„Cosi fan tutte“ – eine wahrlich fiese Wette

Cosi fan tutte

Die Opernproduktionen der Universität Mozarteum überzeugen stets mit spannenden Inszenierungen, innovativen Bühnenbildern und dem Temperament und Können der jungen Sänger*innen. Am 16. Mai 2023 fand die Premiere von Wolfgang Amadeus Mozarts Dramma giocoso, in dem die Treue der Frauen geprüft wird, im Max Schlereth Saal statt. Viel Applaus nach einem überraschenden Finale.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Die jungen Offiziere Ferrando und Guilelmo sind schwer verliebt und von der Treue ihrer Verlobten, den Schwestern Dorabella und Fiordiligi, felsenfest überzeugt. Don Alfonso, ein zynischer Mann von Welt, ist da völlig anderer Meinung. Er schließt mit den jungen Männern eine verhängnisvolle Wette ab. Wenn sie 24 Stunden lang tun, was immer er verlangt, will er sie von der Wankelmütigkeit der Frauen überzeugen.

Ferrando und Guilelmo täuschen eine Einberufung vor und kommen als exotische Fremdlinge wieder. Die Kammerzofe Despina wird von Don Alfonso bestochen und so hilft sie bei dem bösen Spiel gerne mit. Die Schwestern bleiben anfangs absolut standhaft. Als die beiden Herren sich schon fast sicher sind, die Wette gewonnen zu haben, werden die angehimmelten Schwestern doch noch schwach. Eine Blitzheirat endet im Desaster, denn plötzlich sind die Verlobten wieder da. Don Alfonso gewinnt die Wette. Die untreuen Schwestern schämen sich zwar, doch kochen sie auch vor Wut.

Anna Brandstätter (Bühne und Kostüme) hat eine raffinierte Treppenkonstruktion entworfen, deren ständiges Auf und Ab faszinierende, fast dünenartige Formationen ergibt. Da ist Platz genug für Verfolgungsjagden, denn die beiden als weiße Clowns verkleideten Liebhaber hechten schwungvoll hinter ihren Objekten der Begierde her. Es lassen sich aber auch riesige Abstände, sogar mit einer tiefen Kluft dazwischen, herstellen. So singt Fiordiligi (großartig Katarina Radovanović) ihre wunderbare Arie „Per pietà, ben mio perdona“ ganz weit rechts oben, während ihr Verehrer in der linken unteren Ecke schmachtet.

Fiodiligi und Dorabella (Génesis López da Silva) sind moderne junge Frauen, die sich nichts dabei denken, ihre Liebsten im Pyjama zu empfangen. Taesung Kim (Guilelmo) und Daehwan Kim (Ferrando) kommen beide aus Korea und wären für die meisten Europäer auch ohne ihre Verkleidung nur schwer zu unterscheiden, da hilft dann die Stimmlage, Bariton und Tenor. Xiaofei Liu genießt als Don Alfonso das böse Spiel und wirkt mit seiner Perücke richtig diabolisch. Hee-Kyung Park wirbelt als lebenslustige Despina über die Treppen und heilt die liebeskranken Herren statt mit Mesmers Magneten mit einer großen Spritze.

In dieser modernen, freizügigen Inszenierung von Alexander von Pfeil ist es eigentlich klar, dass die Damen mit enormer Wut auf dieses böse Experiment ihrer Liebhaber reagieren. Gernot Sahler sorgt mit dem Sinfonieorchester der Universität Mozarteum für einen satten Mozart-Sound. Stürmischer Applaus für eine bildgewaltiger Inszenierung mit einem erfrischenden, absolut verständlichen Finale. Wie immer ein Hochgenuss!

„Cosi fan tutte“ – Dramma giocoso in zwei Akten von Wolfgang Amadé Mozart. Libretto: Lorenzo Da Ponte. Uraufführung am 26. Jänner 1790 im Kaiserl. Königl. National-Hoftheater zu Wien. Eine Veranstaltung des Departments für Oper & Musiktheater in Kooperation mit dem Department für Gesang und dem Department für Szenografie im Rahmen des Mozartforums 2023.

Musikalische Leitung: Gernot Sahler. Regie: Alexander von Pfeil. Bühne & Kostüme: Anna Brandstätter. Dramaturgie: Malte Krasting. Musikalische Einstudierung: Julia Antonovitch, Niuniu Miao Liu, Stefan Müller. Szenische Assistenz: Agnieszka Lis. Schauspielcoaching: Natalie Forester, Volker Wahl. Sprachcoaching: Fausto Tuscano. Maske: Jutta Martens. Übertitel: Theresa McDougall. Mit: Emilie Haaning Christensen / Katarina Radovanović, Miriam Bitschnau / Génesis López da Silva, Taesung Kim / Franz Schilling, Chanyoung Kim / Daehwan Kim, Jungeun Oh / Hee-Kyung Park / Serafina Starke, Xiaofei Liu / Brett Pruunsild. Fotos: Mozarteum © Judith Buss

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