Bock – Tier, Untergestell und Fehlschuss

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Das Wort Bock bezeichnet nicht nur horntragende männliche Tiere, sondern auch einen Sitz, ein Untergestell, ein Bier, eine Wurst und einen Fehlschuss.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort Bock ist seit dem 9. Jahrhundert belegt und bezeichnete ursprünglich nur den Ziegenbock. Schon in althochdeutscher Zeit wurde das Wort in Zusammensetzungen auch als Bezeichnung für jagdbare männliche Tiere verwendet, wie zum Beispiel rêhboc „Rehbock“ oder steinboc „Steinbock“. Im weiteren Zeitverlauf wurde Bock auch eine Bezeichnung für andere horntragende männliche Tiere. So finden sich in unserem heutigen Sprachgebrauch neben Rehbock und Steinbock auch Gamsbock, Geißbock, Schafbock und Ziegenbock.

Das Wort Bock wird jedoch nicht nur als Bezeichnung für männliche Tiere verwendet, sondern auch für Gegenstände wie Kutschbock, Bockmühle, Rammbock, Bockbier oder Bockwurst. ___STEADY_PAYWALL___

Schon im Mittelalter findet sich eine übertragene Verwendung des Wortes Bock für ein vierbeiniges hölzernes Gestell. Daraus entwickelte sich die Bezeichnung für den Sitz des Kutschers auf der Kutsche, der Kutscherbock oder Kutschbock genannt wird. Später Nachklang dieser Bezeichnung ist bis heute die Redewendung auf dem Bock sitzen für “ein Motorrad fahren, einen LKW fahren”. Auch die Untergestelle von Windmühlen, die dadurch gedreht werden können, werden Bock genannt – daher auch die Bezeichnung Bockwindmühle oder Bockmühle.

Das Wort Rammbock „Gerät zum Durchstoßen von Befestigungen“ begegnet ab der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und geht zurück auf althochdeutsch ram „Widder, Schafbock“, ebenso wie unser heutiges Wort Ramme „Gerät zum Durchstoßen“. Die Bezeichnung beruht auf dem Vergleich mit Widdern, die mit gesenktem Kopf gegen etwas anrennen.

Eine ganz andere Geschichte liegt dem Wort Bockbier zugrunde. Dieses Wort hat nichts mit der Tierbezeichnung zu tun, sondern geht auf das Starkbier der niedersächsischen Stadt Einbeck zurück. Das Einbecker Bier war berühmt und wurde überregional verkauft und exportiert. Die ältere Bezeichnung der Stadt lautete Eimbeck. Im bayerischen Sprachraum, vor allem in München, wurde Eimbeck zu Aimbock oder Oambock umgewandelt. Später wurde das Wort zu Bock gekürzt. Die Zusammensetzung mit dem Wort Bier zu Bockbier erfolgte in Analogie zu anderen Bierbezeichnungen wie Starkbier, Weizenbier, Hopfenbier usw.

Mit dem Bockbier hängt auch das Wort Bockwurst zusammen. Das Wort begegnet ab dem 19. Jahrhundert und bezeichnete ursprünglich eine Wurst, die zum Bockbier dazu gegessen wurde. Das Wort Bockwurst ist daher eine Kürzung aus der Zusammensetzung Bockbierwurst.

Und schließlich findet sich das Wort Bock auch in den Redewendungen einen Bock schießen, auf etwas Bock haben, keinen Bock haben und Null Bock haben.

Die Redewendung einen Bock schießen „einen Fehler machen“ stammt aus dem Sprachgebrauch der Schützengilden des 16. Jahrhunderts und ist eine Variante zu dem älteren Ausdruck einen Fehler schießen. Mancherorts erhielten die schlechtesten Schützen bei Schützenfesten als Trostpreis einen Ziegenbock. So konnte das Wort Bock die Bedeutung „Fehler“ erhalten. Einen Bock schießen war daher ursprünglich ein Ausdruck für einen Fehlschuss.

Die Ausdrücke auf etwas Bock haben, keinen Bock haben und Null Bock haben entstammen der Jugendsprache und gehen auf die Redewendung geil wie ein Bock zurück. Geil steht hier mit der Bedeutung „sexuell erregt“. Davon entwickelte sich für Bock die Bedeutung „Lust haben”. Auf etwas Bock haben konnte somit zu einem allgemeinen Ausdruck für „auf etwas Lust haben; zu etwas Lust haben“ werden. Die Ausdrücke keinen Bock haben oder die Variante Null Bock haben stehen dementsprechend für das Gegenteil.

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Über den Autor

Michaela Essler
Mag. Dr. Michaela Essler, 1966 in Salzburg geboren, studierte Allgemeine und Historisch-vergleichende Sprachwissenschaft an der Paris-Lodron-Universität Salzburg und promovierte im Fach Indogermanische Sprachwissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Absolventin des Österreichischen Journalisten-Kollegs am Kuratorium für Journalistenausbildung Salzburg

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