„Krankheit der Jugend“ – Mozarteum-Studenten zu Gast in den Kammerspielen

Diana Ebert und Simon Werdelis

Ferdinand Bruckner gelang mit diesem Drama über die Orientierungslosigkeit der Jugend 1928 der Durchbruch. Ein verstörendes Stück, eine beklemmende Analyse von zeitloser Aktualität, passend besetzt mit jungen Schauspielstudenten. Die Kooperation zwischen der Abteilung Schauspiel der Universität Mozarteum und dem Salzburger Landestheater hat sich bewährt.

Von Elisabeth Pichler.

Kein Wunder, dass dieses Stück in den zwanziger Jahren auf Grund seiner schonungslosen Offenheit für Aufsehen sorgte. Sieben Personen erproben in einer Wohngemeinschaft exzessiv ihre Lebensentwürfe. Die blitzgescheite, doch eiskalte und berechnende Desirée ist der Meinung: „Alle Menschen sollten sich mit 17 erschießen.“ Ihre Beziehung mit dem bösartigen Freder läuft nicht mehr besonders und so macht sie sich an Marie heran, die gerade die Wohnung für ihre Promotionsfeier schmückt. Diese hält sich einen erfolglosen Poeten als Lover. Als dieser „Bubi“ sie verlässt, weil er nicht mehr nur „das Muttersöhnchen seiner Geliebten“ sein will, gibt sie dem Drängen der schwer depressiven Desirée nach. Die junge Lucy wiederum wird von Freder benutzt, geht für ihn auf Diebestouren und schließlich sogar auf den Strich. Die arme Irene, „die kleine sterile Sau“, muss für ihr Studium hungern, hat Hemmungen und Minderwertigkeitsgefühle und freut sich, dass Bubi Interesse an ihr zeigt. Einzig Alt, „ein missglücktes Weib“, schafft es, sich aus diesem exzessiven Lebensstil herauszuhalten.

Die jungen Schauspielschüler, Simon Werdelis (Freda), Sofie Gross (Irene), Josephine Raschke (Lucy), Diana Eber (Marie), Agnes Kammerer (Desirée), Clemens Ansorg (Bubi-Petrell) und Martin Trippensee (Alt), überzeugen durch Spielfreude und vollen Körpereinsatz.

Ein bestürzend aktuelles Drama über sieben junge Menschen auf der Suche nach dem ultimativen Kick, über sexuelle Ausbeutung und moralische Desorientierung, von Marco Dott eindrucksvoll in Szene gesetzt.

„Jugend braucht die Bestätigung, dass ihr Heranwachsen einen Sinn hat, dass die Kräfte, die sie in sich spürt, gebraucht werden, dass die Leistungen, nach denen sie sich sehnt, von ihr verlangt, ja als etwas Selbstverständliches erwartet werden.“ (Ferdinand Bruckner)

„Krankheit der Jugend“ von Ferdinand Bruckner. Inszenierung: Marco Dott. Ausstattung: Manuela Weilguni. Dramaturgie: Tobias Hell. Mit: Simon Werdelis, Sofie Gross, Josephine Raschke, Diana Ebert, Agnes Kammerer, Clemens Ansorg, Martin Trippensee. Fotos: Christina Canaval

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