„Die Operettenkönigin“ – eine Hommage an Fritzi Massary

Operettenkönigin

Elfi Schweiger war mit ihrem Kulturkoffer am 1. Mai 2023 zu Gast im gemütlichen Foyer des Schauspielhauses Salzburg. Diesmal dreht sich alles um die in den 1920er-Jahren gefeierte Revue- und Operettensängerin Fritzi Massary (1882-1969). Nach einer kurzen Lesung von Christoph Wieschke, einer Einführung in Leben und Wirken der Massary, betritt Prisca Buchholtz in der Rolle der gefeierten Diva die Bühne. Lagen der Künstlerin einst Berlin und Wien zu Füßen, so erobert Prisca Buchholtz im Sturm die Herzen des Salzburger Publikums.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Fritzi Massary (geborene Friederike Massarik) kam am 21.3.1882 als älteste von drei Töchtern einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Wien zur Welt. Bereits mit 17 Jahren trat sie am Landestheater Linz auf. Sie hat sich die Bühne zäh erkämpfen müssen, wurde aber schließlich eine gefeierte Soubrette, die zwischen Berlin und Wien pendelte.

1917 heiratete sie ihre große Liebe, den jüdischen Charakterkomiker Max Pallenberg. Mit ihm war sie 23 Jahre glücklich verheiratet, bis er 1934 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Als das Klima für jüdische Künstler*innen in Deutschland immer kälter wurde, emigrierte sie 1939 in die USA und damit endete ihre Karriere. Christoph Wieschke berichtet auch von den glänzenden Augen seiner Oma, wenn sie von der Massary schwärmte.

Zu Beginn stürmt Fritzi Massary (Prisca Buchholz) aufgebracht nach einer Vorstellung der Operette „Eine Frau, die weiß, was sie will“ von Oscar Straus in ihre Künstlergarderobe. Sie ist empört, waren doch neben all dem Beifall auch antisemitische Sprechchöre zu hören: „Juden raus!“ Sie spricht sich Mut zu: „Fritzi, hör auf zu grübeln, du bist Künstlerin!“ Auch ihre Freundin Vicky Baum, die sich selbst als Schriftstellerin zweiter Güte sieht, ahnt Schlimmes.

Fritzi erinnert sich an den Beginn ihrer Karriere. In der Schule hörte sie stets: „Frech, fehlender Fleiß, unaufmerksam!“ Ihr war klar, sie will auf die Bühne, will gefallen und geliebt werden. Nach einem eher durchwachsenen Beginn in der Provinz ging es nach und nach bis an die Spitze. Ein harter Schlag für sie war der frühe Tod ihres Lieblingskomponisten Leo Fall. „Jetzt bleibt mir nur noch der Oscar Straus!“ Dieser schrieb eigens für sie die Operette „Eine Frau, die weiß, was sie will“.

Das Chanson daraus „Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben?“ trällert Buchholtz mit so viel Charme, dass man wirklich glaubt, die Massary vor sich zu haben. Buchholtz ist aber auch sehr wandlungsfähig. Ihre Interpretation des „Fiakerliedes“, der heimlichen Wien-Hymne (Text und Musik von Gustav Pick), geht unter die Haut. Entzückend auch Richard Taubers Weinlied „Ich hab’ amal a Räuscherl g’habt“ von Karl Kapeller und Julius Wilhelm. Das jüdische Lied „Donna Donna“ hingegen ist eine Reverenz an Massarys Herkunft. Das bekannte „Tralalalied“ aus der Operette „Madame Pompadour“ von Leo Fall darf natürlich auch nicht fehlen. Gewohnt routiniert begleitet Matthias Binder die abwechslungsreiche, bunte Revue von Prisca Buchholtz am Klavier.

Die umtriebige Kunstvermittlerin Elfi Schweiger hat bereits eine Fortführung des Projekt in Arbeit. Im Herbst sollen Fritzi Massary und ihr geliebter Max gemeinsam auf der Bühne stehen und aus ihrem Leben erzählen. Diese Produktion, die derzeit unter dem Arbeitstitel „Fritzi und Max“ im Entstehen ist, soll in der Regie von Andreas Gergen im Herbst in den Kammerspielen des Salzburger Landestheaters uraufgeführt werden. Da gibt es dann ein Wiedersehen mit der großartigen Prisca Buchholtz, die das Publikum im Schauspielhaus Salzburg mit ihrem Temperament und ihrer Stimme verzaubert hat.

„Die Operettenkönigin“ – einführende Lesung: Christoph Wieschke führt in die Zusammenhänge von Fritzi Massary, Max Pallenberg und Salzburg ein. Mit: Prisca Buchholtz als Fritzi Massary. Am Klavier: Matthias Binder. Regie: Marcus Ganser. Text: Elfi Schweiger. Foto: Anita Springer. Grafik: Nikolaus Pásztory. Bühnenfotos: Tanja Schwind

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