„Hautnah“ – die Wahrheit kann wehtun

Theater Tribühne

Die Theater (Off)ensive Salzburg bringt Patrick Marbers Theaterhit über ein nicht ganz jugendfreies „Bäumchen wechsle dich“-Spiel zweier junger Paare auf der TriBühne Lehen zur Aufführung. Die erfolgreich verfilmte Geschichte über komplizierte Liebesbeziehungen funktioniert mit einem tollen Ensemble auch ohne Hollywood-Glamour. Ein intensiver, aufwühlender Theaterabend.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler.

Die von einem Auto angefahrene Stripperin Alice wird von dem erfolglosen Schriftsteller Dan von der Straße „gekratzt“ und ins Krankenhaus gebracht. Er ist fasziniert von der jungen Frau, die sich kein Blatt vor den Mund nimmt. Ein Jahr später – die beiden sind mittlerweile ein Paar – lernt Dan die attraktive Fotografin Anna kennen. Als seine Annäherungsversuche misslingen, entlädt er seinen Frust in einem Sex-Chatroom. Er gibt sich als Frau aus und vereinbart ein Treffen mit dem Dermatologen Larry. So lernt Larry ebenfalls die Fotografin Anna kennen und nach einem weiteren Jahr sind die beiden verheiratet. Das Liebeskarussell beginnt, sich zu drehen.

Das Publikum erlebt die wechselnden Paarbeziehungen in zwölf Episoden mit, entweder am Beginn einer großen Liebe oder in Zeiten der Krise, wenn die Harmonie am Schwinden ist. In sehr deftigen Dialogen wird knallhart und gnadenlos über Liebe und Sex diskutiert. Grandios Detlef Trippel als überheblicher, präpotenter, leicht aufbrausender Arzt, der die Kunst der Manipulation hervorragend beherrscht. Daniel Solymár überzeugt in der Rolle des eher schüchternen Schriftstellers. Als Weichei verschrieen, fühlt er sich – obwohl er selbst nicht besser ist – ausgenutzt, belogen und betrogen. Auch er versteht es, zu verletzen und Rache zu nehmen. Anna Paumgartner verkörpert die junge, unbekümmerte Stripperin Alice, die anfangs noch an die große Liebe glaubt, bis sie schwer enttäuscht wird. Nicht anders ergeht es Christine Winter als Fotografin Anna, die bereits eine gescheiterte Ehe hinter sich hat. Vier ganz unterschiedliche Charaktere führen uns hier vor Augen, wie schwierig es ist, die Liebe festzuhalten, wenn der Egoismus überwiegt. „Ich denke nicht, dass es so etwas wie eine ehrliche Beziehung zu jemand anderem gibt. Das Einzige, worauf man hoffen kann, ist eine ehrliche Beziehung zu sich selbst.“ (Patrick Marber)

Hanna Keimelmayr hat für dieses Kammerspiel eine einfache, aber überaus funktionelle Bühnenkonstruktion entwickelt. Weiße Tücher schaffen die Illusion von zwei getrennten Räumen, die die nötige Intimität schaffen. Dazwischen ist genügend Platz für Videoeinspielungen, wobei die Szene im Aquarium besonders eindrucksvoll gelungen ist.

Alex Linse hat die unter die Haut gehende Geschichte über Beziehungen, Gefühle, Liebe und Sex in Szene gesetzt. Es gelingt ihm, nicht zuletzt dank einer großartigen Ensembleleistung, trotz schmutziger Dialoge und aufreizender Striptease-Einlage keinerlei Peinlichkeit aufkommen zu lassen. Ein unterhaltsamer, doch nachdenklich machender Theaterabend.

„Hautnah“ von Patrick Marber. Salzburger Erstaufführung. TriBühne Lehen. Regie: Alex Linse: Bühne Hanna Keimelmayr. Mit: Anna Paumgartner, Christine Winter, Daniel Solymár, Detlef Trippel. Fotos: KTraintinger, Dorfzeitung

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1 Kommentar zu "„Hautnah“ – die Wahrheit kann wehtun"

  1. Chrysanth von Großgmain | 9. Mai 2013 um 21:06 |

    Ein sehr gut inszeniertes, starkes Stück das auf jeden Fall zum Anschauen ist. Ich war begeistert!

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