„Abschiedsdinner“ – Es lebe die wahre Freundschaft!

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Das französische Autorenduo Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière landete mit seinem Erstling „Der Vorname“ einen sensationellen Erfolg. Auch ihre neue Komödie unterhält mit klugen Pointen und enormem Sprachwitz. Ist es wirklich sinnvoll, kostbare Zeit an völlig überflüssige Kontakte zu verschwenden? Wäre es nicht viel klüger, endlich Schluss damit zu machen? Im OFF Theater wurde die Premiere am 17. November 2023 mit Standing Ovations gefeiert.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Pierre und sein Frau Clot sind begeistert von der neuen Idee ihres Freundes Boris: einem „Abschiedsdinner“, um lästig gewordene Freundschaften elegant zu beenden. Sie beschließen, diese Methode ebenfalls auszuprobieren, und laden dazu den nervigen Antoine und seine exzentrische Frau Bea ein. Leider kommt Antoine alleine, denn seine Frau macht gerade mit einer völlig durchgeknallten Theatergruppe die Straßen der Stadt unsicher. Pierre empfängt seinen alten „Freund“ in einem eigenwilligen, riesengroßen Kaftan – einem Geschenk, das ihm Antoine vor vielen Jahren aus Afrika mitgebracht hat. Dieser ist ganz gerührt, dass selbst an seine indische Lieblingsmusik gedacht wurde. Fatalerweise kennt Antoine aber auch die Idee dieser eigenwilligen Einladungen und der kostbare Wein seines Geburtsjahrgangs wird schließlich zum Verräter.

Als Antoine klar wird, dass er diesmal das Opfer ist, erleidet er eine Panikattacke. Auch Pierres grandioser Entschuldigungs-Monolog kann ihn nicht beruhigen. Da er jedoch 30 Jahre Therapieerfahrung hinter sich hat, beschließt er, um diese Freundschaft zu kämpfen. Mit Hilfe eines Rollenspiels will er die Fäden der Freundschaft neu knüpfen und sie anschließend dann vertiefen. Diese Therapiesitzung hat es in sich. Wie wird der schwache, etwas feige Antoine wohl darauf reagieren?

Im OFF Theater ist ein elegantes, mit einem flauschigen weißen Teppich in Flokati-Optik ausgelegtes Wohnzimmer aufgebaut. Das Publikum nimmt, wie bei einem Boxring, rundherum Platz und ist wirklich hautnah dabei. Dass Clot (Anja Clementi) in dieser Ehe die Hosen anhat, wird schnell klar, denn Pierre (Alex Linse) vergräbt sich lieber in seinen Büchern, er ist ja auch Verleger. Tom Pfertner hat als Antoine zwar einen nervigen Lacher, dafür aber sehr tiefe Emotionen. Obwohl er seit 30 Jahren bei einem ungarischen Therapeuten in Behandlung ist, hat er schon etliche Selbstmordversuche hinter sich. Er kümmert sich selbstlos um Obdachlose und will das Ende der Freundschaft mit Pierre und dessen Frau auf gar keinen Fall akzeptieren.

Alex Linse hat diesen Abend, der etwas aus dem Ruder läuft, als geistreiches, sehr intimes Kammerspiel in Szene gesetzt. Ein Stück, wie geschaffen für das OFF Theater und das spielfreudige Ensemble, denn sein Publikum schätzt heitere, doch niveauvolle Unterhaltung. Die Premiere war ausverkauft, darum schnell Karten besorgen.

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