Megan Campisi: Sünde

Megan Campisi

Megan Campisi | Foto: Limes Verlag © Gates Hurand

Megan Campisi: Sünde

Autorin: Megan Campisi
Deutsch von Leena Flegler
Titel: Sünde – Roman
ISBN: 978-3-8090-2750-8
Verlag: Limes Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH
Erschienen: 2023

Klappentext:

»Die Sündenesserin ist unter uns, wir sehen sie nicht, wir hören sie nicht. Wir übergeben ihr unsere Sünden, auf dass sie ihr ins Grab folgen.«

England, 16. Jahrhundert: Als Anna Owens beim Stehlen eines Brotlaibs erwischt und verhaftet wird, ahnt sie nicht, dass die Suche nach der nächsten Mahlzeit künftig ihre geringste Sorge sein wird. Die Waise wird dazu verurteilt eine Sündenesserin zu werden.

Von der Gesellschaft geächtet und zum Schweigen verdammt, ist es fortan Annas Aufgabe, Sterbenden die letzte Beichte abzunehmen und deren Sünden so in sich aufzunehmen. Als ausgerechnet die Zofe der Königin schwer erkrankt, wird Anna an deren Sterbebett gerufen.

Dabei kommt ihr ein Gerücht zu Ohren – ein Gerücht über ein ungeheuerliches Verbrechen, das bald weitere Tode fordert und auch für Anna zur Gefahr wird …

Anni Lemberger

Rezension von Anni Lemberger

Es sind raue und harten Zeiten in England des 16. Jahrhunderts: Um nicht zu verhungern, stiehlt die junge Vollwaise Anna Owens einen Laib Brot und wird dabei erwischt.

Irritiert wartet sie im Gefängnis auf ihre Strafe, die ihr unerwartet lange nicht mitgeteilt wird. Als der Richteherr sie endlich aufruft, erfährt sie schockiert welch´ drakonische Strafe er ihr zugedacht hat: Sie muss ab jetzt ihr Dasein als „Sündenesserin“ fristen. Dazu bekommt sie, ein fest verschlossenes Halseisen mit einem „S“ und in ihre Zunge wird ebenfalls ein großes „S“ gestochen. Sie wird zu einem sprachlosen Dasein im Verborgenen verdammt und niemand darf sie ansehen und anfassen, außer Sterbende, denen sie die letzte Beichte abnimmt und an die sie wenige rituelle Worte richten darf.

Als Anna gemeinsam mit ihrer „Ausbilderin“, der alten Sündenesserin, ins Schloss der  jungfräulichen Königin gerufen wird, um einer Zofe die Beichte abzunehmen, passiert etwas Ungeheuerliches. Denn es liegt eine Sündenspeise auf dem Sarg, die von der Sterbenden nicht gebeichtet wurde. Was sollen die Sündenesserinnen tun?

Die Entscheidung, die Speise zu verweigern sollte der alten Sündenesserin das Leben kosten und Anna das Leben retten, weil sie wider besseres Wissen das Hirschherz isst.

Die junge Sündenesserin will hinter das Geheimnis kommen, denn es sollte nicht die letzte unerwartete Tote im Palast sein. Mit ihrer „Schnüffelei“ begibt sie sich aber in große Gefahr.

Ein düsterer Roman aus der Zeit von Elisabeth I. in England. Er handelt von Intrigen, Macht, Glaubenskämpfen und Aberglauben. Die Angst vor Hexen, Geistern und der Strafe im Jenseits für begangene Sünden ist groß.

In dieses Szenario wird die Protagonistin dieser fiktiven Geschichte gesetzt. Das Ritual des „Sündenessens“ hat es vor 100 Jahren tatsächlich gegeben – allerdings ist wenig bekannt darüber. So erfindet die Autorin eine Geschichte, wie es hätte sein können….

Mit dem Mut einer Verzweifelten – ohne Hoffnung, erkämpft sich die junge Sündenesserin eine erstaunliche Position, die einer besondere Form der Freiheit ermöglicht. Zwischen Demut und Mut, zwischen Angst und Kampfgeist und mit Hilfe ihres jüdischen Freundes öffnet sich das Schloss des Halseisens. Als Anna bemerkt, dass die wahre Freiheit die Entscheidung zwischen An- und Ablegen ihres Stigmas ist, macht sie eine erstaunliche Wandlung durch.

Sie kann ihre Identitäten frei wechseln zwischen Anna und der Sündenesserin und ihren mütterlichen und (stief)väterlichen Einflüssen.

Den Beginn des Buches erlebte ich etwas holprig, weil ich Mühe hatte, mich in das 16. Jahrhundert zu versetzen, weil Anna´s Denken so der Moderne entspricht.

Als ich aber meinen roten Faden gefunden hatte, fand ich mich in einer hoch spannenden Geschichte wieder, die ich in einem fertig durch gelesen habe – modern ausgedrückt: „ein Pageturner“.

Ein Buch, das Mut macht, weil es signalisiert, dass das Leben ist, was jeder draus macht –  und ein Ausbrechen ist selbst aus der ausweglosesten Situation möglich – gerade diese Erkenntnis macht das Buch so spannend. 


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