen sind Wert, künstlerisch verarbeitet zu werden. Die verwendeten Materialen und ihr Aufbau suggerieren eine Situation, einen Ort, der Anstoß des Denkens wird und provozieren eine Handlung, die ebenso reflektiernd wirkt. “Kunst ist Geist” schreibt Hegel und so soll durch eine fast alptraumhafte Situation menschliches Verhalten bewußt gemacht werden. Freiheit und Individualität sind heute weiterhin gute Werbesprüche.

“WÄHLEN SIE IHREN INDIVIDUELLEN STANDORT, BEWEGEN SIE SICH GANZ FREI UND ATMEN SIE TIEF EIN UND AUS”

“STELLEN SIE SICH BEQUEM VOR DIE WAND SO DASS SIE DAS MUNDSTÜCK ERREICHEN UND ATMEN SIE IN INDIVIDUELLEM TEMPO DURCH DAS ROHR EIN UND FREI WIEDER AUS”

“DER EU- GESUNDHEITSMINISTER : RAUCHEN GEFÄHRDET DIE GESUNDHEIT”

Christiane Pott-Schlager


 

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Unter dem Stichwort: “Das kann doch jedes Kind” – “Was ist denn daran Kunst?” bietet Bundeskurator Dr. Wolfgang Zinggl österreichweit eine Veranstaltung mit dem Titel “Mission auf Bestellung” an.

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Am Donnerstag, den 25. Februar 1999 lud die Gemeinde Oberndorf und die Kunstinitiative KNIE zu diesem “Kunstpaket aus Vortrag und Diskussion”.

knielogoWolfgang Zinggl und Katharina Lenz ergänzten einander in Dialog, Dias und Video über den unterschiedlichen Kunstbegriff seit den Anfängen der Menschheit. Über Kunst als Zeitdokument und Kunst als höchste Form des Handwerks, bis zu Schönheit von Kunst und dem Ziel, die Wirklichkeit abzubilden und der Authentizität des Kunstwerkes, gelangten die Referenten mit ihrer “Aufklärung” ins 20. Jahrhundert.

Ohne einen neuen Kunstbegriff postulieren zu wollen, ging aus den Ausführungen hervor, daß die alten Begriffe als überholt gelten können. Das ist die Frage, die so schnell nicht beantwortet werden kann. Auch an diesem Abend nicht. Doch sind die kunstgeschichtlichen Informationen sehr hilfreich im Hinblick darauf, was zeitgenössische Kunst will.
Ulrike Guggenberger