Gift – Von der Gabe zur toxischen Substanz

Paracelsus

"Alle Ding' sind Gift und nichts ohn' Gift; allein die Dosis macht, das ein Ding' kein Gift ist." Philippus Aureolus Theophrastus Bombast von Hohenheim, genannt Paracelsus | Detail aus dem Grab des Paracelsus in Salzburg | Foto: KTraintinger

Das Wort Gift ist im Deutschen seit dem 9. Jahrhundert belegt und bedeutete ursprünglich „Gabe“. Dies konnte ein Gegenstand sein, ein Geschenk, eine Spende, eine Arzneigabe oder ein Heiltrank.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

In der ältesten Bedeutung bezeichnete Gift die Handlung des Gebens oder Darreichens. Daraus entwickelte sich im Sprachgebrauch die Verwendung des Wortes als Bezeichnung für das Objekt, das gegeben oder dargereicht wurde. Im 19. Jahrhundert geht die Bedeutung „Gabe“ verloren und ist heute nur mehr in dem Wort Mitgift erhalten. Die Mitgift ist Geld und Gut, das einer Frau bei ihrer Heirat von den Eltern mitgegeben wird.

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In der alten Rechtssprache bezeichnete Gift die Abtretung oder Übergabe von Grundstücken, Schenkungen, Stiftungen oder Vermächtnissen, aber auch Abgaben und Steuern. So ist im Mainzer Landrecht von 1755 die Rede von Grundzins und Giften, die zu leisten sind. Die Formel Gift und Gabe war bis ins 19. Jahrhundert im Sprachgebrauch lebendig. So hieß es beispielsweise er gelobte große Gift und Gabe. In Testamenten ist zu lesen durch Gift, Gabe und letzten Willen vermacht. Mit der Formel Gift und Gabe wurden jedoch auch Geschenke bezeichnet, die den Beigeschmack von Bestechung hatten. Insbesondere zur Zeit Luthers und in der Polemik der Reformation hatte Gift und Gabe überwiegend diese negative Bedeutung. So hieß es der Papst würde mit List, Gift und Gaben beeinflusst. Auch die Vergabe von Ämtern orientierte sich wohl häufiger an solchen Geschenken. Mitte des 17. Jahrhunderts steht zu lesen: mancher kommt zu einem stattlichen Ehrenamt durch Gift und Gaben.

Im medizinischen Bereich wurde Gift schon früh als Bezeichnung für Substanzen verwendet, die dem Körper schaden, Krankheit oder Tod bewirken. Zunächst war Gift meist die Bezeichnung für einen Gifttrank. Im Zeitverlauf wurde das Wort jedoch auch für jede Art von Krankheitsstoffen verwendet. So ist dann von der Krankheit Gift die Rede. Ab dem 17. Jahrhundert wurde dann auch sprachlich die Herkunft der verschiedenen Gifte unterschieden in Pflanzengift, Schlangengift, das Gift von Spinnen oder Skorpionen.

Von diesen konkreten Bezeichnungen wanderte Gift im Sprachgebrauch auch in übertragene Verwendungsweisen. Die Formel Gift und Galle speien findet sich seit dem 16. Jahrhundert und ist ein Ausdruck für Zorn und Wut. Wenn jemand sich boshaft oder gehässig über einen anderen äußert, sagen wir er verspritzt sein Gift. Die Formel auf etwas Gift nehmen ist erst seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts belegt und dient als Ausdruck der Beteuerung, etwas sei ganz sicher anzunehmen. Und schließlich findet sich Gift auch in abwertenden Bezeichnungen und Schimpfwörtern. Als Giftzwerg, Giftkröte oder Giftspritze werden boshafte, gehässige Menschen bezeichnet. Blondes Gift ist ein Ausdruck für blonde Frauen, die eine desaströse Wirkung auf Männer haben.

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Über den Autor

Michaela Essler
Mag. Dr. Michaela Essler, 1966 in Salzburg geboren, studierte Allgemeine und Historisch-vergleichende Sprachwissenschaft an der Paris-Lodron-Universität Salzburg und promovierte im Fach Indogermanische Sprachwissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Absolventin des Österreichischen Journalisten-Kollegs am Kuratorium für Journalistenausbildung Salzburg

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