Die Niere – volles Haus in Seekirchen

die niere

Ein Spagat zwischen Humor und Ernsthaftigkeit

Das Salzburger Straßentheater tourt wieder durch Stadt und Land. Diesmal mit einem nicht alltäglichen Thema: Organspende. Am 3. August machte das Ensemble Halt am Stadtplatz Seekirchen, der so voll war, dass keine Maus mehr Platz gehabt hätte…

Leo Fellinger

Von Leo Fellinger

Die Geschichte: Der erfolgreiche Architekt Arnold freut sich auf die Inbetriebnahme seines Hochhauses und will das mit den besten Freunden feiern. Just vor den Eintreffen der Gäste eröffnet ihm seine Frau Kathrin, dass ihre chronische Müdigkeit auf ein Nierenversagen zurückzuführen ist. Es wird klar, dass sie von Arnold erwartet, dass eine seiner Nieren spendet, aber er ziert sich. Das befreundete Ehepaar Götz und Diana trifft ein und der Abend entwickelt sich zu einer Spirale aus Geständnissen, absurden Verhandlungen und Affären, die das Publikum dazu bringt, sich trotz allem Humor, den das Stück bereithält, zu fragen, ob er seine oder ihre Niere für einen geliebten Menschen hergeben würde.

Ja, diese Inszenierung wirkt auf das Publikum ein und bringt es in eine Zwickmühle. Das heißt, man möchte das Richtige für einen geliebten Menschen tun, aber in Wirklichkeit will man es nicht tun. “Die Niere” verdeutlicht auch die erwartete selbstlose Verpflichtung in der Ehe und die Gefahren des Versuchs, in einer hoch emotionalen Situation rational zu reagieren. Die Handlung fragt die Zuschauer, wie weit sie für einen geliebten Menschen gehen würden – würden sie ihre kurz-, mittel- und langfristige Gesundheit aufs Spiel setzen?

Dem Autor des Stückes, Stefan Vögel, ist hier ein perfekter Spagat zwischen Ernsthaftigkeit und Komödie gelungen. Ebenso großartig die Inszenierung von Georg Clementi, der das Stück für den Bühnenwagen und das Genre Volkstheater perfekt umgesetzt hat. Dafür sorgen auch gut gesungene A-Cappella-Einlagen, die vom Publikum immer mit viel Szenenapplaus belohnt werden. Das Ensemble ist ohnehin ein mehr als gut eingespieltes. Die hohe Energie der Schauspieler:innen und ihre rasante Darbietung halten das Publikum in Atem und sorgen dafür, dass sich das Drama kontinuierlich steigert.

Anja Clementi nimmt das Publikum mit auf eine Achterbahn der Gefühle. Die zurückhaltende Darstellung von Kathrin sorgt dafür, dass die wahren Absichten der Figur erst ganz zum Schluss enthüllt werden. Karoline Troger spielt die kokette Diana und lässt das Publikum mit der Frage zurück, wie jemand mit dieser Figur überhaupt befreundet bleiben konnte. Alex Linse stellt Götz als liebenswerten, witzigen Trottel dar, bei dem das Publikum am liebsten auf die Bühne springen würde, um ihn vor dem Chaos und seiner blinden Selbstlosigkeit zu retten.

Und zuletzt: Georg Clementi leistet bewundernswerte Arbeit, diese perfekte Kombination aus Humor, Unbehagen und Unglauben in der Doppelrolle des Regisseurs und des Schauspielers perfekt abzuliefern. Denn trotz all der Leichtigkeit der Dialoge und bissigen Pointen, liegt doch ein ernsthaftes Thema zu Grunde. Das gilt es zu vermitteln. Gelungen. Respekt.

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