„Der Patriot“ von Felix Mitterer – Kleines Theater

Elisabeth Pichler. Im Publikum sind einige Stühle mit rot-weiß-roten Fahnen markiert, sie sind für die unsichtbaren Vernehmer, Vermittler und Therapeuten reserviert. Franz Fuchs betritt die Bühne, er tobt und brüllt: „Es lebe die Bajuwarische Befreiungsarmee! Ausländerflut – nein danke! Reinrassige Tschuschenregierung – nein danke! Zionistische Germanenverfolgung – nein danke!“ Begeistert erzählt er von der BBA mit ihren fünf Brigaden, er selbst sei nur ein kleines Rädchen in dieser terroristischen Organisation. Doch wenn er auf seinem Stuhl Platz nimmt, wirkt er plötzlich fast bemitleidenswert. Er erzählt von seiner Kindheit, seiner dominanten Mutter, seinem gutmütigen Vater und den Repressalien, denen er schon als Kind ausgesetzt war, seinen beruflichen Misserfolgen und seinen Problemen mit Frauen. So sei er zum Einzelgänger geworden, der zwar im Elternhaus gewohnt habe, doch völlig isoliert.

Er erklärt genau, warum die einzelnen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens (u.a. Pfarrer August Janisch, Silvana Meixner, Helmut Zilk, Helmut Schüller, Arabella Kiesbauer) Bombenbriefe erhalten hätten, doch versichert er immer wieder: „Ich bin nicht der Briefbomber.“ Oftmals unterbricht er seine Schilderungen, denn auf Zwischenfragen reagiert er ungehalten und stellt sich schmollend an die Wand: „Wenn Sie mich unterbrechen, bestrafe ich Sie mit Zeitverlust.“

Felix Mitterers Textcollage zeigt das beklemmende Bild eines hochintelligenten Psychopathen, eines schwer gestörten Einzelgängers, der zunehmend an Verfolgungswahn litt, was schließlich auch zu seiner Verhaftung führte. Alexander Mitterer, bekannt als Kommissar Pfurtscheller in der ORF-Tatort-Reihe, verkörpert diesen Fanatiker mit seinem Sendungsbewusstsein äußerst beeindruckend, stimmlich wie körperlich. Wenn er mit seinen bandagierten Händen versucht, die Brille gerade zu rücken oder den Schweiß von der Stirne zu wischen, wirkt er bedauernswert. Seine Hasstiraden machen zwar Angst, entbehren aber oftmals nicht einer gewissen Komik.

Nach eineinhalb pausenlosen Stunden wird das Publikum mit den Worten „Wer war Franz Fuchs? Der Schläfer, den ihr aufgeweckt habt, die Waffe in eurer Hand.“ verabschiedet. Das gibt zu denken. Viel Applaus für Alexander Mitterer, dem es gelingt, den Zuschauern die wirre Gedankenwelt des Bombenlegers Franz Fuchs nahezubringen.

„Der Patriot“ von Felix Mitterer / Regie: Klaudia Reichenbacher / Musik: Michael Merkusch / Bühne: Thomas Leitner / Kostüme: Klaudia Reichenbacher / Verlag: Kaiser Verlag Wien / Produktion: Theater Kaendace / Fotos: Eugen Schöberl

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