„Die Straße der Ameisen“ – eine Fabel über erfüllte Sehnsüchte

DIE STRASSE DER AMEISEN

Kristina Kahlert (die Tochter), Ute Hamm (die Großmutter), Lukas Bischof (Der Freund der Tochter), Susanne Wende (die Mutter)>/em>

Als einer der bedeutendsten deutschen Gegenwartsdramatiker überrascht Roland Schimmelpfennig stets mit komplexen Erzählungen, die voller Überraschung stecken. Für ein Theater, das am Puls der Zeit sein will, sei es eine Pflicht, ein Roland- Schimmelpfennig-Stück zu spielen, meint der Intendant des Schauspielhauses Salzburg Robert Pienz. So durfte sich am 23. Jänner 2019 das Premierenpublikum von der magischen Welt des Autors verzaubern lassen.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Großmutter, Mutter und Tochter mit Freund sitzen in einer heißen karibischen Nacht nebeneinander auf einem alten Sofa und genießen die neueste Folge einer Telenovela. Der Ärger ist groß, als die Nachbarin ihre Waschmaschine einschaltet und plötzlich der Strom weg ist. Jetzt springen sie auf, reden plötzlich alle wild durcheinander und erzählen dem Publikum von ihren ganz speziellen Befindlichkeiten und Wünschen. Der Freund der Tochter wird belächelt, behauptet er doch, eine einzelne weiße Schneeflocke sei vom Himmel gefallen. Vielleicht ist er ja doch etwas zu romantisch. Da ist das Paket, auf das der Großvater 42 Jahre gewartet hat, schon wesentlich interessanter. Der Inhalt ist jedoch eine einzige Enttäuschung: ein Löffel, ein Kugelschreiber, ein zehn Jahre alter Kalender, ein leeres Senfglas und eine blonde Perücke. Als sie aber entdecken, dass diese banalen Dinge wahre Wunder vollbringen können, sind sie sich einig: „Das sagen wir keinem!“ Das Spiel mit den Wunderdingen wird jedoch allmählich zur Sucht, zur fast unerträglichen Last. So leicht lässt sich Magie aber nicht abstellen, da muss schon ein Unglück geschehen, um die Familie wieder vor dem Fernsehgerät zu vereinen.

Ute Hamm (die Großmutter), Kristina Kahlert (die Tochter), Lukas Bischof (Der Freund der Tochter), Susanne Wende (die Mutter)

Die Großmutter (Ute Hamm) ist ein echtes Leckermäulchen, ihr Löffel hat 1000 Geschmäcker und das weiß natürlich bald die ganze Nachbarschaft. Kein Wunder, dass sie Angst vor Dieben hat und keine Nacht mehr schlafen kann. Die Mutter (Susanne Wende) schaut ständig in ihren „Kalender der Vergangenheit“ und die Tochter (Kristina Kahlert) sucht ihr Glück in den Wolken und vernachlässigt dadurch ihren Gedichte schreibenden Freund (Lukas Bischof).

Irmgard Lübke hat diese phantastische Erzählung mit zahlreichen spanisch-karibischen Anklängen in Szene gesetzt. In nur 70 Minuten erlebt das Publikum eine kleine Familiensaga, versehen mit reichlich Klatsch und Tratsch aus der Nachbarschaft, wobei der Großvater nie auftaucht, denn er sitzt mit seinem Glas, das nie leer wird, am Meer. Ein märchenhafter Theaterabend voll Poesie, Magie und jeder Menge Überraschungen.

„Die Straße der Ameisen“ von Roland Schimmelpfennig. Regie: Irmgard Lübke. Ausstattung: Andreas Kuprian. Dramaturgie: Tabea Baumann. Mit: Kristina Kahlert, Susanne Wende, Ute Hamm und Lukas Bischof. Fotos: Jan Friese

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