„Ein Sommernachtstraum“ – Salzburger Landestheater

Carl Philip von Maldeghem bringt eine sehr moderne Fassung von William Shakespeares märchenhaftem Spiel um die Irrungen und Verwirrungen zweier verliebter junger Paare in einem Wald voller Geister und Kobolde auf die Bühne. Auch eine Athener Amateurtheatergruppe probt in diesem Wald ihr neuestes Stück und sorgt für zusätzliches Chaos.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

Theseus und Hippolyta wollen heiraten und planen ein spektakuläres Fest mit einer sensationellen Theateraufführung. Die Jugend Athens freut sich auf die große Party, doch Hermia und Lysander haben andere Sorgen. Sie fliehen in den nahen Wald, denn der Herr Papa ist mit ihrer Verbindung nicht einverstanden, er hat seine Tochter dem windigen Demetrius versprochen. Mit Helena, die ihn anbetet, im Schlepptau macht sich Demetrius auf die Suche nach seiner geliebten Hermia. Der Wald hat es allerdings in sich, denn hier herrscht der Elfenkönig Oberon, den die Eifersucht plagt. Um seine Gattin Titania zu bestrafen, greift er zu diversen Zaubertropfen. Sein kleiner Helfer Puck bringt jedoch so einiges durcheinander und sorgt für Chaos bei den jungen Leuten, bei Titania und schließlich auch bei der Theatergruppe.

Wo bleibt der berühmte Zettel, der von Puck in einen Esel verwandelt wird? In dieser Bearbeitung – einer Neuübersetzung für das Salzburger Landestheater – heißt er Nick Hinterteil und ist somit näher am Original („Bottom“ = Hinterteil). Man hat sich von der lange Zeit üblichen romantisierenden Übersetzung Schlegels verabschiedet und eine wesentlich deftigere, unverblümte und sehr zeitgemäße Fassung erarbeitet. Auch mit neuen Namen (Peter Quitte, Franzi Flöte, Toni Schnauze, Schnuckelig, Robin Hungerhaken) ist diese Theatergruppe einfach umwerfend. Marco Dott in der Rolle des Zettel – Pardon! – Nick  Hinterteil spielt diese Rampensau, die am liebsten alle Rollen übernehmen möchte, so hinreißend, dass er immer wieder Szenenapplaus erntet. Gero Nievelstein als Regisseur dieser unfähigen Truppe hat es schwer, seine Vorstellung von Regietheater durchzusetzen, die Gruppe meutert, sie will mit einem Musical unterhalten. Axel Meinhard in der Rolle des Löwen „Schnuckelig“ wäre doch prädestiniert dafür, „I am a tiger“ zu schmettern.

Der märchenhafte Wald besteht aus einem riesigen Spinnennetz, in dem sich besonders der kleine Puck sehr wohl fühlt, denn nur zu gerne klettert und turnt er darauf herum. Shantia Ullmann überzeugt als schusseliger kleiner Elf, der nur Unsinn im Kopf hat und viel Chaos stiftet. Christoph Wieschke und Ulrike Walther geben ein sehr würdevolles Paar ab, sowohl als Theseus und Hippolyta in Athen als auch als Oberon und Titania im Wald der Elfen. Die jungen Paare schenken sich nichts, sie streiten und zanken, die beiden Damen, Hermia (Elisabeth Hailikiopoulos) und Helena (Christiani Wetter), liefern sich einen ordentlichen „Zickenkrieg“ und immer wieder landet jemand im Wasser. Leider ist der kleine Bach, der durch den Wald fließt und die Bühne begrenzt, von den Sitzen im Parterre nur zu erahnen.

Das Publikum war von dieser frischen, frechen Inszenierung begeistert. Für die Athener Handwerker geht das Spiel jedoch weiter, denn sie wollen ihr „Wunsch-Musical“ auf alle Fälle auf die Bühne bringen, wenn es sein muss auch ohne Regisseur. Das sicherlich unterhaltsame Ergebnis ist unter dem Titel „Nightfever“ in den Kammerspielen zu sehen.

„Ein Sommernachtstraum“ von William Shakespeare. Aus dem Englischen von Carl Philip von Maldeghem. Auf der Basis der Fassung von August Wilhelm Schlegel. Inszenierung: Carl Philip von Maldeghem. Ausstattung: Bettina Richter. Dramaturgie: Maren Zimmermann. Mit: Christoph Wieschke,, Ulrike Walther, Peter Marton, Tim Oberließen, Elisabeth Halikiopoulos, Christiani Wetter, Axel Meinhardt, Shantia Ullmann, Claudia Carus, Gero Nievelstein, Marco Dott, Sebastian Fischer, Nicole Viola Hinz. Fotos: Christian Schneider

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Dorfladen

3 Kommentare zu "„Ein Sommernachtstraum“ – Salzburger Landestheater"

  1. Heide-Maria Müller | 3. Oktober 2011 um 16:27 |

    Liebe Elisabeth !
    Das klingt ja sehr verlockend. Ich schau´s mir auf alle Fälle auch an.
    Heidi

  2. Heide-Maria Müller | 3. Oktober 2011 um 16:44 |

    Zu “Molière” im Odeion Theater : Ich war sehr begeistert von den Schauspielern , von den Musikern und von der Choreographie. Das Stück selbst wäre nicht meine erste Wahl – aber es ist auf alle Fälle sehenswert.
    Besonders gut fand ich den Benjamin Blaikner, der ein wirkliches Multitalent ist.
    Heidi

  3. Heidi Müller | 27. Oktober 2011 um 09:15 |

    Liebe Elisabeth!
    jetzt hab ích den Sommernachtstraum auch endlich gesehen und ich war ebenso begeistert wie du. Wenn man das Stück nicht schon vorher kennt, ist der Inhalt zwar ein bisschen verwirrend, aber man wird durch die
    Situationskomik und die hervorragenden Schauspieler entschädigt. Besonders toll fand ich die “Handwerkertruppe” und Shantia Ullmann als Puck. Lustig, aber auch berührend !

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