“Nightfever” in den Kammerspielen

Sie haben noch nichts gehört von Peter Quittes neuestem dramatischen Meisterwerk? Das liegt daran, dass die passionierte Handwerkertruppe in Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ bei der Hochzeit von Theseus und Hippolyta ihr grenzgeniales Theaterstück „Die sehr traurige Komödie und der grausame Tod von Pyramus und Thisbe“ nur in einer Kurzversion zeigen durfte.

Peter Quitte, Nick Hinterteil, Schnuckelig, Franzi Flöte, Toni Schnauze und Robin Hungerhaken – tagsüber allesamt ehrenwerte Handwerker – spielen nämlich nicht nur Theater, sie sind auch sehr sangesfreudig und in der Szene längst ein Geheimtipp. Denn eine wilde Mischung der größten Hits der 70er von Disco bis Schlager ist ihr Spezialgebiet. Wenn sie ihre Arbeitskluft gegen Schlaghosen, viel zu enge Hemden und Plateauschuhe tauschen, wird die „Klägliche Komödie“ in den Kammerspielen endlich zum „Musical“. Denn eines steht fest: Nachts lebt diese Blaumann-Brigade ihre Träume! (Salzburger Landestheater – Kammerspiele)

Von Rochus Gratzfeld

Lustig gings zu. Und am Ende: Lächeln in den Gesichtern der Besucherinnen und Besucher. Und überhaupt. Und der erfüllte Ruf nach Zugabe. Ein bunter Reigen von 2 Frauen und vier Männern aufgeführt. Sicher kein Blut- und Spermatheater, wie es im Text ein Darsteller einmal anklingen ließ. Auch kein stimmlicher Hochgenuss, dafür NO WOMAN, NO CRY. Und überhaupt irgendwie ein unverhinderter Sommernachtstraum im Salzburger Frühherbst. Revolution und Gegenrevolution. Meuterei und feminine Dominanz. Ein Retrolöwe und ein Möchtegernmacho. YMCA78. Na ja, die Boys damals waren etwas geiler als die Männer heute auf der Bühne der Kammerspiele. Egal. Eine Premiere, mit Bezügen zu Shakespeare, Theseus und Hippolyta, Pyramus und Thisbe. Mit einer Mischung aus den größten Hits der 70er. Eine Premiere, die einfach gut unterhalten hat.

Maren Zimmermann hat dieses Musical handgemacht. Die musikalische Leitung hat Johannes Pillinger, für die Inszenierung zeichnet Angela Hercules-Joseph verantwortlich, Manuela Weilguni hat für Bühne und Kostüme Sorge getragen. Die weitere Besetzung: Peter Quitte – Gero Nievelstein, Nick Hinterteil – Marco Dott, Franzi Flöte – Sebastian Fischer, Toni Schnauze – Claudia Carus, Schnuckelig – Axel Meinhardt, Robin Hungerhaken – Nicole Viola Hinz. Fotos: Veronika Canaval

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Dorfladen

2 Kommentare zu "“Nightfever” in den Kammerspielen"

  1. sonja schiff | 3. Oktober 2011 um 14:15 |

    Sehr sehr lustig wars! Ein Stück das Erinnerungen weckt. Ein Stück zum innerlich Mitsingen. Beste Unterhaltung!

  2. Heide-Maria Müller | 13. Februar 2012 um 13:57 |

    Jetzt habe ich das “handgemachte”Musical auch endlich gesehen und war begeistert ! Mit wie wenig Aufwand kann man so gut unterhalten. Allerdings geht das nur mit so tollen Schauspielern, denn sonst wär´s wahrscheinlich peinlich. Besonders gut gefallen hat mir der Marco Dott, ein eher unscheinbarer Typ- aber auf der Bühne “läßt er die Sau raus ” ! Leider sind keine Österreicher unter den Schauspielern, aber man muss neidlos zugestehen- auch die Deutschen haben “Schmäh”.

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