„Bash – Stücke der letzten Tage“ – drei mörderische Monologe

Im Studio der ARGEkultur fand am 16. September 2020 die Premiere von Neil LaButes zutiefst verstörendem Stück „Bash“ statt, in dem drei ganz normale Menschen ihre Morde beichten.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Die drei Minidramen wurden 2001 von „Theater heute“ zum besten ausländischen Stück gewählt und fesseln mit der Wucht antiker Tragödien. Ein aufwühlender Theaterabend, absolut sehenswert!

Neil LaBute bringt in seinen Stücken stets das Dunkle im Menschen zum Vorschein. Seine Protagonisten sind Durchschnittsmenschen, denen fast ungewollt und ganz nebenbei Morde passieren. „Ich erzähle es einmal, weil es wert ist, erzählt zu werden.“ Mit diesen Worten wendet sich in „Iphigenie in Orem“ ein Geschäftsmann in einer Bar an einen Fremden. Er erzählt in lockerem Plauderton vom tragischen Tod seiner vier Monate alten Tochter Emma und von seinen beruflichen Problemen. Um seiner drohende Entlassung zu entgehen und sich einen Vorteil gegenüber seiner Konkurrentin zu verschaffen, greift er zu unentschuldbaren Mitteln. In „Eine Meute von Heiligen“ berichtet ein Yuppie-Pärchen von einem Ausflug nach New York und einer rauschenden Ballnacht. Es wäre wirklich eine vollkommene Nacht gewesen, hätte nicht John mit seinen Freunden Tim und David noch einen nächtlichen Spaziergang im Central Park unternommen. Auch der Titel der letzten Szene, „Medea redux“, lässt Schlimmes ahnen. Eine junge Frau schildert, wie sie mit 13 Jahren ihrem Bio-Lehrer näherkam. Sie berichtet von Küssen, Umarmungen, und Bootsfahrten und wird schließlich mit 14 Jahren schwanger. Er macht sich aus dem Staub und sie schweigt lange Jahre. Bei einem Wiedersehen mit dem Vater des Kindes findet sie, dass es nun Zeit wäre, sich zu rächen.

Die Motive der drei Mörder sind dürftig, die Taten erfolgen fast zufällig. Die Nüchternheit mit der LaBute seine Figuren agieren und sprechen lässt, ist von subtiler Wucht. Das Schauspielhaus Salzburg brachte „Bash“ 2011 im Hotel Altstadt zur Aufführung. Damals marschierten zehn Besucher von Zimmer zu Zimmer und bekamen die ungeheuerlichen Monologe auf engstem Raum serviert. Ich dachte damals, besser und schockierender als in diesem intimen Rahmen ginge es nicht. Doch Verena Holztrattners Inszenierung versteht es gleichermaßen zu fesseln. Arthur Zgubics drehbare Rundbühne entwickelt durch die langsamen Drehungen einen regelrechten Sog. Jurij Diez erweist sich als absolute Traumbesetzung, denn hinter seiner stets freundlich lächelnden Fassade spürt man Brutalität und Kälte schlummern. Die zierliche Daria Ivanova, Studentin am Mozarteum Salzburg, ist ihm eine ebenbürtige Partnerin. Naiv schwärmt sie com wunderbaren Ausflug nach New York, denn von den nächtlichen Abenteuern ihres Freundes bekommt sie nichts mit. Als verurteilte Mörderin hingegen versucht sie zu erklären, warum sie sich nach so langer Zeit am Vater ihres Kindes rächen musste. Es war sein Blick, der sagte: „Ich bin davongekommen.“

Ein gutes Theaterstück braucht weder eine große Bühne, noch viele Requisiten. Diese drei Geschichten brennen sich auch so in die Köpfe der Zuseher ein und erzeugen Kopfkino, das fast schmerzt.

„Bash – Stücke der letzten Tage“ von Neil LaBute. Eine Koveranstaltung von theater.direkt und ARGEkultur. Dramaturgie/Produktionsleitung: Michael Kolnberger. Inszenierung: Verena Holztrattner. Raum und Kostüme: Arthur Zgubic. Bühnenkonstruktion und Bau: Herbert und Niki Wiesauer. Mit: Jurij Diez und Daria Ivanova. Fotos: ARGEkultur

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Dorfladen

Über den Autor

Elisabeth Pichler
Geb. 1946 in Salzburg,1964 Matura im Realgymnasium. Abiturientenlehrgang HAK. 2000 Ausbildung zur ehrenamtlichen Bibliothekarin und seither in der öffentlichen Bibliothek Hallwang tätig. “Theater war schon immer meine große Leidenschaft und scheinbar ist es mir auch gelungen, diese Begeisterung an meine Kinder weiterzugeben.” Elisabeth Pichler besucht für die Dorfzeitung Theateraufführungen und Konzerte und liest neue Bücher.

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