„Henry’s Wives“ – Kleines Theater

Foto: Alois Lobendanz

Elisabeth Pichler. Im Zuschauerraum sitzen regungslos vier weiße, verschleierte Gestalten. Das jugendliche Publikum in der Nachmittagsvorstellung zeigte sich sehr respektvoll und hielt Abstand: „Nein, neben eine Leiche setz ich mich nicht.“

Katharina von Aragon, die erste Gemahlin des berüchtigten Heinrich VIII., erwartet laut einer göttlichen Prophezeiung die Erscheinung ihres Gatten anlässlich des 500. Hochzeitstages. Sie will versuchen, ihn zurückgewinnen, denn die Scheidung hat sie ja nie akzeptiert und vielleicht ließen sich so die nachfolgenden Damen aus den Geschichtsbüchern streichen. Doch irgendetwas ist da schief gelaufen, denn plötzlich wirft eine der „Leichen“ im Publikum ihren Schleier ab und betritt hoheitsvoll die Bühne. Es ist Kate Parr, Heinrichs letzte Gemahlin. Nach und nach erscheinen nun all seine Frauen, die sich gut zu kennen scheinen und teilweise sogar miteinander verwandt sind. Katharina von Aragon schafft es nicht, die Damen loszuwerden, denn auch diese wollen Heinrichs Erscheinen nicht verpassen, sie haben alle mit ihm noch einiges zu klären. Die Wartezeit wird mit witzigen, ironischen, teils auch bösartigen Machtkämpfen überbrückt. Eine Frage steht immer im Raum: Wird er kommen und für wen wird er sich entscheiden?

Foto: Alois Lobendanz

Der Blick auf die Bühne ist stets eine Augenweide, die prachtvollen historischen Kostüme (von Hellmut Hölzl „handgefertigt“) sind umwerfend. Jeder Person ist eine eigene Farbe zugeordnet, und da passt einfach alles: vom Haarschmuck bis zu den farblich abgestimmten Schuhen. Diese Farbcodierung erleichtert es auch dem Publikum, die einzelnen Damen besser auseinanderzuhalten, denn leider hat sich Heinrich dreimal für eine Katharina und zweimal für eine Anne entschieden. Die Damen sind aber charakterlich sehr unterschiedlich, sodass man sich schon bald am Hofe Heinrich VIII. zurechtfindet:

Sandra Pendlebury Laing ist eine großartige, hoheitsvolle, doch auch verbitterte Katharina von Aragon, eine wahrhaft königliche Erscheinung, sehr religiös und sehr prüde. Sie weiß sehr wohl, dass sie schon während ihrer Ehe, die schließlich 24 Jahre dauerte, betrogen wurde. Doch gibt sie die Schuld der verführerischen, frechen, vergnügungssüchtigen Anne Boleyn (Sonja Einböck), die das Leben auf dem Hof sichtlich genossen und dabei das Glück hatte, an einen noch relativ jugendlichen Heinrich zu gelangen. Gattin Nr.3 Jane Seymour (Katharina Kapplmüller) erscheint als Letzte, hochschwanger und im Nachthemd. Gattin Nr.4 Anna of Cleves (Martina Landl) steckt voller Minderwertigkeitskomplexe, denn ihre Ehe wurde nie vollzogen. Gattin Nr.5 Catherine Howard (Majene von Cappeln) hatte wirklich Pech. Zu ihrer Zeit war Heinrich schon alt, krank und ziemlich übergewichtig und so verliebte sie sich in den jungen Thomas Culpepper, das konnte nicht gut ausgehen. Die letzte Gattin Kate Parr (Sarah Wagner), eine starke, geldgierige Frau, überlebte Heinrich und heiratete sofort nach seinem Tode wieder.

Foto: Alois Lobendanz

In der Regie von Michael Darmanin bietet das homogene Ensemble eine großartige schauspielerische Leistung. Nach zwei Stunden hat man sie alle ins Herz geschlossen, die armen sechs Frauen von Heinrich VIII. Das Stück kann durchaus auch empfohlen werden, wenn man nur über durchschnittliche Englisch-Kenntnisse verfügt. Ein Produktion der „English Drama Group Salzburg“ ist immer Garant für niveauvolle, geistreiche Unterhaltung.

Foto: Alois Lobendanz

„Henry’s Wives – a play by Aoise Stratford – Kleines Theater / Director and Producer: Michael Darmanin / Assistant Director: Aija-Mari Oksman / Costume and Make-up Design: Hellmut Hölzl / Set: Alois Ellmauer, Lights: Erich Posch;Sandra Pendlebury Laing, Luise O’Meara, Sarah Wagner, Sonja Einböck, Majena von Cappeln, Martina Landl, Katharina Kapplmüller, Dylan V.Kromer, Jim Laing, Katharina Riepler

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