Hair

Hair

Das Salzburger Landestheater rockt die Felsenreitschule

Galt MacDermots 1968 am Broadway uraufgeführtes „ American Tribal Love-Rock Musical“ gilt als Plädoyer für Liebe, Toleranz, Menschenrechte und Frieden. Musical-Spezialist Andreas Gergen hat die Handlung aktualisiert und so kommt Greta Thunberg mit ihren engagierten Demonstranten ebenso zu Wort wie Putin mit der Ankündigung seiner Spezialoperation in der Ukraine. Standing Ovations bei der Premiere am 15. Oktober 2022 von einem begeisterten Publikum für eine knallbunte, mitreißende Show.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

LOVE steht in riesigen, bunt blinkenden Lettern auf der Bühne. Darauf turnt und tanzt eine bunte Truppe, die sich gegen das Establishment stellt, die freie Liebe praktiziert und mit bewusstseinserweiternden Drogen experimentiert. Ihr Anführer ist der charismatische Berger (Denis Riffel, eine Augen- und Ohrenweide), der seine durchtrainierte Figur gerne zur Schau stellt. Claude (Simon Stockinger) ist fasziniert vom Optimismus dieser etwas durchgeknallten Schar und schließt sich ihnen an. Er selbst kommt aus einem erzkonservativen Elternhaus, stellt gerne Videos ins Netz und möchte ein berühmter Filmregisseur werden. Sheila (Julia-Elena Heinrich) hat ein Auge auf Berger geworfen, doch der ist nach allen Seiten hin offen, ja sogar der süße Woof (Aaron Röll) in seinem rosaroten Kuschel-Jäckchen darf ihm ganz nahe kommen. Die schwangere Jeannie (Sophia Gorgi) will das Kiffen einfach nicht lassen, denn eigentlich ist das doch ganz vegan. Der Flüchtling Hud (Savio Byrczak) erzählt von seiner gefährlichen Überfahrt auf einem Boot. Marco Dott steht zwei Mal als furchteinflößender Putin in den Arkaden, als aufgeschlossene ältere Dame bewundert er die jungen Leute für ihren Mut und ihre Lebenseinstellung.

Als Claude seinen Einberufungsbefehl erhält, wird die Lage kritisch. Doch die Truppe weiß sich zu helfen. In einem großen Happening werden die Bescheide verbrannt. Eine Gegendemo von Querdenkern, Neonazis und einem Schamanen, der an den legendären Sturm auf das Capitol erinnert, macht ihnen einen Strich durch die Rechnung und sie landen alle im Gefängnis. An das tragische Ende erinnert beim Finale eine blumengeschmückte Tafel, auf der Claudes Todesjahr – 2022 – ersichtlich ist. Andreas Gergen hat die etwas wirre Story ordentlich aufgepeppt. Die österreichische Pazifistin, Friedensforscherin und Schriftstellerin Berta von Suttner, die 1905 als erste Frau mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, Alexander von Humboldt und sogar Clown Pennywise aus Stephen Kings „Es“ haben ihren großen Auftritt. Der Salzburger Festspiele und Theater Kinderchor darf mit einer Fridays- for- Future-Großdemo den Abend begleiten.

Die Bühne der Felsenreitschule ist riesengroß, doch an die 100 Personen sorgen für turbulentes Treiben auf der Bühne, in den Arkaden und sogar mitten im Publikum (Choreographie: Stephen Martin Allan). Wolfgang Götz sorgt mit seiner Love-Rock-Band für einen starken Sound, der mitreißendes Musical-Feeling garantiert und das Publikum beim finalen „Let The Sunshine In“ von den Stühlen reißt.

„Hair“ – Buch und Texte von Gerome Ragni und James Rado. Musik von Galt MacDermot. Deutsch von Nico Rabenald. In deutscher Sprache mit englischen Liedtexten. Musikalische Leitung: Wolfgang Götz. Inszenierung: Andreas Gergen. Choreographie: Stephen Martin Allan. Associate Director / Associate Choreographer: Daniel Therrien. Bühne: Stefanie Seitz. Kostüme: Aleksandra Kica. Lichtdesign: Micha Vorreiter. Sounddesign: Nenad Milosavljevic. Dramaturgie: Thomas Rufin. Mit: Simon Stockinger, Denis Riffel, Julia-Elena Heinrich, Tertia Botha, Aaron Röll, Savio Byrczak, Sophia Gorgi, Nicola Kripylo, Thomas Wegscheider, Wei-Ken Liao, Anneka Dacres, Kate Watson, Daniel Therrien, Marco Dott, Martin Trippensee, Horst Zalto, Sylvia Offermans, Alexander Hüttner. Ballett: Valbona Bushkola, Annachiara Corti, Sveva Gaudenzi, Gala Lara, Larissa Mota, Diego da Cunha, Lucas Leonardo, Niccolò Masini, Paulo Muniz, Cassiano Rodrigues. Chor des Salzburger Landestheaters. Salzburger Festspiele und Theater Kinderchor. Love-Rock-Band. Fotos: © SLT / Tobias Witzgall

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