„Die Dreigroschenoper“ – Wovon lebt der Mensch?

Dreigroschenoper

Das 1928 im Theater am Schiffbauerdamm in Berlin uraufgeführte Stück mit Musik in einem Vorspiel und acht Bildern nach John Gays „The Beggar’s Opera“ von Bertolt Brecht (Text) und Kurt Weil (Musik) unter Mitarbeit von Elisabeth Hauptmann wurde ein Welterfolg. Die bissige Gesellschaftskritik hat leider nichts an Aktualität verloren, denn wie meinte schon Brecht: „Die Welt ist arm, der Mensch ist schlecht.“ Das Publikum bejubelte Ensemble, Musiker und Leading Team bei der Premiere am 29. April 2023 im ausverkauften Schauspielhaus Salzburg.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Der Bettlerkönig Peachum, eigentlich ein feiner Geschäftsmann, weiß menschliches Mitleid zu erwecken. Er verteilt Holzbeine, alte Klamotten und eine Lizenz zum Betteln, die nicht gerade billig ist. Momentan macht er sich aber mehr Sorgen um seine Tochter, die süße Polly, die heute Nacht nicht nach Hause gekommen ist. Als ihm seine Frau von einem Kavalier, einem vornehmen Herrn mit weißen Handschuhen, erzählt, weiß er sofort Bescheid. Es kann sich nur um den berüchtigten Ganoven Macheat, genannt Macky Messer, handeln.

Doch es ist bereits zu spät, Polly hat in dieser Nacht heimlich geheiratet, sich „auf den Mist geworfen wie eine faule Gurke“. Dagegen muss natürlich etwas unternommen werden. Leider ist der Polizeichef Tiger Brown ein guter Freund von Macky Messer und total korrupt. Doch die notorische Treulosigkeit des Gauners wird dem Charmeur zum Verhängnis und so landet der feine Herr schließlich doch noch im Gefängnis und wartet auf seine Hinrichtung. Da kann wohl nur mehr ein königliches Wunder helfen.

Ragna Heiny hat die Bühne mit altmodischen Sofas und Stühlen vollgestopft, da bietet sich jederzeit eine Sitzgelegenheit, sowohl im Hause Peachum als auch im Etablissement der Huren. Die heimliche Hochzeit findet ebenfalls zwischen all dem teilweise blutbefleckten Raubgut statt. Olaf Salzer gibt den Bettlerführer als Gentleman im feinen grauen Anzug, seine lebenslustige, trinkfreudige Frau (stimmgewaltig Tanja Kuntze) mag es hingegen bunt und leicht ordinär. Theo Helm ist die Rolle des Schlitzohrs Macky Messer auf den Leib geschneidert. Er kann von einem Moment auf den anderen von charmant auf brutal wechseln. In seinem kleinen Gefängnis wirkt er jedoch wie ein sedierter Hannibal Lecter.

Großartig Marcus Marotte als Tiger Brown im Rollstuhl mit Blaulicht und Sauerstoffflasche. Johanna Egger überzeugt als selbstsichere Polly, die nach der Verhaftung ihres Gatten mit Power seine Geschäfte übernimmt und sich vorsorglich schon mal in Trauerkleidung wirft. Petra Staduan darf als Spelunken-Jenny den Abend mit der Moritat von Macky Messer eröffnen und stellt uns dabei die abscheulichen Untaten des Gangsters vor. Magdalena Oettl als Tiger Browns naives Töchterlein und erste Gemahlin des Bösewichts kann auch als Hure und Kleinganove Trauerweide-Walter überzeugen. Johanna Klaushofer, Simon Jaritz-Rudle und Florian Stöhr komplettieren das Ensemble, sind ebenfalls vielbeschäftigt und dank diverser Perücken oft nicht wiederzuerkennen.

Unter der musikalischen Leitung von Gernot Hauslauer sorgen Roli Wesp, Manfred Grillnberger, Robert Friedl, Josef Fuchsberger, Tom Reif und Robert Kainar für den passenden Sound. Jérôme Junod hat den fast dreistündigen Abend mit viel Witz in Szene gesetzt, so wird sogar die moralische Verkommenheit zum Vergnügen.

„Die Dreigroschenoper“ – Ein Stück mit Musik in einem Vorspiel und acht Bildern nach John Gays „The Beggar’s Opera“ von Bertolt Brecht (Text) und Kurt Weil (Musik) unter Mitarbeit von Elisabeth Hauptmann. Regie: Jérôme Junod. Ausstattung Ragna Heiny. Dramaturgie: Tabea Baumann. Mit: Johanna Egger, Petra Staduan, Tanja Kuntze, Magdalena Oettl, Johanna Klaushofer, Theo Helm, Olaf Salzer, Marcus Marotte, Simon Jaritz-Rudle, Florian Stohr. Band: Musikalische Leitung, Posaune und Bass: Gernot Haslauer. Tasteninstrumente, Korrepetition und Einstudierung: Roli Wesp. Holzblasinstrumente: Manfred Grillnberger und Robert Friedl. Trompete: Josef Fuchsberger. Banjo und Gitarre: Tom Reif. Schlagwerk: Robert Kainar. Fotos: Jan Friese

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