Die Physiker – Darf ich fragen, was sich hier abspielt?

Als Dürrenmatt 1962 sein Stück schrieb, war der ethische Aspekt der Wissenschaft noch nicht sehr relevant, was sich jedoch heutzutage geändert hat.

Matthias Traintinger

Von Matthias Traintinger

Welche Folgen können meine Ideen haben und wenn nicht ich sie denke, vielleicht bedenkt sie ein anderer? Diese Fragen sind auch heute noch aktuell, vielleicht ausgelöst durch die Zeiten des Kalten Krieges.

Claudia Bossard ist mit ihrer Inszenierung von Dürrenmatts „Die Physiker“ etwas Geniales gelungen. Durch die Crossgender-Besetzung der klischeehaften Rollen liegt der Fokus mehr auf dem schauspielerischen Aspekt. Andri Schenardi überzeugt in der Rolle der Fräulein Doktor Mathilde von Zahnd, ebenso wie Matthias Ohner und Frieder Langenberg in den Rollen der beiden Schwestern Boll und Stettler. Die drei Physiker, Einstein, Newton und Möbius werden von Tamara Semzow, Julia Franz Richter und Sarah Sophia Meyer grandios verkörpert, gepaart mit der musikalischen Umrahmung von Paul Öllinger, Anna Tropper-Lener und Alice Peterhans.

Dürrenmatts „Physiker“ beschäftigen sich mit der Weltformel, die alles erklären würde, auch wenn dies nur eine Metapher für die Atombombe ist, so ist der Gedanke immer noch präsent. Welche Errungenschaften wofür verwendet werden können, ist zunächst nicht immer ersichtlich, jedoch sollte dieser Gedanke immer präsent sein. So auch bei Möbius, der im vermeintlich sicheren Umfeld des Sanatoriums „Les Cerisiers“ seine Gedanken niederschreibt, in der Hoffnung niemand würde sie je zu Gesicht bekommen. Jedoch hatte er die Rechnung ohne die geheimen Staatsdiener gemacht, geschweige denn ohne den Fängen seiner Fürsorger.

Die Thematik um die Atombombe, die Dürrenmatt in diesem Stück anspricht, ist heute vielleicht nicht mehr so vordringlich wie zu jener Zeit, doch begleitet sie uns fortwährend. Heutzutage sind es eher die Errungenschaften im Bereich der Informationsverarbeitung und der Biologie, welche mit Bedacht verwendet werden sollten.

Die Physiker – Komödie in zwei Akten von Friedrich Dürrenmatt | Premiere Schauspielhaus Graz 18. Oktober 201 HAUS EINS | REGIE: Claudia Bossard | BÜHNE UND KOSTÜME: Frank Holldack, Elisabeth Weiß | KOMPOSITION & MUSIKALISCHE LEITUNG: Paul Öllinger | CHOREOGRAPHIE: Nina Stadler | LICHT: Viktor Fellegi | DRAMATURGIE: Jennifer Weiss | BESETZUNG: MATHILDE VON ZAHND – Andri Schenardi, OBERSCHWESTER MARTA BOLL – Matthias Ohner, SCHWESTER MONIKA STETTLER – Frieder Langenberger, NEWTON – Julia Franz Richter, EINSTEIN – Tamara Semzov, MÖBIUS – Sarah Sophia Meyer, JÖRG LUKAS – Alice Peterhans, WILFRIED KASPER – Anna Tropper-Lener, ADOLF FRIEDRICH – Paul Öllinger, FRAU ROSE – Oliver Chomik INSPEKTOR VOß – Beatrix Doderer, BLOCHER – Susanne Konstanze Weber, MUSIKER*INNEN – Paul Öllinger, Alice Peterhans, Anna Tropper-Lener | Fotos: Schauspielhaus Graz/ Johanna Lamprecht

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Dorfladen

1 Kommentar zu "Die Physiker – Darf ich fragen, was sich hier abspielt?"

  1. Heinrich Frei Heinrich Frei | 28. Oktober 2019 um 12:03 |

    «Die Thematik um die Atombombe, die Dürrenmatt in diesem Stück anspricht, ist heute vielleicht nicht mehr so vordringlich wie zu jener Zeit, doch begleitet sie uns fortwährend.»

    Meiner Meinung nach ist die Thematik der Atombombe immer noch sehr vordringlich. Es ist zwei Minuten vor zwölf vor dem Weltuntergang. (Atomkriegsuhr). Wir hatten in den letzten 60 Jahren einfach Glück gehabt, dass es nie zu einem atomaren Schlagabtausch der Grossmächte gekommen ist, dass der Atomkrieg mehrere Male in den letzten Minuten verhindert werden konnte.

    Dazu Texte die dazu ich geschrieben habe, zur weiteren Verwendung.

    Atombomben stehen bereit um die Menschheit auszulöschen

    http://berliner-umschau.de/?p=413

    https://www.rubikon.news/artikel/die-financiers-des-massenmordes

    Freundliche Grüße
    Heinrich Frei

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