Das Nichts übernimmt den Posten

Das Nichts übernimmt den Posten

Gastspiel im OFF Theater

Der in Litauen geborene Regisseur, Schauspieler, Musiker, Kostüm-, Masken- und Bühnenbildner Arturas Valudski ist ein Magier des absurden Theaters. In seiner aktuellen Theaterproduktion hat er sich von zwei, zu den Petersburger Novellen zählenden, fantastischen Erzählungen von Nikolaj Gogol inspirieren lassen. Gekonnt verknüpft er „Die Nase“ (1836) und „Der Mantel“ (1842) und setzt die tragischen Geschichten als surreale Groteske in Szene. Das Publikum zeigte sich bei der Premiere am 16. Oktober 2022 begeistert.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Vorteilhaft für das Verständnis ist ein kurzer Blick auf den Inhalt der Erzählungen. Beide Novellen vermischen Alltäglichkeiten mit Absurdem. In „Die Nase“ findet ein Barbier eines Morgens eine Nase, die er ganz verzweifelt in der Newa versenkt. Ein armer Mann ohne Nase will eine Annonce aufgeben und seinen Verlust melden, wird jedoch unwirsch abgewiesen. Die Nase begibt sich währenddessen auf Wanderschaft und wird in Valudskis Stück sogar in einem Rolls-Royce gesehen. „Der Mantel“ erzählt die Geschichte eines armen Beamten, der ein tristes Leben fristet. Ein neuer Mantel bringt Schwung in sein Leben. Leider nur kurz, denn er wird beraubt und sein Mantel ist weg. Er kommt mit dem Verlust nicht klar, irrt nun als Geist durch die Stadt und versucht, Passanten ihre Mäntel zu stehlen.

Zu Beginn der Performance liegen eine Frau und ein Mann friedlich unter einem weißen Leintuch. Sie merken gar nicht, wie ihre Finger wie kleine, gefräßige Würmer herumwandern und plötzlich dem Mann eine Nase in die Hand drücken. Köstlich, wie er versucht, diese wieder loszuwerden. Seine Frau beschimpft ihn währenddessen als Trunkenbold und glaubt natürlich, dass er alleine schuld sei. Vor der nächsten Szene greift Bernadette Heidegger zur Ziehharmonika und gemeinsam mit Andreas Jähnert präsentieren sie uns ein folkloristisch-musikalisches Zwischenspiel: „Wir gehen durch die erste Tür!“ So werden nach und nach noch fünf weitere Türen geöffnet und die reiselustige Nase trifft schließlich auf den abtrünnigen Mantel. Als dieser schon alt und schäbig ist, wird er von seinem ehemaligen Besitzer aufs Gröbste beschimpft und beleidigt. Abwechslung bringt ein kurioses Meeting von Wölfen und Schafen. Leider werden während der vielen Reden die Schafe immer weniger, dabei müssten sie doch nur endlich ihre Stimmen erheben. Die Realität ist leider traurig: „Der Wolf kann nicht satt sein, wenn alle Schafe leben.“

Die Intimität des OFF Theaters passt hervorragend zu der beklemmenden, tragisch-komischen Atmosphäre dieses Stücks. Bernadette Heidegger gibt sich als windige Redakteurin beinhart und schafft es mit ihrem ewigen, monotonen Geklopfe, nicht nur ihren Partner zu nerven. Andreas Jähnert erweckt in seiner Verzweiflung Mitleid. Dass er auch anders kann, zeigt er bei einer wilden Auseinandersetzung mit seiner Partnerin. Der Wutausbruch ist so perfekt inszeniert, dass das Publikum sich vor den fliegenden Tellern (Gott sei Dank aus Pappe) kaum retten kann.

Arturas Valudski ist wieder ein magischer Abend geglückt. Als Kenner der russischen Literatur, weiß er genau, wie diese phantastischen, fast märchenhaften Geschichten dem Publikum humorvoll präsentiert werden können.

„Das Nichts übernimmt den Posten“ Eine Theaterproduktion von Arturas Valudskis. Regie, Konzept, Text: Arturas Valudskis. Inspiriert von Nikolaj Gogol. Mit Bernadette Heidegger und Andreas Jähnert. Foto: OFF

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