„Plan B – Endlich Allein” – Komödie von Uli Brée

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Die Theater(off)ensive Salzburg brachte am 30. Oktober 2013 als Salzburger Erstaufführung den tragisch-komischen Monolog eines einsamen Mannes, der plötzlich durchdreht, auf die Bühne im Shakespeare. Das Publikum wurde in Geiselhaft genommen und fand die Stresssituation durchaus erheiternd.

Von Elisabeth Pichler.

Drei Jahre hat Richard seine Wohnung nicht verlassen, sich nur von Pizzas ernährt, Videos geschaut, geraucht und getrunken und niemandem ist er abgegangen. Wie konnte es so weit mit ihm kommen? Er hatte doch einen guten Job und eine nette Freundin. Jetzt ist er mit der Miete sechs Monate im Rückstand, es droht eine Zwangsräumung. Sein trautes Heim, ein zugemülltes Loch, will er jedoch nicht kampflos aufgeben und so bewaffnet er sich mit Dynamitstangen. Er hantiert damit jedoch so ungeschickt, dass er eine Mauer zum Einsturz bringt und in einem Theatersaal landet. Das verstörte Publikum wird kurzerhand in seine Wohnung umquartiert und gemeinsam wartet man auf das Eintreffen der Polizei. Jetzt hat Richard Zeit genug, um den Geiseln sein verpfuschtes Leben in vielen Details zu schildern. Was oder wer hat Schuld an seiner Misere? Sind es seine Neurosen oder seine Unfähigkeit zu Diskussionen? Oder war es seine Mutter, deren mahnende Stimme er nicht aus dem Kopf bekommt? Beruflich hat er doch auch alles versucht, hat Sat-Schüsseln verkauft, war Geldeintreiber, Festredner, Stauberater und Rückholer für Leasing- Autos. Aber irgendwie lief immer alles schief, kein Wunder, dass der arme Richard in Selbstmitleid badet.

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Alex Linse bestreitet den fast zweistündigen Monolog ganz alleine, denn sein Partner Daniel Solymár schminkt sich zwar intensiv für seinen Auftritt als Pantomime, doch die ungewollte Explosion bekommt ihm nicht gut. Am Ende des Stückes sorgt er jedoch für eine gelungene Überraschung. Alex Linse darf sich als Richard ausgiebig selbst bemitleiden und spielt uns besonders ernüchternde und frustrierende Szenen aus seinem armseligen Leben vor.

Uli Brées „komisches  Psychogramm eines unfreiwilligen Kidnappers“ passt perfekt zur intimen Atmosphäre der kleinen Bühne im Shakespeare, die diesmal in ein muffiges, versifftes Wohnzimmer umgebaut wurde. Das Publikum sitzt rundherum auf alten Kinostühlen und leidet mit dem Protagonisten. Ein unterhaltsamer Theaterabend, der ein ernstes Thema humorvoll beleuchtet.

„Plan B – Endlich Allein“ – von Uli Brée. Theater(off)ensive Salzburg im Café Shakespeare. Produktionsleitung: Diana Paul und Daniel Solymár. Fotos: Theater(off)ensive Salzburg

 

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