Weh dem, der lügt!

Weh dem, der lügt

Wir befinden uns im frühen Mittelalter, im Frankenland zur Zeit der Merowinger. Es war eine sehr kriegerische Zeit und so wird der Neffe des Bischofs Gregor von den Barbaren als Geisel festgehalten. Schon damals verlangte man hohe Geldbeträge für eine Freilassung.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Der freche Küchenjunge Leon erklärt sich bereit, ins Feindesland zu ziehen, um Atalus zu befreien. Erschwert wird diese Aufgabe durch den unmissverständlichen Auftrag des Bischofs, auf seiner Mission stets die Wahrheit zu sagen, ansonsten würde er den Neffen sofort wieder zurückschicken.

Der listige Leon macht sich also auf den Weg nach Trier, wo er es schafft, Graf Kattwald von den Vorzügen der fränkischen Küche zu überzeugen, und prompt als Koch eingestellt wird. Mit Hilfe von Edrita, des Grafen hübschen Töchterleins, gelingt es ihm, mit Atalus Kontakt aufzunehmen. Doch der junge Adelige, ein eingebildeter, selbstverliebter Dandy, der selbst im Schweinestall seine Noblesse nicht ablegt, hat keine Lust, als Küchenhilfe zu dienen, selbst wenn es seiner Befreiung dient. Mit viel List und Tücke, aber niemals mit einer Lüge, gelingt schließlich die Flucht und auch Edrita entkommt der Hochzeit mit dem ihr zugedachten „dummen Galomir“.

Sascha Oskar Weis glänzt als vorlauter, frecher Küchenjunge Leon, der mit Dreistigkeit und Bauernschläue die Adeligen an der Nase herumführt. Peter Marton sorgt als überdrehter, von sich eingenommener Atalus für viel Heiterkeit, besonders wenn er sich an die liebliche Edrita heranmacht. Grandios auch Werner Friedl, der als Graf Kattwald einen Barbaren verkörpert, der die gute fränkische Küche wohl zu würdigen weiß. Für sehr bodenständigen Humor sorgt Christoph Wieschke, der zwar bärenstarke, aber etwas dümmliche, verschmähte Bräutigam. Gerhard Peilstein tritt als sehr würdiger, prinzipientreuer Bischof auf.

Wunderschön und funktionell das Bühnenbild von Andrea Bernd. Für die „Schlüsselszene“ wurde eigens das Schlafgemach des Grafen Kattwald auf die Bühne gezaubert. Ansonsten dominieren düstere Mauern – bei den Barbaren malerisch von dürren Ästen umgeben, bei den christlichen Merowingern nicht ohne großes Kreuz und kirchlichen Pomp.

Durch die witzige, manchmal sogar etwas überdrehte Inszenierung von Peter Gruber wird aus Franz Grillparzers etwas herbem Lustspiel über Lüge und Wahrheit eine unterhaltsame, heitere Komödie, die beim Publikum sehr gut ankommt.

„Weh dem, der  lügt!“ von Franz Grillparzer / Inszenierung: Peter Gruber / Ausstattung: Andrea Bernd / Dramaturgie: Bettina Oberender / Mit: Gerhard Peilstein, Peter Marton, Sascha Oskar Weis, Werner Friedl, Shantia Ullmann, Christoph Wieschke, Britta Bayer und Gero Nievelstein / Fotos: Christian Schneider

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Dorfladen

1 Kommentar zu "Weh dem, der lügt!"

  1. Raphaela Vital | 9. März 2011 um 09:42 |

    Ein eher schlechtes Stück wird hier einigermaßen interessant auf die Bühne gebracht. Eine sehr schöne Fotostaffel von Christian Schneider!

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