Enters with a gun and a dead seagull

„Enters with a gun and a dead seagull“ – glücklich ist hier niemand

– glücklich ist hier niemand

Junge Künstler*innen aus Österreich, Schweden und den USA feierten am 18. August 2023 mit einer modernen Adaption von Anton Tschechows Klassiker „Die Möwe“ im kleinen theater umjubelte Premiere.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Die Produktion, eine Kooperation des Salzburger Theater Chronos mit dem schwedischen Künstler*innen-Kollektiv PÖL aus Stockholm, wird nach einer großen Tour durch Österreich, Deutschland und Schweden am 19. September ins kleine theater zurückkehren. Ein heißer Tipp, denn die Professionalität der jungen Künstler*innen, die für das Theater brennen, ist beeindruckend.

Sechs junge Damen und ein junger Mann stellen sich und ihre Rollen vor. Die russischen Namen haben so ihre Tücken, doch die passenden Requisiten (Gehstock, Tücher, Brillen und Notizblock) sind tatsächlich eine große Hilfe beim schnellen Rollentausch.

Das Stück beginnt mit der Präsentation eines modernen Theaterstücks des jungen, ehrgeizigen Kostja. Er will das „alte“ Theater revolutionieren, doch seine neuen ästhetischen Formen kommen beim Publikum gar nicht gut an. Die abfälligen Bemerkungen seiner Mutter Irina, einer in die Jahre gekommenen, ehemals berühmten Schauspielerin, verletzen ihn zutiefst, sodass er die Aufführung abbricht. Das schauspielerische Talent seiner großen Liebe Nina wird jedoch von allen überschwänglich gelobt.

Dass auch Trigorin, ein berühmter Schriftsteller und Irinas Freund, sich schwer beeindruckt zeigt, schmeichelt dem etwas naiven Provinzmädchen und weckt in ihr den Wunsch, in Moskau als Schauspielerin ihr Glück zu versuchen. Kostja kommt mit ihrer Zurückweisung nur schwer zurecht. Sein Selbstmordversuch missglückt jedoch. Masha, die Tochter des Gutsverwalters, ist unsterblich in Kostja verliebt, erkennt jedoch die Aussichtslosigkeit und nimmt daher den langweiligen Lehrer Semyon Semyonovič. Nach zwei Jahren kehren alle auf das Gut zurück, doch glücklich und zufrieden ist hier niemand. Als Kostja seine große Liebe Nina wieder trifft, kommt es zur Katastrophe.

Da genderneutral besetzt wurde, spielt der einzige Mann im Team (Elias Elling) die frustrierte Masha. Dorothea Norling überzeugt als sensibler Kostja. Dieser tötet völlig grundlos die titelgebende Möwe, ein Symbol der Freiheit, und wirft sie seiner geliebten Nina vor die Füße. In dieser Rolle himmelt Mira Mitchell sehr überzeugend den großen Schriftsteller Trigorin (Rachel Marie Starkey) an. Dessen Warnung, dass ein Mann aus purer Langeweile das Leben eines jungen Mädchens zerstören kann, nimmt sie ebenso wenig ernst wie seine Selbstzweifel. Irina (Magdalena Köchl) kommt mit ihrem verblassenden Ruhm und dem Alter nur schwer zurecht. Freja Lasson und Cornelia Longueville komplettieren mit Doppelrollen das groß aufspielende Ensemble.

Magdalena Köchl

Magdalena Köchl

Die muntere, äußerst ambitionierte Truppe hat sich beim Schauspielstudium in New York kennengelernt. Seit zwei Jahren wurde an dem nun von Cornelia Longueville in Szene gesetzten Stück gefeilt. Der intensive, englischsprachige Theaterabend mit deutschen Untertiteln beweist, dass mit dem nötigen Können und Enthusiasmus mit einfachsten Mitteln – die Requisiten befinden sich in einer Plastikkiste – großes, berührendes Theater gelingen kann.

Nähere Informationen zu den Visionen des Theater Chronos von Edi Jäger und Anita Köchl finden sie unter Theater Chronos >

„Enters with a gun and a dead seagull“ – eine Adaption von Tschechows „Die Möwe“. Regie: Cornelia Longueville. Musik: Andrej Agranovski. Mit: Magdalena Köchl, Mira Mitchell, Rachel Marie Starkey, Dorothea Norling, Cornelia Longueville, Freja Larsson und Elias Elling. Fotos: Theater Chronos © David Gmelin

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