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Im Kleinen Theater galoppieren Elisabeth Nelhiebel und Torsten Hermentin mit Bravour durch das Poltsche Universum. Der bayrische Kabarettist, Autor, Fernseh- und Filmschauspieler begeisterte in den frühen achtziger Jahren mit der gleichnamigen TV-Serie in Sketchform das Publikum. Diese Sendung zählt heute zu den Fernsehklassikern.

Von Elisabeth Pichler.

Elisabeth Nelhiebel, Torsten Hermentin und die bayrische Regisseurin Petra Schönwald haben sich intensiv mit den umfangreichen Texten des Humoristen auseinandergesetzt und bringen – eingesäumt von einer Rahmengeschichte – Sketche und Szenen, in denen ein engstirniger Normalbürger seine klischeehafte Meinung mit großer Selbstverständlichkeit kundtut. Ernstzunehmende Gesellschaftskritik verbirgt sich hinter diesen makabren Texten. Es geht um Ausländerfeindlichkeit („Ein Pakistani kommt günstiger als ein Geschirrspüler“), eine Kinderallergie („ In einer Welt voller Pyromanen werden wir doch keine Zündhölzer züchten“), um engstirnige Finanzbeamte und vieles mehr. Torsten Hermentin kommt bestens mit der Rolle des grantigen Bayern, der seiner Partnerin niemals richtig zuhört und immer das letzte Wort haben muss, zurecht. Mit unbeholfener Gestik, verschmitztem, hinterlistigem Lächeln erinnert er stark an den großen Meister. Elisabeth Nelhiebel als seine Partnerin hat es nicht leicht, sich gegen diesen Egomanen durchzusetzen. Sie versucht erst gar nicht Gisela Schneeberger, die Lieblingspartnerin Gerhard Polts, zu imitieren, sie schafft als Frau Mittermeier eine ganz eigene Figur, eine Wiener Quasselstrippe, die das Desinteresse ihres Partners einfach nicht zur Kenntnis nimmt.

Als Rahmenhandlung dient der Faschingsball eines großen Betriebes. Das Publikum darf sich mit bunten Hütchen in Stimmung bringen, wobei die ersten drei Reihen bevorzugt behandelt werden, denn hier sitzt der Vorstand. Gemeinsam warten wir nun auf Herrn Rösner, der in der Rolle des Faschingsprinzen für Stimmung sorgen soll. Um die Wartezeit zu verkürzen, erscheinen in der Zwischenzeit eine traurige Fleischfliege, Pommes aus der Fritteuse, der Weihnachtsneger aus Tschurangrati sowie die Asiatin Mai Ling aus dem Katalog, alles gute Bekannte aus der Feder des genialen Komödianten, auf der Bühne.

Wer Gerhard Polts scharfsichtigen Humor liebt und mit ihm tief in die Abgründe der bayrischen Seele blicken möchte, sollte sich diesen vergnüglichen Abend, der Satire vom Feinsten bietet, nicht entgehen lassen. Ein Tipp: Versuchen sie unbedingt einmal „Leberkäs‘ Hawaii“, das Rezept gibt es an diesem Abend gratis.

„Gerhard Polts Fast wia im richtigen Leben“ von Gerhard Polt. Regie: Petra Schönwald. Mit: Elisabeth Nelhiebel und Torsten Hermentin. Fotos: Kleines Theater/ Markus Steinwender(1), Andreas Hechenberger(4)