Biografie: Ein Spiel

Biografie

Eine misslungene Korrektur

Das Salzburger Landestheater ist während der Renovierung des Hauses am Makartplatz eine Kooperation mit dem OVAL – Die Bühne im EUROPARK eingegangen. Marco Dott hat dort das von Max Frisch als Komödie bezeichnete Theaterstück aus dem Jahre 1967 in Szene gesetzt. Die vom Autor 1984 überarbeitete Neufassung ist derzeit im OVAL zu sehen, bevor sie dann im November in die Kammerspiele des Salzburger Landestheaters übersiedelt. Die Premiere fand am 23. September 2022 statt.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Der todkranke Verhaltensforscher Dr. Hannes Kürmann bekommt die Möglichkeit, seine fatale Biografie zu korrigieren. Mit Hilfe eines Spielleiters kann er Situationen, mit deren Folgen er nicht zufrieden ist, abändern. Am liebsten würde er ja mit einer anderen Intelligenz beginnen, doch die Spielregeln lassen lediglich Varianten seines Verhaltens zu, nicht seiner Persönlichkeit. Von vorne zu beginnen, dazu hat er aber keine Lust und so lässt er Schule, Abitur und Studium unangetastet, auch wenn nicht alles rosig war.

Der Spielleiter führt ihn durch vergangene Schlüsselerlebnisse: Probleme mit dem Vater, erste große Liebe, überstürzte Heirat mit fatalem Ende. Am Abend, an dem er zum Professor ernannt wurde, lernt er auf einer Überraschungsparty eine faszinierende Frau kennen, die er schließlich heiratet. Das ist sieben Jahre her und nun ist sein größter Wunsch eine „Biografie ohne Antoinette Stein“. Er vermutet, dass es sein größter Fehler war, ihr damals zu vorgerückter Stunde die Hornbrille abgenommen zu haben. Der Spielleiter lässt ihn diese Situation immer wieder durchspielen, doch wie er es auch anstellt, mit Hornbrille oder ohne, stets endet diese erste Begegnung in einer gemeinsamen Nacht und das Unglück nimmt seinen Lauf.

Gregor Schulz gibt den gestrengen Spielleiter, der von der Unentschlossenheit Kürmanns genervt ist. Will der wirklich nichts verändern, hat er sich schon so an seine Schuld gewöhnt? Der etwas unbeholfene Verhaltensforscher (Christoph Wieschke) ist in einer fast toxischen Liebe zu Antoinette gefangen und leidet. Antoinette Stein (Tina Eberhardt) ist aber auch wirklich eine attraktive, verführerische, sehr dominante Dame. Kein Wunder, dass er sie aus seiner Biografie streichen möchte. Dem Spielleiter stehen zwei Assistenten (Elisabeth Mackner und Martin Trippensee) zur Seite, die in die unterschiedlichsten Rollen schlüpfen müssen, um die Spielsituationen möglichst realistisch zu gestalten.

Auf einem schwarz verfliesten Quadrat mit weißen Möbelstücken wird gespielt, ein weißer Vorhang ersetzt eine Tür. Spielleiter, Assistenten und Requisiten befinden sich rechts und links dieses kleinen Podiums (Bühne und Kostüme: Matthias Kronfuss).

Die Bühne im OVAL ist geradezu ideal für dieses Stück und so bequeme Sessel sind wohl in keinem Theater zu finden. Darum sollte man sich dieses Theater-Kino-Feeling nicht entgehen lassen. Eine weitere Gelegenheit bietet das Salzburger Landestheater mit einer Bühnenfassung von Theodor Fontanes Roman „Effi Briest“. Premiere ist am 11. Oktober 2022.

„Biografie: Ein Spiel“ von Max Frisch. Inszenierung: Marco Dott. Bühne und Kostüme: Matthias Kronfuss. Mit: Christoph Wieschke, Tina Eberhardt, Gregor Schulz, Elisabeth Mackner, Martin Trippensee. Fotos: © SLT / Tobias Witzgall. Video: SLT

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