„Der Stein“ – vielen Dank und gute Reise!

Im Kleinen Theater fand am 25. Oktober 2019 die Österreichische Erstaufführung eines Monodramas des Ärzte- und Autorenehepaars Ana-Maria und Christoph Bamberger statt.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Edi Jäger brilliert als krisengebeutelter Bankangestellter, der von einem riesigen Stein daran gehindert wird, mit seinem SUV das Haus zu verlassen, um pünktlich zu einem wichtigen Meeting zu erscheinen.

„Was ist denn das, verdammt noch mal?“ Fritz Habermann ist entsetzt, liegt doch ein tonnenschwerer, grauer Stein vor seiner Ausfahrt und versperrt ihm den Weg. Und das gerade heute, wo sein Chef, Herr Wullbrand, in der Bank auf ihn wartet. Er ruft sofort die Feuerwehr an. Da es weder brennt noch jemand verletzt ist, weigert sich der unfreundliche Herr am Telefon, jemanden los zu schicken. Habermanns Mutter ist ebenfalls keine große Hilfe, da ihr Auto in der Werkstatt steht. Und selbst der kontaktierte Taxiunternehmer vertröstet ihn auf später.

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So versucht es Herr Habermann abermals bei der Feuerwehr und behauptet nun, es brenne und Verletzte gäbe es auch. Als das nicht funktioniert, weil wiederum derselbe unfreundliche Herr am Apparat ist, rastet er völlig aus, wird ausfallend und beleidigend. Es bleibt ihm wohl nichts anderes übrig, als in der Bank anzurufen und sich krank zu melden. So übt er Dialoge mit seiner Sekretärin, seinem Freund Oli, seiner Frau Iris und schließlich sogar mit seinem Chef. Beim Telefonat sollte dann jeder Ton richtig sitzen und seine Zerknirschung echt klingen.

Schließlich vertraut er sich dem von ihm liebevoll Pietro genannten Stein an und schildert ihm seine missliche Lage. Wegen diverser Beratungsdefizite und Entgleisungen gegen Kunden steht ihm nämlich die Kündigung bevor. Sein Chef hat ihm zu allem Überfluss auch noch seine Frau Iris ausgespannt. Pietro erweist sich wirklich als grandioser Psychiater, denn er schweigt und kann gut zuhören. Fritz Habermann fühlt sich schließlich befreit und erleichtert. Als er den Stein auf Reisen schickt, weiß er bereits, dass er ihn vermissen wird.

Edi Jäger ist nicht nur ein großartiger Komödiant, sondern auch ein begnadeter Schauspieler. Dieser Monolog bietet ihm die perfekte Möglichkeit, beide Talente voll auszuschöpfen. Man empfindet Mitleid mit dem gestressten, von einer „Vorstandshyäne“ unter Druck gesetzten Bankbeamten, der zu Wutausbrüchen neigt.

Die skurrile Metapher über die gelungene Befreiung aus einer schier ausweglosen Situation wurde 2013 im Theater Paderborn Westfälische Kammerspiele uraufgeführt und ging seitdem erfolgreich in Paris, Bukarest, London und Brighton über die Bühne. Im Kleinen Theater hat Michael Kolnberger die absurd-tragikomische Geschichte mit großem Einfühlungsvermögen in Szene gesetzt. Wer wissen möchte, wo der Stein ein neues Zuhause finden wird, sollte sich unbedingt das Stück ansehen. Weitere Termine: www.kleinestheater.at

„Der Stein“ von Ana-Maria & Christoph Bamberger. Regie: Michael Kolnberger. Mit: Edi Jäger. Fotos: Ernest Stierschneider

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