„Die Eröffnung“ – der Triumph der Souffleuse

Seit zehn Jahren bereichert das OFF-Theater die Salzburger Theaterszene. Mit Peter Turrinis 2000 in Bochum uraufgeführtem Schauspiel, einer Liebeserklärung an das Theater, wurde am 17. Oktober 2019 in den vor zwei Jahren bezogenen, gemütlichen Räumlichkeiten in Salzburg-Gnigl die Jubiläums-Saison eröffnet.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Ein junger Mann versucht ziemlich erfolglos, am Bahnhof Freisprecheinrichtungen für Handys zu verkaufen. Frustriert vom Chaos des Daseins beschließt er, in die schützende Dunkelheit des Theaters zu flüchten und dem Publikum sein Herz schenken. „Ich bin für die Bühne geboren und ich werde auf der Bühne sterben – oder überleben, sofern das Stück halbwegs gut ausgeht.“ Auch privat macht er sich auf die Suche nach einer optimal passenden Partnerin und glaubt, sie in einer Ausdruckstänzerin gefunden zu haben. Er heiratet und bekommt eine Tochter. Das Glück ist jedoch nicht von Dauer, denn das Chaos der Realität holt ihn ein.

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Auf der Bühne hingegen wird er zum gefeierten Theaterkönig. „Ich bin der Theaterkönig, ich spiele alles. Sagen Sie mir, was Sie sehen wollen, ich spiele alles.“ Am Höhepunkt seiner Karriere befällt ihn jedoch eine Sinnkrise, er hat genug vom Theater und seinen „größenwahnsinnigen Regisseuren, hirnkranken Dramaturgen, verblödeten Kostümbildnerinnen, versoffenen Inspizienten und untalentierten Kollegen“. Er geht auf Tournee und rezitiert die Hauptrollen aus verschiedenen Klassikern an einem Abend. Schließlich aber zieht er sich in ein buddhistisches Kloster in Thailand zurück und wartet dort auf die Erleuchtung. Ob er sein Leben je wieder in den Griff bekommen wird, ist fraglich, denn nach seiner Rückkehr erwartet ihn ein weiterer Schicksalsschlag.

Alex Linse und Tom Pfertner verkörpern den namenlosen Protagonisten, der sich der Welt der Bühne verschreibt. Sie erzählen in vielen kleinen Szenen von seinen Siegen und Niederlagen, seinem Glück und seinem Unglück, sowohl auf der Bühne als auch im Privatleben. Hinter einem Gazevorhang sitzt Victoria Stark als Mädchen für alles in der Künstlergarderobe, sie ist Dramaturgin, Garderobiere und Souffleuse. Als Ausdruckstänzerin lässt sie sich zwar von Anna Knott vertreten, doch als kleine Tochter fordert sie von ihrem Vater ständig Gute-Nacht-Geschichten, in denen die Wörter Bäume, Schiff und Kopiermaschine vorkommen. In einem entzückenden Schattenspiel darf das Publikum einige dieser Geschichten miterleben. Zum Finale wird ihr, der Souffleuse Ilse Kaindl, die Königskrone aufgesetzt und der Hermelinmantel umgehängt, ist sie doch die wahre Retterin.

Regisseur Jonas Meyer-Wegener lässt mit dieser Inszenierung hinter die Kulissen des Theaterbetriebes blicken. Da darf auch eine Gebrauchsanleitung für die Herstellung von Theaterblut und die Demonstration eines „Theatermessers“ nicht fehlen, ist doch auf der Bühne alles nur Illusion. Diese 90-minütige „rückhaltlose Liebeserklärung an das Theater“ vermittelt den Zauber, der jeder Vorstellung innewohnt, und ist daher für Theaterliebhaber ein MUSS.

„Die Eröffnung“ Schauspiel von Peter Turrini. Spielfassung & Inszenierung: Jonas Meyer-Wegener. Regieassistent: Lukas Ortner. Fechtchoreographie: Thomas Pfertner. Kostüme & Maske: Andreas Linse. Bühnenbau: Florian Strohriegl & Team. Choreographie und Tänzerin: Anna Knott. Mit: Alex Linse, Tom Pfertner, Victoria Stark. Fotos: OFF-Theater/ © Mark Prohaska

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