„Stallerhof“ – Ein böses Märchen vom Land

claustroeger_stallerhof_4_jpg_thumb_200Das Stadttheater Bruneck war mit Franz Xaver Kroetzs Sozialdrama aus den 70er Jahren zu Gast im Kleinen Theater Salzburg. Für die Stallers ist ihre 14-jährige Tochter Beppi, kurzsichtig und geistig zurückgeblieben, eine große Enttäuschung und eine Schande. Für ihr romantisches Innenleben zeigen sie wenig Verständnis, arbeiten soll sie.

Von Elisabeth Pichler.

Die junge Beppi sitzt mitten im Stroh und singt hingebungsvoll zu Nenas „99 Luftballons“, da taucht ihre Mutter wutentbrannt auf, zerstört das Tonband und schreit sie an: „Bügeln sollst!“ Einzig Sepp, der alte Knecht, nimmt sich Zeit für sie und hört ihr zu, wenn sie langsam und mühsam die Geschichte vom Dornröschen und dem schönen Prinzen erzählt. Doch neben Mitleid und Mitgefühl ist in seinem Blick auch Lüsternheit zu finden. Nach einem Jahrmarktbesuch ist Beppi überglücklich, hat sie doch einen Luftballon und ein Kracherl bekommen. Da nutzt Sepp die Gelegenheit schamlos aus. Als sie schwanger wird, vertreiben die verbitterten Stallers den Knecht vom Hof. Die fromme Bäuerin denkt an Mord „Narrische merken den Tod nicht wie wird, wird gsagt.“, schreckt aber schließlich auch vor einer Abtreibung zurück. „Stallerhof“ endet mit dem Einsetzten der Geburtswehen. Der Fortgang der Geschichte stammt aus „Geisterbahn“ aus dem Jahre 1975. Für Beppi ist ihr kleiner Sohn ihr ein und alles: „Wenn der Georg in ein Heim muss, bring ich mich um.“ Doch erstmal zieht sie in die Stadt, um den Vater ihres Kindes zu suchen.

Einzig das Stroh vermittelt ländliche Idylle, ansonsten herrscht auf dem Bauernhof der Stallers nur eisige Kälte. Kein Wunder, dass der Knecht dieses „christliche Haus“ mit seinem riesigen Kruzifix so bald wie möglich verlassen möchte: „In fünf Jahren geh ich in die Rente, dann bin ich ein freier Mann.“ Für Oliver Pezzi in der Rolle des gedemütigten Außenseiters vermag man, trotz seiner Übergriffe auf das junge Mädchen, fast Mitleid zu empfinden. Erschütternd in ihrer Frustration die Stallers (Cornelia Brugger und Kurt Kern) als verbitterte und illusionslose Bauern. Jasmin Mairhofer verkörpert die geistig behinderte Beppi, das erniedrigte und beleidigte Kind, mit unglaublichem körperlichem Einsatz, ihre spastischen Bewegungen und Ausbrüche von Wut und Enttäuschung gehen unter die Haut.

Claus Tröger hat das Bauerndrama realistisch und schonungslos, aber niemals peinlich in Szene gesetzt. Das starke Stück über ländliche Grausamkeiten und Kindesmissbrauch macht zutiefst betroffen.

„Stallerhof“ – Ein böses Märchen vom Land – von Franz Xaver Kroetz. Stadttheater Bruneck. Regie: Claus Tröger. Bühne: Klaus Gasperi. Kostüme: Katrin Böge Mair. Regieassistenz: Ricarda Amberg. Es spielen: Cornelia Brugger, Jasmin Mairhofer, Kurt Kern, Oliver Pezzi. Foto: Kleines Theater

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