„Der Floh im Ohr“ – sorgt in Seeham für Turbulenzen

Der Floh im Ohr

George Feydeaus Komödien sind frech und frivol und eignen sich daher bestens für spritziges Sommertheater. Caroline Richards inszeniert mit einem äußerst spielfreudigen Ensemble auf der wunderschönen, sehr edel möblierten Seebühne die 1907 uraufgeführte Farce des französischen Dramatikers. Bei der Generalprobe am 6. Juli 2023 zeigte sich das Publikum begeistert von dem flotten Boulevardklassiker, der beste Unterhaltung garantiert.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Ein Päckchen mit Hosenträgern und dem Absender „Hotel zur Schlummermieze“ erhärtet den Verdacht von Raymonde Chandebise, dass ihr Gatte Victor fremdgeht. Sie will ihn in flagranti erwischen und lässt daher ihre Freundin Lucienne eine anonyme Einladung zu einem erotischen Tête-à-Tête verfassen, bei dem sie ihren Mann dann natürlich selbst überraschen will. Mit einem ordentlichen Schuss Patchouli-Parfum versehen sollte der Brief doch Wirkung zeigen. Ihr Gatte ist jedoch wirklich der „biederste aller Biedermänner“ und so gibt er die Einladung selbstlos an seinen Freund Tournel weiter. Zu dumm nur, dass Luciennes Mann, ein feuriger und fürchterlich eifersüchtiger Argentinier, die Handschrift seiner Gattin erkennt.

Der zweite Akt spielt nun in besagtem Etablissement und dort geht es bald sehr chaotisch zu. Nach und nach taucht hier die ganze bunte Truppe auf, inklusive Dienstboten, einem Neffen mit Sprachfehler und einem befreundeten Arzt. Doch auch das ehrenwerte Hotel hat es in sich, hier logieren ein durchgeknallter Schotte und ein ständig betrunkener, von Rheuma gequälter Verwandter des Hotelbesitzers. Dass der Hausdiener Posch wie Victors Zwillingsbruder aussieht, zieht Verwechslungen ohne Ende nach sich. Als schließlich noch Carlos, Luciennes eifersüchtiger Gatte, auftaucht, fällt ein Schuss und dann ist endgültig Schluss mit lustig. Zum Glück ist nichts passiert und so löst sich im dritten Akt, der wieder im Wohnzimmer der Familie Chandebise spielt, alles in Wohlgefallen auf.

Vorab ein Lob für das perfekte Casting, die Rollen sind durchwegs absolut typgerecht besetzt. Franz Hillerzeder, der als Victor Chandebise der Untreue bezichtigt wird, hat es doppelt schwer, denn er ist auch als Hausdiener Posch unterwegs. Livree oder Sakko, das ist stets die Frage. Seine Frau Raymonde (Annegret Neuhofer) liebäugelt mit Tournel (Alexander Eberl), da ihre Ehe doch etwas langweilig geworden ist. Ihre Freundin Lucienne (Bianca Lechner) hingegen darf sich keine Seitenblicke erlauben, denn ihr Mann Carlo (Thomas Peschke) ist brandgefährlich. Hans Sporer gibt den Arzt mit Hang zum Küchenpersonal (Astrid Rizner) und ist gern gesehener Gast in der Schlummermieze. Dort achten die Hotelbesitzer (Barbara Schwaiger-Modl und Andreas Mackinger) sehr auf gute Sitten. Johannes Schimmerl muss als Sekretär mit Sprachfehler alle Konsonanten verschlucken, ein wahres Kunststück, bei dem nur ein silberner Gaumenbogen helfen kann. Leopold Bouvier-Azula als schottischer Hotelgast, Christian Altendorfer als Diener, Raphael Lanner als versoffener Rheumatiker und Verena Lahnsteiner als Dienstmädchen komplettieren das spielfreudige Ensemble.

Ein Sonderlob für das edle Bühnenbild mit den liebevoll arrangierten Blumen. Ein überaus vergnüglicher Abend, von Caroline Richards temporeich in Szene gesetzt, der bei schönem Wetter sicherlich zu den sommerlichen Theater-Highlights zählt.

„Der Floh im Ohr“ – Komödie in 3 Akten von Georges Feydeau. Ins Deutsche übertragen von H.C. Artman. Stückbearbeitung und Regie: Caroline Richards. Dramaturgie: Eva Schachenhofer. Regieassistenz: Marianne Egger. Technik: Gerhard Hager, Thomas Herbst. Bühnenbau: Franz Filzmoser. Bühnenbild: Ulrike Rizner. Kostüme: Julia Otte. Maske: Sabine Schaumburger. Mit: Franz Hillerzeder, Annegret Neuhofer, Johannes Schimmerl, Alexander Eberl, Hans Sporer, Thomas Peschke, Bianca Lechner, Andreas Mackinger, Barbara Schwaiger-Modl, Leopold Bouvier-Azula, Christian Altendorfer, Astrid Rizner, Verena Lahnsteiner. Fotos: Seebühne Seeham/ ©RAW Ralf Weichselbaumer

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