„Der zerbrochne Krug“ – nur gestrauchelt!

v.l.n.r. Matthias Hinz (Ruprecht), Susanne Wende (Marthe Rull)
v.l.n.r. Marcus Marotte (Adam), Martin Brunnemann (Licht)

v.l.n.r. Marcus Marotte (Adam), Martin Brunnemann (Licht)

Im Schauspielhaus Salzburg inszeniert Esther Muschol Heinrich von Kleists Klassiker als unterhaltsames, amüsantes Lustspiel. In der auf 90 Minuten gekürzten Fassung erweist sich Marcus Marotte als Idealbesetzung für den korrupten Dorfrichter Adam, der über eine Tat zu Gericht sitzen muss, die er selbst begangen hat. Die Premiere fand am 12. Mai 2016 fand.

elipi_aVon Elisabeth Pichler

Schreiber Licht findet morgens den Dorfrichter Adam in einem jämmerlichen Zustand vor. Angeblich hat er sich die bösen Kopfverletzungen beim Sturz aus dem Bett zugezogen. Auch für die fehlende Perücke hat er die abstrusesten Ausreden parat. Die Ankunft von Gerichtsrat Walter, der Kassen und Akten auf Unregelmäßigkeiten prüfen will, kommt daher äußert ungelegen. Zu allem Unglück will dieser auch dem Gerichtstag beiwohnen, um sich ein Bild über den korrekten Ablauf zu machen. Als erste Klägerin erscheint Marthe Rull. Sie beschuldigt den Verlobten ihrer Tochter, einen kostbaren Krug zerschlagen zu haben. Die Verhandlungsmethoden des Richters spotten jeder Beschreibung. Ständig lenkt er die Untersuchung in die falsche Richtung, jeder Verdächtige ist ihm recht. Gerichtsrat Walter und Schreiber Licht wohnen der Farce kopfschüttelnd bei. Mit Hilfe einer Zeugin gelingt es ihnen schließlich, den schlitzohrigen Täter zu überführen.

v.l.n.r. Matthias Hinz (Ruprecht), Susanne Wende (Marthe Rull)

v.l.n.r. Matthias Hinz (Ruprecht), Susanne Wende (Marthe Rull)

v.l.n.r. Matthias Hinz (Ruprecht), Georg Reiter (Veit Tümpel)

v.l.n.r. Matthias Hinz (Ruprecht), Georg Reiter (Veit Tümpel)

Zu Beginn wird das Publikum Zeuge, wie ein lüsterner Alter ein junges Mädchen bedrängt. Somit ist die Sachlage von Anfang an klar. Die bis in die letzten Reihen sichtbaren, riesigen Kopfwunden des Dorfrichters, die er von seinem nächtlichen Abenteuer davontragen hat, können auch von Gerichtsrat Walter (bewundernswert korrekt Olaf Salzer) und Schreiber Licht (Martin Brunnemann) nicht übersehen werden. Abwechselnd penetrant schleimig, dann wieder wütend aufbrausend, versucht Marcus Marotte als Dorfrichter Adam, den Verdacht von sich abzulenken. Dabei schafft er es nicht einmal, Frau Marthe Rull (großartig Susanne Wende) zu unterbrechen, wenn sie ihren geschichtsträchtigen Krug ausufernd beschreibt. Ihre Tochter, die arme Eve (Kristina Kahlert), muss so einiges einstecken, bis sie endlich mit der Wahrheit herausrücken darf. Schließlich muss sich ihr Verlobter, der grobschlächtige Ruprecht (Matthias Hinz), bei ihr entschuldigen, hat er sie doch ständig als betrügerische „Metze“ beschimpft. Bernadette Heideggers kurzer Auftritt als Zeugin Frau Brigitte bringt schließlich Klarheit in den verzwickten Fall. Fabian Lüdicke zeichnet für das futuristisch wirkende Bühnenbild verantwortlich, Agnes Hamvas für die geschmackvollen, originellen Kostüme.

v.l.n.r. Olaf Salzer (Walter), Marcus Marotte (Adam)

v.l.n.r. Olaf Salzer (Walter), Marcus Marotte (Adam)

Heinrich von Kleists poetische, extrem musikalische Sprache passt mit ihrer Doppeldeutigkeit und Ironie hervorragend zu der modernen Inszenierung von Esther Muschol, in der Schreiber Licht ständig sein Tablet malträtiert und eine spacige Stimme aus dem Off Befehle erteilt. Ein vergnüglicher, kurzweiliger Theaterabend, an dem letzten Endes doch die Gerechtigkeit über Amtsmissbrauch und Korruption triumphiert.

v.l.n.r. Georg Reiter (Veit Tümpel), Tilla Rath (Magd), Bernadette Heidegger (Frau Brigitte), Agnes Herrlein (Magd), Matthias Hinz (Ruprecht), Kristina Kahlert (Eve), Susanne Wende (Marthe Rull), Olaf Salzer (Walter)

v.l.n.r. Georg Reiter (Veit Tümpel), Tilla Rath (Magd), Bernadette Heidegger (Frau Brigitte), Agnes Herrlein (Magd), Matthias Hinz (Ruprecht), Kristina Kahlert (Eve), Susanne Wende (Marthe Rull), Olaf Salzer (Walter)

„Der zerbrochne Krug“ von Heinrich von Kleist. Regie: Esther Muschol. Bühne: Fabian Lüdicke. Kostüme: Agnes Hamvas. Musik: Manuel Mitterhuber. Mit: Olaf Salzer Marcus Marotte, Martin Brunnemann, Susanne Wende, Kristina Kahlert, Georg Reiter, Matthias Hinz, Bernadette Heidegger, Agnes Herrlein, Tilla Rath. Fotos: Gregor Hofstätter

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