BRANDNERKASPER.AT – ein österreichischer Sturschädl

„Wo Austria sich und Germany küssen, wo Salzburger sich und Bayern begrüßen, da ist er daheim und da geht er fremd, der Mensch, der sich Brandner Kasper nennt.“

Mit diesem Song begrüßt Fritz Egger alias Brandner Kasper das Publikum in der von Volkmar Kamm bearbeiteten Neufassung des bayrischen Kult-Volksstückes von Franz von Kobell „Die Gschicht vom Brandner Kasper oder Das Spiel ums Leben“. Die Uraufführung fand am 29.1.2015 im Salzburger Landestheater statt.

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Von Elisabeth Pichler

In Volkmar Kamms Fassung steht der Hof des Brandner Kasper im österreichisch-bayrischen Grenzgebiet. Statt bei der Landwirtschaft mitzuhelfen, gehen seine Söhne lieber wildern. Gut, dass Kathi, seine schwangere Schwiegertochter in spe, sich um alles kümmert, ist doch der Brandner als Liedsänger viel unterwegs. Als Jäger sind der Ministerpräsident von Bayern und der Landeshauptmann von Salzburg nicht zielsicher. So streift den Brandner Kasper nur ein Schuss, der nach göttlichem Willen eigentlich tödlich sein sollte. Als ein zerzauster und vor Kälte zitternder Tod beim Brandner aufkreuzt, ist dieser nicht bereit mitzukommen.

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Etliche Stamperl Kirschgeist später hilft diesem ein Trick beim Kartenspiel, weitere 20 Jahre für sich herauszuschinden. Jetzt fühlt sich der Brandner unsterblich und macht als Lebensretter Karriere. Ansonsten läuft so einiges schief. In der neu eröffneten Jausenstation bleiben die Gäste aus und seine Söhne landen wegen Schlepperei im Gefängnis. Kathi stirbt im Kindbett und steht plötzlich an der Himmelpforte. Aber wo ist ihr Schwiegervater, der Brandner Kasper? Der sollte doch schon längst hier sein. Hat der Boandlkramer etwa Mist gebaut?

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Wie schon dem Titel zu entnehmen, ist dieser Brandner Kasper im Hier und Jetzt angesiedelt und so könnte das Stück auch „Brandner Kasper reloaded“ oder „Brandner Kasper 2.0“ heißen. So einiges ist zwar gewöhnungsbedürftig, doch für Liebhaber des alten Volksstückes erweist sich Britta Bayer in der Rolle des Boandlkramers als Idealbesetzung. Mit zittriger, wehklagender Stimme schüttet sie Kirschgeist um Kirschgeist in sich hinein, natürlich nur gegen die Kälte, und lässt sich dann vom Brandner Kasper um den Finger wickeln.

In dieser Rolle hat Fritz Egger seine großen Auftritte, singt er doch live am Kapitelplatz und am Residenzplatz. Vergnügen bereiten dem Publikum vor allem die schrägen Typen, die sowohl im österreichisch-bayrischen Grenzgebiet als auch im Himmel unterwegs sind: Walter Sachers und Axel Meinhardt als arrogante Politiker, Georg Clementi als gnadenloser Jagdaufseher und chaotischer Empfangschef im Himmel, Franz Supper als sangesfreudiger Dorfpfarrer und stets durstiger Engel Aloisius. Die Brandnerbuam Girgl und Toni (Hanno Waldner und David Lindermeier) dürfen im Himmel als Tod aus dem Jedermann und als Bärenthaler erscheinen. Kein Wunder, dass es der lieben Kathi (Sofie Gross) und dem Brandner Kasper im Paradies so gut gefällt. Hier gibt es Party ohne Ende, die Engel flattern und tanzen um die Wette. Wer will da schon zurück auf die Erde?

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Für die musikalischen Einlagen zeichnen Johannes Pillinger und Herbert Berger verantwortlich. Konrad Kulke (Bühne) schuf ein grandioses Himmels-Bühnenbild mit einer spektakulären Wand für die vielen Aktenordner. Volkmar Kamm hat das Stück mit jeder Menge Lokalkolorit versehen, heikle aktuelle Themen aufgegriffen und diese mit Witz, Ironie und einigen Kalauern serviert. Die Schauspieler hatten sichtlich Spaß daran, ihre komödiantischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Das Premierenpublikum bedankte sich für diesen vergnüglichen Abend mit kräftigem Applaus.

„www.BRANDNERKASPER.at“ Text von Volkmar Kamm. Musik von Johannes Pillinger. Nach den Erzählungen „Die Gschicht vom Brandner Kasper oder Das Spiel ums Leben“ von Franz von Kobell und „Der Münchner im Himmel“ von Ludwig Thoma. Uraufführung. Inszenierung: Volkmar Kamm. Musikalische Leitung: Johannes Pillinger. Bühne: Konrad Kulke. Kostüme: Uschi Haug. Mit: Fritz Egger, Britta Bayer, Hanno Waldner, Sofie Gross, David Lindermeier, Walter Sachers, Axel Meinhardt, Georg Clementi, Franz Supper/Werner Friedl, Theresa Gmachl, Felix Mayrhofer, Lena Bratka, Sarah Bröter, Sophia Höhn, Johannes Haslinger, Stefan Moser, Johannes Reininger, Max Schmid. Fotos: SLT/ © Anna-Maria Löffelberger

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