Ludwig Laher: Schauplatzwunden

Ludwig Laher - Lesung anläßlich 20 Jahre Erinnerungsstätte St. Pantaleon - Weyer

Ludwig Laher - Lesung anläßlich 20 Jahre Erinnerungsstätte St. Pantaleon - Weyer | Foto: Karl Traintinger

Autor: Ludwig Laher
Titel: Schauplatzwunden – über zwölf ungewollt verknüpfte Leben
ISBN: 978-3-7076-0707-9
Verlag: Czernin Verlag
Erschienen: 2020

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Klappentext:

Zwölf Menschen sind durch ungeheuerliche Umstände und einen Schauplatz, den NS-Lagerkomplex St. Pantaleon-Weyer, unfreiwillig miteinander verbunden. Ludwig Lahers neue Prosa porträtiert Opfer, Täter und anderweitig von diesem Ort nachhaltig Berührte auf eindringliche Weise. Willkür, Ohnmacht und Terror im demokratiebefreiten Staatswesen: im 21. Jahrhundert immer noch hoch aktuell..

Auf den ersten Blick scheint diese zwölf Lebensgeschichten kaum etwas zu verbinden. Vorgestellt werden etwa ein Jurist mit erstaunlicher Karriere, ein Säugling, der mit vier Wochen sterben muss, ein extrem gewalttätiger Fleischhauer und eine achtfache Mutter aus dem Schaustellergewerbe. Doch ihre Leben sind miteinander verknüpft, denn sie alle steuern von verschiedenen Seiten aus auf den NS-Lagerkomplex St. Pantaleon-Weyer zu, der zwischen 1940 und 1941 zuerst als Arbeitserziehungslager und später als Zigeuneranhaltelager geführt wurde.

Ludwig Laher variiert gekonnt die Erzählperspektiven und demonstriert an einem einzigen Ort in der Provinz, wie eine zynische Gewaltherrschaft funktioniert, die verbrecherische Energie und rücksichtsloses politisches Kalkül vereint.

Anni Lemberger

Rezension von Anni Lemberger

Weyer, ein kleines Dörfchen, im „Heimatbezirk Hitlers“ kannte ich von vielen Fahrradtouren – erst durch den Autor dieses Buches erfuhr ich, dass dort ein „Zigeunerlager“ der NS Zeit war.

Ich wollte alles über Weyer wissen – und interessierte mich deshalb auch für dieses Buch.

In vorliegenden Werk versteht es der Autor sehr gut, die Erinnerung an Dinge wach zu halten, die nicht vergessen werden dürfen:

Zuerst war Weyer „nur“ als Lager für sogenannte „asoziale, arbeitsscheue deutsche und Österreichische Elemente“ gedacht. Es kamen aber größtenteils Menschen in das Lager, die weder „arbeitsscheu“, noch auf Kosten der Allgemeinheit ein schönes Leben fristen wollten. Viel eher wurden Menschen, aus den verschiedensten Gründen in das Lager Weyer „entsorgt“.

Nachdem jedoch dort von bösartigen und sadistischen Lagerleitern und seinen Verbündeten Menschen ermordet wurden, hat es einer der damaligen Staatsanwälte des zuständigen Gerichtes in Ried, wohl als einer der letzten geschaftt, im Rahmen der „Gewaltentrennung“ eine „Mordanklage“ loszutreten und die Folterknechte, bis auf einen, von Weyer zu entfernen…..

Die meisten der Österreichen Häftlinge wurde freigelassen, wenige kamen weiter in verschiedene Konzentrationslager, wo sie meist den Tod fanden.

Ins Lager kamen jetzt andere „arbeitsscheue und nichtsnutzige Elemente“ aus dem Reich des Führers: Die Zigeuner. Ihre Art zu leben war nicht im Sinne eines reinrassig, deutschen Ariers. Manche von den, in das Lager „verfrachteten“, ZigeunerInnen“, erfuhren erst durch ihre Internierung von ihrer Abstammung vom Volk der Roma oder Sinti. Sie waren schon lange in Österreich sesshaft und gingen dort auch ihrem einem Beruf nach.

Bis zum „Achtelzigeuner“ waren sie dem deutschen Herrenmenschen nicht gut genug und mussten „verschwinden“….

Laher beschreibt in seinen 12 Lebensgeschichten „Menschen wie du und ich“ – sie haben nur zur falschen Zeit am falschen Ort gelebt. Er hat anonymen Opfern einen Namen und eine Geschichte gegeben. Er hat aber auch, die Täter beim Namen genannt und ihre Schandtaten nicht verschwiegen – auch die besondere Rolle der katholischen Kirche, deren deutsch-treuer Bischof Hudal die Naziverbrecher vor ihren Verfolgern nach Übersee in „Sicherheit“ brachte….

Der Autor hat seine Informtionen von verschiedenen Archiven und aus Gesprächen mit Nachkommen und Überlebenden. Er zeichnet ein erschreckendes Bild der damaligen Zeit und fordert zugleich gegen das Vergessen dieses schrecklichen Genozids auf. Obwohl er die Ereignisse einfühlsam schildert, sind geschilderte Gewalt, Terror und Willkür der sadistischen Herrenmenschen oft schwer auszuhalten.

Ein Mahnmal gegen den Faschismus!

Ludwig Laher in der Dorfzeitung >

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Dorfladen

Über den Autor

Anna Lemberger
Geboren in Zederhaus/L ungau/ Salzburg. Seit dem Ende ihrer aktiven Berufslaufbahn als Diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester 2017 (nach 42 Berufsjahren) liest sie vorwiegend Bücher Österreichischer Autorinnen und Autoren und schreibt Rezensionen dazu. Anni Lemberger betreibt außerdem eine FB Seite, auf der sich LeserInnen und AutorInnen virtuell treffen und austauschen können.

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