Neumüller: In den Fängen der Liebe

Hanne-Lore Neumüller

Hanne-Lore Neumüller | Foto: © Privat

Hanne-Lore Neumüller / In den Fängen der Liebe

Autorin: Hanne-Lore Neumüller
Titel: In den Fängen der Liebe
ISBN: 978-3-9620-0877-2
Verlag: Verlagshaus Schlosser
Erschienen: 2022

Klappentext:

Hanne-Lore, Anfang 70, geriet durch ein harmloses Online-Scrabblespiel in die Fänge eines “LoveScammers”. Kaum waren die ersten Chatnachrichten ausgetauscht, begann die Macht der Manipulation.

Innerhalb von sechs Monaten überwies sie ihrem „Liebsten“ 170.000 Euro, verlor dabei ihr Erspartes, verkaufte eine Wohnung und nahm zwei Kredite auf. Erst die Kontensperrung, eine Anzeige wegen Geldwäsche und die Vorladung bei der Polizei stoppten den gesamten Betrug.

Hanne-Lores Leben lag in Trümmern und sie fiel in ein großes Loch der Enttäuschung und Verzweiflung. Zusammen mit ihren zwei Kindern kämpfte sie sich heraus und unterstützt bis heute Frauen in ähnlichen Situationen.

Anni Lemberger

Rezension von Anni Lemberger

Eigentlich wollte Hanne-Lore nur über ein beliebtes Online-Spiel, Menschen aus aller Welt kennen lernen. Sie war absolut auf keine neue Beziehung aus, denn nach dem Tod ihres Mannes war ihr „Bedarf“ an ein „Beziehungsgefängnis“ vorerst gedeckt.

In Wirklichkeit aber geriet sie an einen hoch manipulativen, psychologisch gut geschulten Liebesbetrüger, der zuerst nur als ihr Spielpartner beim Scrabble auftrat. Alles begann ganz harmlos, mit einem Spiel und einem Chat danach, steigerte sich allmählich und endete letztendlich mit dem Verlust all ihrer Ersparnisse und einer schweren Lebenskrise…. .

Um anderen Menschen, vorwiegend Frauen, diese Erfahrung zu ersparen, fasste Hanne-Lore ihren Weg in die Liebesfalle in diesem Buch zusammen. Heute ist sie in einer Gruppe aktiv, warnt und berät Betroffene und hilft mit, die Betrüger zu outen.

Eine erschütternde Erfahrung, die zudem noch sehr schambehaftet ist. Immer noch scheuen sich viele Menschen, Anzeige zu erstatten, weil sie sich schämen. Wer diese Falle nicht selber erlebt hat, kann schwer nachvollziehen, warum keine Alarmglocken die Überweisung derart hoher Summen an einen Unbekannten verhindern.

Immer wieder ist in verschiedenen Medien zu lesen, dass Menschen auf sogenannte Scammer hereingefallen sind und dadurch viel Geld verloren haben. Und ich glaube, dass sich viele Menschen die Frage stellen: „Wie kann man nur so dumm sein? Aber, wie die Autorin deutlich macht, „es kann jedem passieren“.

Denn Scamming beschränkt sich nicht nur auf Liebesbetrug, sondern auch auf  Anlagenbetrug (Bitcoin), Kontomissbrauch zur Geldwäsche, Anrufe falscher Polizeibeamter, …. 

Hanne-Lore Neumüller, eine durchaus intelligente lebenserfahrene ältere Dame, beschreibt wie sie arglos in diese Liebesfalle getappt ist. Sie gibt allerdings zu, ein „Mensch mit Helfersyndrom“ zu sein, was diese Betrüger schnell herausfinden und schamlos ausnutzen.

Hinter den Scammer-Unwesen steckt ein „Verbrechersyndikat“, riesigen Ausmaßes, meist in afrikanischen oder asiatischen Ländern. Die „kleinen“ Soldaten an den Medien bekommen nur eine kleine Summe des abgezockten Geldes und können aufgrund der Armut im Herkunftsland leicht dafür gewonnen werden. Sie werden geschult und bekommen vorgefasste Textpassagen, mit denen sie ihre Opfer umgarnen. Die Szenarien, warum um Geld gebeten wird, sind lang und für die Opfer nicht mehr durchschaubar, nachdem sie Vertrauen gefasst haben.

Aufgrund meines regelmäßigen Austausches mit einer „Anti-Scammer-Gruppe“, bin ich aber der Meinung – anders als die Autorin des Buches, dass das „Spielen“ mit Scammern absolut abzulehnen ist. Scammer stehen untereinander in Kontakt, tauschen Namen, Fotos und Adressen von potentiellen Opfern, aber auch „von gefährlichen Aufdeckern“ aus – und was noch viel gefährlicher ist: Sie haben „Verbündete vor Ort“, die durchaus an der Haustüre läuten und massiven Druck auf Opfer ausüben können.

Wo ich aber wieder absolut zustimme ist, wer Adresse, Kopie vom Reisepass (was oft Rahmen einer fingierte Reise ins Land des Betrugsopfer gefordert wird) oder gar Kontonummer bekannt gegeben hat, sollte unbedingt eine Anzeige bei der Polizei machen, damit er nicht selber des Betruges angeklagt wird. Am Besten ist es natürlich, von vorn herein skeptisch zu sein und keine persönlichen Daten preis zu geben.

Auch, wenn ich nicht allem zustimmen kann, so ist dieses Buch durchaus geeignet Menschen vor dem zunehmenden Scammer-Unwesen zu warnen.

Internet kann viel Gutes bringen, leider aber auch sehr viel Betrug hervorbringen – deshalb ist es unbedingt notwendig, Augen, Ohren und eine gesunde Skepsis zu nutzen und lieber einmal mehr „nein, danke“ zu sagen, aber niemals persönliche Daten einem Unbekannten zu verraten bzw. zu schicken, denn falsche Profile mit gestohlenen Fotos aus gehackten Konten sind an der Tagesordnung.

Das Buch ist gut und verständlich geschrieben, die Nachvollziehbarkeit des Verhaltens von Hanne-Lore ist nicht immer gegeben, denn offensichtlich befinden sich Opfer bereits in einem „Hörigkeitsverhältnis“ zum Scammer, das für Außenstehende nicht mehr nachvollziehbar ist.


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